Bewährungswiderruf oder „wenn die zweite Chance auf der Kippe steht“: Es ist das teilweise hart erarbeitete, teilweise erzitterte und in jedem Fall ersehnte Ergebnis in Sachverhalten mit Freiheitsstrafe: die Aussetzung der Vollstreckung der Freiheitsstrafe zur Bewährung. Umso ernüchternder ist es dann oft, wenn „plötzlich“ der Brief ins Haus flattert, dass ein Widerruf der Bewährung im Raum steht und man angehört werden soll. Wir konnten bereits zahlreiche Bewährungen „retten“ und geben Ihnen hier viele Informationen zum Widerruf der Bewährung.
Rufen Sie an: Wir sind spezialisiert, unmittelbar erreichbar und bundesweit im Strafrecht und bei Bewährungswiderruf tätig. Vor allem, wenn das Gericht schon ankündigt, zu widerrufen, sollte man sich beeilen und nicht vorschnell aufgeben! Beispiele gefällig? Hier finden Sie ein paar willkürliche aus unserer Arbeit.
Tatsächlich dürfte ein solcher Brief kaum „plötzlich“ kommen. Und wahrlich wird regelmäßig etwas vorgefallen sein, weswegen dieser Brief nun kommt – doch der Zug ist noch nicht abgefahren: Es bietet sich einiges Potenzial, um weiteren Schaden zu verhindern. Wer aber den Kopf in den Sand steckt und gar nichts tut, der darf sich erhebliche Sorgen machen. Dabei zeigt meine Erfahrung, dass man vielfach, in einem erheblichen Teil der Fälle, etwas erreichen kann. Man muss eben wissen, was man tut.
In diesem Beitrag finden Sie erste Informationen vorab, aus unserer umfangreichen Erfahrung: Vielfach konnten wir bei einem Bewährungswiderruf helfen und den Knast abwehren, weil Gerichte in vielen Fällen hier schlicht fehlerhaft und vorschnell agieren. Aber Sie müssen sich selbst kümmern und sich sofort melden, die Frist ist kurz, und durch den Widerruf haben Sie bereits bewiesen, dass Sie es alleine nicht schaffen werden.
Strafaussetzung zur Bewährung vor dem Bewährungswiderruf
Normalerweise gibt es die Aussetzung zur Bewährung, verbunden mit Auflagen und Weisungen, natürlich immer verbunden mit der Weisung, sich straffrei zu führen.
Eine spezielle Form ist die im Jugendstrafrecht existierende Vorbewährung: Hier muss der Angeklagte sich die Bewährung erst einmal durch eine vorher geschaltete Wartezeit verdienen. Was nach besonderem Ärgernis klingt, ist tatsächlich eine besondere Chance, denn im Jugendstrafrecht wird auf diesem Weg die Möglichkeit der Bewährung dort eröffnet, wo sie eigentlich nicht zur Verfügung stehen würde.
Unser Strafverteidiger-Notruf unter 0175 1075646 steht bei den akuten strafrechtlichen Notfällen Hausdurchsuchung, Haftbefehl oder Anklageschrift kurzfristig zur Verfügung.
Mehr dazu: Haft | Haftbefehl | Hausdurchsuchung | Bewährungswiderruf | Beschuldigtenvernehmung | Vermögensarrest | Internationaler Haftbefehl | Anklageschrift erhalten | Strafbefehl | digitale Beweismittel
Wann erfolgt ein Bewährungswiderruf
Entsprechend § 56 f StGB ist die Strafaussetzung zu widerrufen, wenn der Verurteilte während der Bewährungszeit Straftaten begangen und dadurch gezeigt hat, dass sich die Erwartung, die der Strafaussetzung zugrunde lag, nicht erfüllt hat. Aus dem Gesetzeswortlaut ergibt sich aber, dass gerade nicht jede während der Bewährungszeit begangene Straftat widerrufsbegründend ist, sondern nur eine solche, die erkennen lässt, dass die frühere Verurteilung nicht zur Warnung gedient hat (siehe Brandenburgisches OLG, 2 Ws 131/96).
