Finanzagent oder Warenagent

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Wer als „Finanzagent“ agiert hat, bewegt sich in einem strafbaren Umfeld – auch wenn man zu Beginn arglos gewesen ist! Doch was ist ein Finanzagent?

Bei einem Finanzagenten oder Warenagenten handelt es sich im Kern um einen Mittelsmann: Der Täter im Hintergrund versucht durch betrügerisches Agieren an Gelder oder Waren zu kommen. Damit der Hintermann nicht direkt zu finden ist, beauftragt er Dritte, für ihn Geld oder Waren anzunehmen und später an den Täter weiterzuleiten.

Hinweis, Update Januar 2026: Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Jahr 2017 verfasst und wird seitdem laufend aktualisiert, um alle Entwicklungen möglichst zu beachten. Beachten Sie auch, dass dieser Beitrag bei Wikipedia referenziert wird.

Gutgläubiger Money-Mule?

Bei den Finanzagenten handelt es sich nicht selten um gutgläubige Ausgenutzte, die eine kleine Provision erhalten oder die durch soziale Tricks – etwa eine vorgetäuschte Liebschaft – zur Weiterleitung verleitet werden. Hier drohen für solche gutgläubigen Agenten eigene Strafbarkeit, speziell wegen (leichtfertiger) Geldwäsche oder Beihilfe zur Tat des Täters.

Durch die Ausweitung des Geldwäschestraftatbestands und mehrere Entscheidungen des Bundesgerichtshofs ist inzwischen klar, dass Finanzagenten regelmäßig ein erhebliches Strafbarkeitsrisiko tragen – auch dann, wenn sie sich als „gutgläubige Durchlauferhitzer“ verstehen und lediglich Konten zur Verfügung stellen. Die Gerichte nehmen dabei zunehmend auf die typischen Umstände solcher Konstellationen Bezug und erwarten eine kritische Prüfung des „Jobangebots“.

Mir sind viele Varianten von Finanzagenten in den Jahren bekannt geworden – Regelmäßig ist es aber so, dass jedenfalls nach einer gewissen Zeit eine vielleicht zu Beginn vorhandene Arglosigkeit umschlagen wird oder ein Gericht zumindest davon ausgehen wird. Je länger man das Spielchen also mitspielt, umso gefährlicher wird es.

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Jens Ferner

Strafverteidiger

Die Art des Weiterleitens ist sehr stark einzelfallabhängig. Da bei Überweisungen der Geldfluss weiter zu verfolgen ist, spielen höchstens bei Mittelsleuten Geldüberweisungen eine Rolle. Am Ende muss das Geld aber nicht mehr rückverfolgbar an den Täter gelangen. Dabei sind besonders zwei Vorgehensweisen in Mode:

  • Der klassische Weg ist, dass der Kontoinhaber das Geld abhebt und dann weiterreicht. Bei einfachen eBay-Betrügereien ist es meistens ein Bekannter, dem man das Geld dann in die Hand drückt (sodass am Ende beide auf der Anklagebank sitzen). Bei gewieften Tätern wird dazu angehalten, das Geld abzuheben und per Transfer (etwa Western Union) ins Ausland zu schicken, wo dann wiederum ein Finanzagent das Geld empfängt und an die Hinterleute weiterreicht (man spricht hier im Englischen auch von „Money Mules“).
  • Der modernere Weg ist, dass – sogar scheinbar seriös durch Stellenanzeigen, ich habe auch schon Arbeitsverträge dazu gesehen, die unterzeichnet wurden – gutgläubige Menschen angeworben werden, die auf ihr Konto Überweisungen erhalten. Mit diesen Geldern sollen dann auf Bitcoin-Börsen Bitcoins erworben werden (vermeintlich als Kapitalanlage für Dritte), die dann später an externe Bitcoin-Wallets weitergeleitet werden. Die Inhaber dieser Wallets nutzen dann Bitcoin-Mixer, um die weitere Verfolgbarkeit der Bitcoins zu erschweren.

Wie wird man als Finanzagent erwischt?

Das geht relativ fix – zum einen natürlich, wenn im Zuge von Ermittlungen irgendwann der Weg des Geldes die Ermittler zu dem Finanzagenten geführt werden. Viel wichtiger sind aber neben den Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Geldwäschemeldungen, die die Banken vornehmen müssen, wenn Verdachtsmomente für eine Geldwäsche auftreten. Und wenn etwa regelmäßige (erhebliche) Zahlungseingänge über gewisse Zeiträume hinweg bei jemandem eingehen, der zugleich vom Jobcenter Leistungen bezieht, ist eine solche Meldung geradezu vorprogrammiert.

