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Finanzagent oder Warenagent

Bei einem Finanzagenten oder Warenagenten handelt es sich im Kern um einen Mittelsmann: Der Täter im Hintergrund versucht durch betrügerisches Agieren an Gelder oder Waren zu kommen. Damit der Hintermann nicht direkt zu finden ist beauftragt er Dritte, für ihn Geld oder Waren anzunehmen und später an den Täter weiterzuleiten.

Bei den Finanzagenten handelt es sich nicht selten um gutgläubige Ausgenutzte, die eine kleine Provision erhalten oder die durch soziale Tricks – etwa eine vorgetäuschte Liebschaft – zur Weiterleitung verleitet werden. Hier drohen für solche gutgläubigen Agenten eigene Strafbarkeit, speziell wegen (leichtfertiger) Geldwäsche oder Beihilfe zur Tat des Täters.

Mir sind viele Varianten von Finanzagenten in den Jahren bekannt geworden – Regelmäßig ist es aber so, dass jedenfalls nach einer gewissen Zeit eine vielleicht zu Beginn vorhandene Arglosigkeit umschlagen wird oder ein Gericht zumindest davon ausgehen wird. Je länger man das Spielchen also mitspielt, umso gefährlicher wird es.

Die Art des Weiterleitens ist sehr stark Einzelfallabhängig. Da bei Überweisungen der Geldfluss weiter zu verfolgen ist, spielen höchstens bei Mittelsleuten Geldüberweisungen eine Rolle. Am Ende muss das Geld aber nicht mehr rückverfolgbar an den Täter gelangen. Dabei sind besonders zwei Vorgehensweisen in Mode:

  • Der klassische Weg ist, dass der Kontoinhaber das Geld abhebt und dann weiterreicht. Bei einfachen eBay-Betrügereien ist es meistens ein Bekannter, dem man das Geld dann in die Hand drückt (so dass am Ende beide auf der Anklagebank sitzen). Bei gewiefteren Tätern wird dazu angehalten, das Geld abzuheben und per Transfer (etwa Western Union) ins Ausland zu schicken, wo dann wiederum ein Finanzagent das Geld empfängt und an die Hinterleute weiterreicht (man spricht hier im englischen auch von „Money Mules“).
  • Der modernere Weg ist, dass – sogar scheinbar seriös durch Stellenanzeigen, ich habe auch schon Arbeitsverträge dazu gesehen die unterzeichnet wurden – gutgläubige Menschen angeworben werden, die auf ihr Konto Überweisungen erhalten. Mit diesen Geldern sollen dann auf Bitcoin-Börsen Bitcoins erworben werden (vermeintlich als Kapitalanlage für Dritte), die dann später an externe Bitcoin-Wallets weitergeleitet werden. Die Inhaber dieser Wallets nutzen dann Bitcoin-Mixer, um die weitere Verfolgbarkeit der Bitcoins zu erschweren.

Wie wird man als Finanzagent erwischt?

Das geht relativ Fix – zum einen natürlich, wenn im Zuge von Ermittlungen irgendwann der Weg des Geldes die Ermittler zu dem Finanzagenten geführt werden. Viel Wichtiger sind aber neben den Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Geldwäschemeldungen, die die Banken vornehmen müssen, wenn Verdachtsmomente für eine Geldwäsche auftreten. Und wenn etwa regelmässige (erhebliche) Zahlungseingänge über gewisse Zeiträume hinweg bei jemandem eingehen, der zugleich vom Jobcenter Leistungen bezieht, ist eine solche Meldung geradezu vorprogrammiert.

Konsequenzen der Tätigkeit als Finanzagent

Es steht natürlich eine Strafbarkeit im Raum, zumindest wegen leichtfertiger Geldwäsche. Neben realistisch zu sehenden zivilrechtlichen Ansprüchen ist in jedem Fall zu sehen, dass eine Vermögensabschöpfung im Raum steht. Das bedeutet, zumindest die erlangten Provisionen werden ermittelt oder geschätzt und man muss diese an den Staat zahlen. Ebenso muss gesehen werden, dass ein privates Bankkonto nicht für Geldgeschäfte für Dritte verwendet werden darf, was man bei der Eröffnung des Bankkontos auch unterschrieben hat. Sobald hier Geldwäschemeldungen „aufploppen“ muss das realistische Szenario einer Kontokündigung gesehen werden.

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Von Strafverteidiger & Fachanwalt für IT-Recht Jens Ferner

Rechtsanwalt Jens Ferner ist Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht, spezialisiert auf Rechtsfragen im Strafrecht, Cybercrime, Wirtschaftsstrafrecht und IT-Recht. Er punktet zudem als Systementwickler mit zusätzlicher Fortbildung in IT-Sicherheit und IT-Forensik. Im IT-Recht inkl. Softwarerecht, Wettbewerbsrecht & Urheberrecht tätig ausschließlich für Unternehmen und Gewerbetreibende.

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