„§ 56 f Abs. 1 Nr. 1 StGB dient nicht der Ahndung von Verfehlungen während der Bewährungszeit“
Brandenburgisches OLG – 1 Ws 123/18
Zu beachten ist deshalb, dass die einschränkende Formulierung des § 56 f Abs. 1 Nr. 1 StGB nicht auf bloßes Legalverhalten, sondern auf die Möglichkeit der Wiedereingliederung in die Gesellschaft abzielt. Dadurch wird deutlich, dass Taten geringeren Gewichts, wie etwa Zufalls- oder Gelegenheitsdelikte, aber auch einschlägige Rückfalltaten einer neuerlichen günstigen Prognose nicht stets entgegenstehen; und deshalb bei der Widerrufsentscheidung die Umstände in der Person und der Tat zu berücksichtigen sind, die für die Prognose zukünftigen Verhaltens Bedeutung erlangen können. Deshalb ist ein Widerruf der Strafaussetzung nur dann gerechtfertigt, wenn die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit, des Vorlebens und der jetzigen Lebensverhältnisse und Tatumstände eine solche günstige Täterprognose ausschließt (Brandenburgisches OLG, 1 Ws 31/20)
Hinweis: Inzwischen ist in der Rechtsprechung nahezu einhellige Auffassung, dass bei einem Bewährungswiderruf wegen erneuter Begehung von Strafsachen eine nicht-rechtskräftige Verurteilung ausreicht, wenn ein Geständnis abgelegt wurde – oder wenn die weitere Verurteilung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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Bewährungswiderruf: Vorherige Anhörung vor dem Widerruf der Bewährung
Wenn die Anhörung kommt, ist etwas schiefgelaufen. In den meisten Fällen, die bei mir auflaufen, wurden entweder Anweisungen zur Leistung (etwa Sozialstunden oder Zahlung) schlicht nicht erfüllt oder eben weitere Straftaten begangen.
Die Anhörung ist nun die Chance, noch etwas zu retten. Insbesondere wenn gegen Auflagen verstoßen wurde, also Sozialstunden nicht geleistet oder die Zahlungen nicht vorgenommen wurden, lässt sich etwas retten. Wenn man hier den richtigen Eindruck aufbaut, sich „Mühe gibt“ und wenigstens mehr oder weniger Erklärungen liefern kann, darf man mitunter auf Milde hoffen.
Selbst in hartnäckigen Fällen lässt sich noch einiges retten: Ich hatte etwa eine Dame, die gerade einmal 60 Sozialstunden leisten musste und es partout gar nicht machte. Sie ignorierte über 1,5 Jahre hinweg sämtliche Mahnungen und Aufforderungen, selbst als konkret der Bewährungswiderruf in Aussicht gestellt wurde. Dies zog sie konsequent durch, weder gegenüber dem Gericht noch zu mir suchte sie Kontakt, eine Meisterleistung. Erst nach dem Bewährungswiderruf meldete sie sich und fing an, zu tun, was ich nur noch raten konnte: Ich besorgte ihr eine Stelle für Sozialstunden, die sie sofort antreten konnte, und legte Beschwerde ein. Bis die erste Anhörung beim Landgericht war, waren die Stunden abgeleistet, der Bewährungswiderruf wurde aufgehoben und das Thema war durch. Man merkt: Sich drum kümmern hilft.
Die Anhörung ist eine Chance, die nicht vertan werden sollte: § 56f Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB verlangt eine von dem Gericht anzustellende neue Prognose, was gerne übersehen wird! Bereits der Wortlaut des Gesetzes stellt klar, dass alleine der beharrliche und gröbliche Verstoß des Verurteilten gegen ihm erteilte Weisungen den Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung nicht rechtfertigt.
Der Bewährungswiderruf ist keine Strafe für den Weisungsverstoß. Maßgeblich ist nach allgemeiner Auffassung vielmehr, ob unter Berücksichtigung der gesamten Umstände der Verstoß zu der kriminellen Neigung oder Auffälligkeit des Verurteilten so in einer kausalen Beziehung steht, dass die Gefahr weiterer Straftaten besteht. Die Fachgerichte haben nämlich unter Einbeziehung des Verhaltens des Verurteilten während der Bewährungszeit eine erneute Prognose zu stellen, die auch inhaltlich prüfbar ist (vgl. BVerfG, 2 BvR 1046/07 und 2 BvR 252/19).

Jens Ferner
StrafverteidigerBewährungswiderruf oder angepasste Bewährung?
Man kann nicht nur die Bewährung widerrufen, sondern es gibt auch andere Wege: Wenn man etwa meint, dass da jemand schlicht dumm ist, kann man die Bewährung anpassen, um einen Widerruf zu vermeiden.