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Konsequenzen der Tätigkeit als Finanzagent

Es steht natürlich eine Strafbarkeit im Raum, zumindest wegen leichtfertiger Geldwäsche. Neben realistisch zu sehenden zivilrechtlichen Ansprüchen ist in jedem Fall zu sehen, dass eine Vermögensabschöpfung („Einziehung“) im Raum steht. Das bedeutet, zumindest die erlangten Provisionen werden ermittelt oder geschätzt und man muss diese an den Staat zahlen.

Die neuere Rechtsprechung des BGH arbeitet deutlicher heraus, dass Finanzagenten sich nicht hinter formalen Unklarheiten des Geschäftsmodells verstecken können. Wer auffällige Zahlungsströme entgegennimmt, hohe Provisionen erhält und keine nachvollziehbare Erklärung für Herkunft und Zweck der Gelder hat, muss heute regelmäßig mit dem Vorwurf der leichtfertigen oder sogar vorsätzlichen Geldwäsche rechnen. In Entscheidungen zu komplexen Betrugskonstellationen mit vorgeschalteten Finanzagenten hat der BGH zudem präzisiert, wann der Betrug bereits vollendet ist und wie sich dies auf eine zusätzliche Geldwäschestrafbarkeit auswirkt.

Verteidigung bei Geldwäsche

Beim Vorwurf Geldwäsche verteidigen unsere Strafverteidiger professionell und ruhig, vom Vorwurf bis zur Einziehung.

Ebenso muss gesehen werden, dass ein privates Bankkonto nicht für Geldgeschäfte für Dritte verwendet werden darf, was man bei der Eröffnung des Bankkontos auch unterschrieben hat. Sobald hier Geldwäschemeldungen „aufploppen“ muss das realistische Szenario einer Kontokündigung gesehen werden. Neben dem strafrechtlichen Risiko tritt inzwischen verstärkt die zivilrechtliche Haftung in den Vordergrund. Opfer von Online‑Betrug können die als Finanzagent eingesetzten Kontoinhaber direkt auf Schadensersatz in Anspruch nehmen, wenn diese leichtfertig an der Verschleierung der Gelder mitgewirkt haben. Für vermeintliche „Nebenverdienste“ stehen damit nicht nur Ermittlungsverfahren, sondern auch langfristige Rückzahlungsansprüche und Schufa‑Folgen im Raum.

Einziehung bei Finanzagenten?

Ein erhebliches Risiko stellt die schon angesprochene Einziehung dar – vor allem, weil Amtsgerichte sich hier schnell überfordert zeigen: Staatsanwaltschaften schielen auf das „gewaschene Geld“ und möchten nicht selten den gesamten transferierten Betrag bei dem Finanzagenten einziehen. Das heißt, wenn man etwa 10.000 EUR erhalten und davon sofort 9900 EUR weitergeleitet hat, soll man plötzlich 10.000 EUR an die Staatskasse zahlen.

Rechtsanwalt Jens Ferner, TOP-Strafverteidiger und IT-Rechts-Experte - Fachanwalt für Strafrecht und Fachanwalt für IT-Recht

Dies aber ist weder zwingend noch in jedem Fall überhaupt ein korrekter Ansatz – ein tritt­sicherer Strafverteidiger weiß hier anzusetzen und die Sache rechtlich zu beurteilen. Speziell, wenn, wie in vielen Fällen, nicht mal mehr Bargeld, sondern Kryptowährungen geflossen sind, besteht hinsichtlich der Einziehung bei Finanzagenten Verteidigungspotenzial!

Wird man als Finanzagent bestraft?

Es kommt darauf an, im Einzelfall muss man werten, was wohl geschieht. Nahezu sämtliche Verfahren mit überschaubarer Tätigkeit hier bei uns konnten, sogar, ohne dass eine Geldauflage notwendig war, eingestellt werden.

Es kommt in der Tat auf das eigene Verhalten an, kleine Stellschrauben beim eigenen Verhalten können den Ausschlag geben, ob letztlich eine Einstellung im Raum steht – oder eine Anklage. Es ist sinnvoll, sich hier frühzeitig um Beratung und Beistand zu kümmern, speziell seit der Reform der Geldwäsche dürften Laien hier in Vernehmungen nicht trittsicher auftreten und ohne professionelle Unterstützung den Ermittlern ausgeliefert sein.

Rechtsanwalt Jens Ferner
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