Das bietet weitere Optionen, um Potential zur Verhinderung zu schaffen.
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Bewährungswiderruf ist erfolgt
Eines Tages ist aber auch mal Schluss, dann folgt der Bewährungswiderruf.
In Fällen weiterer begangener Straftaten ist die Stellschraube weniger im Bewährungswiderruf zu suchen, als vielmehr im laufenden weiteren Strafverfahren. Wer etwa vorschnell ein Geständnis abgibt, muss damit rechnen, dass nicht einmal mehr eine Anhörung stattfindet oder das Strafverfahren abgewartet wird – je nach den Gesamtumständen reicht das schon für einen Bewährungswiderruf. Auch wenn unüblich: Selbst Einstellungen von Verfahren können zum Bewährungswiderruf führen! Es muss also die Verteidigungstaktik in dem laufenden Strafverfahren im Hinblick auf den möglichen Bewährungswiderruf ausgerichtet sein.

Droht ein Bewährungswiderruf? Kümmern Sie sich jetzt sofort darum, ein Anruf auf unserem Strafverteidiger-Notruf ist unverbindlich und kein ernsthafter Arbeitsaufwand.
Dabei ist es für mich als Rechtsanwalt bei einem Bewährungswiderruf erschreckend, wie oft Mandanten laufende Bewährungen verheimlichen und man erst bei Akteneinsicht hiervon Kenntnis erlangt; auch ärgerlich, wenn durch die späte Kenntnisnahme ein anderer Rechtsanwalt dann im Bewährungsverfahren tätig ist und man doppelte Arbeit durch Abstimmungen auf beiden Seiten hat. Dabei bietet sich auch hier Potenzial: Wenn der nunmehr erneut befasste Tatrichter zum Ergebnis kommt, dass eine Bewährung geboten ist, orientiert man sich in der Regel hinsichtlich der weiteren laufenden Bewährungen daran.
Kümmern Sie sich um Ihren Bewährungswiderruf!
Wir merken bei einem Anruf zum Thema Bewährungswiderruf meistens in den ersten Minuten schon, ob das ein Mandat wird: Wer nur Ausflüchte hat, plappert und nicht zuhören kann oder den Brief bereits X Tage vorliegen hat, sich dann aber erst nach Tagen meldet (vorzugsweise sonntags oder am letzten Tag der Frist), mit dem wird das nichts.
Sie bekommen die Freiheit nach dem Bewährungswiderruf nicht geschenkt, Sie müssen mitarbeiten und unseren Anweisungen folgen können. Wenn Sie das nicht schaffen oder wollen, sind Sie bei uns falsch. Wir lieben den Erfolg und lassen uns gute Ergebnisse nicht durch mangelnde Mitarbeit verhageln.
Sie müssen sich beeilen: Die Frist für eine sofortige Beschwerde liegt bei einer Woche! Ich habe oft, sehr oft, Anfragen, in denen sich Menschen melden, die die Ladung zum Haftantritt erhalten haben – dann ist es vorbei. Warten Sie nicht so lange, kümmern Sie sich sofort darum, wenn Sie Post haben, am besten, wenn Sie die Ladung zur Anhörung haben, man kann unheimlich viel retten. Und so teuer ist ein Strafverteidiger in dem Bereich nicht, dass man deswegen in den Knast sollte. Wenn Sie aber selbst nach dem Widerruf noch glauben, das alles selbst zu können, oder schlicht zu geizig sind für Ihre Freiheit, dann kann Ihnen der beste Anwalt nicht helfen.
Erfolgsaussichten bei Gegenwehr gegen Bewährungswiderruf
Ja! Philosophieren Sie nicht herum, fragen Sie einen Profi: In dem überwiegenden Teil der mir vorliegenden Widerrufsbeschlüsse erkenne ich Fehler. Viele Gerichte arbeiten floskelhaft, berücksichtigen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht und gehen viel zu lax mit dieser einschneidenden Entscheidung um. In der sofortigen Beschwerde lässt sich unheimlich oft so viel erreichen, aber – siehe oben – die meisten warten auch einfach zu lange. Rufen Sie sofort an!
Der Widerruf von Bewährungen und der Kampf um Bewährungen gehört zu unserem strafprozessualen Alltag – und wir sind hier sehr erfolgreich, denn: nach unserer Erfahrung steckt hier viel verborgenes Potenzial – das wegen der kurzen Beschwerdefrist oft untergeht! Gerade Amtsgerichte unterschätzen die besonderen Umstände und nehmen gerne vorschnell, etwa bei nur mangelndem Kontakt mit dem Bewährungshelfer, einen Widerrufsgrund an. Beachten Sie dazu unseren zusammenfassenden Beitrag zum Thema Bewährungswiderruf sowie den Beitrag zur mehrfachen Bewährung. Wenn Sie akuten Beratungsbedarf haben: Mail oder Messenger-Nachricht senden … und zwar sofort!
To-do-Liste für erste eigene Schritte
Mein Rat als erfahrener Strafverteidiger, was Sie sofort selbst unternehmen können:
- Kommunizieren: Sprechen Sie mit Ihrem Verteidiger und dem Bewährungshelfer.
- Dokumentieren: Zahlen Sie Rückstände sofort, organisieren Sie Sozialstunden, bringen Sie Belege mit.
- Frist beachten: Nach einem Widerruf bleibt oft nur eine Woche für die sofortige Beschwerde!
- Kein Schönreden: Offenheit und Bereitschaft, Versäumtes nachzuholen, sind überzeugender als Ausreden.
Aktuelle Entwicklungen und rechtliche Feinheiten beim Bewährungswiderruf
In den vergangenen Jahren hat sich in der Praxis zum Bewährungswiderruf eine Reihe von Punkten gefestigt, die Betroffene und Verteidiger unbedingt auf dem Schirm haben müssen: Zunächst ist höchstrichterlich weitgehend geklärt, dass es für einen Widerruf wegen erneuter Straftaten nicht zwingend einer rechtskräftigen neuen Verurteilung bedarf. Es genügt, wenn etwa ein Geständnis vorliegt oder das neue Verfahren erkennbar auf eine Verurteilung hinausläuft. Diese Linie entspricht der praktischen Logik der Gerichte, die den Schutz der Allgemeinheit vorrangig im Blick haben – stellt aber in der Verteidigung besondere Anforderungen an die Taktik im parallelen Strafverfahren.
Ein weiterer Aspekt ist die oft übersehene Anrechnung von Geldauflagen: Hat der Verurteilte in einem Bewährungsverfahren erhebliche Beträge gezahlt – z. B. an eine gemeinnützige Einrichtung –, so darf dies bei einem Widerruf nicht einfach ignoriert werden. In der gerichtlichen Praxis erlebe ich regelmäßig, dass Staatsanwaltschaften und Gerichte diese Zahlungen gar nicht oder nur pauschal würdigen. Dabei können sie die Prognoseentscheidung spürbar zugunsten des Betroffenen beeinflussen, insbesondere wenn es darum geht, ob statt eines Widerrufs mildere Mittel wie eine Auflagenerhöhung ausreichen.
Zunehmend relevant ist zudem die Frage der gerichtlichen Zuständigkeit: Es kommt vor, dass Amtsgerichte eigenständig über den Widerruf entscheiden, obwohl nach dem Gesetz regelmäßig dasjenige Gericht zuständig ist, das auch das ursprüngliche Urteil gefällt hat. Wird der Widerruf durch ein unzuständiges Gericht ausgesprochen, eröffnet das einen erheblichen Angriffspunkt in der sofortigen Beschwerde. Auch hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Formfehler und Verfahrensverstöße systematisch zu prüfen, anstatt einen Widerruf als gegeben hinzunehmen.
Schließlich gilt mehr denn je: Die Anhörung ist der zentrale Moment, um Schaden zu begrenzen. Verstöße gegen Auflagen, wie das Nichtableisten von Arbeitsstunden, lassen sich oft noch kurzfristig heilen, wenn der Mandant frühzeitig kooperiert und der Verteidiger dem Gericht tragfähige Alternativvorschläge unterbreitet. Wer sich dagegen bis zum Widerruf passiv verhält, verschenkt wertvolle Verteidigungschancen.
Zusammengefasst erfordert die Verteidigung gegen einen drohenden Bewährungswiderruf heute nicht nur schnelles Handeln, sondern vor allem ein feines Gespür für verfahrensrechtliche Stellschrauben, die Gesamtwürdigung der Lebensumstände und eine klare Kommunikationsstrategie gegenüber Gericht und Bewährungshelfer.

