Gericht erwägt die Bewährung zu widerrufen

Kampf um die Bewährung: Es ist schlimm, wenn ein Gericht mitteilt, dass eine Bewährung widerrufen werden soll. Richtig brennt es dann auch noch, wenn das Gericht mitteilt, dass man bereits erwägt, den Bewährungswiderruf ins Auge zu fassen.

Ein Beispiel aus dem hiesigen Kampf um die Bewährung:

Kampf um die Bewährung: Gericht erwägt Bewährung zu widerrufen
Das macht Angst, die Anhörung verkommt zur nutzlosen Formalie, das Gericht ist offensichtlich schon festgelegt – es dauerte 3 Monate bis das hier zuständige Landgericht endlich umgestimmt war

Ich habe diesen letzten Satz im letzten Jahr mehrmals lesen dürfen, entsprechend gering waren die Hoffnungen der Betroffenen. Tatsächlich ist in keinem einzigen Fall, in dem mir letztes Jahr dieser Satz unterkam, am Ende die Bewährung widerrufen worden.

Der Widerruf von Bewährungen und der Kampf um Bewährungen gehört zu unserem strafprozessualen Alltag – und wir sind hier sehr erfolgreich, denn: nach unserer Erfahrung steckt hier viel verborgenes Potenzial – das wegen der kurzen Beschwerdefrist oft untergeht! Gerade Amtsgerichte unterschätzen die besonderen Umstände und nehmen gerne vorschnell, etwa bei nur mangelndem Kontakt mit dem Bewährungshelfer, einen Widerrufsgrund an. Beachten Sie dazu unseren zusammenfassenden Beitrag zum Thema Bewährungswiderruf sowie den Beitrag zur mehrfachen Bewährung. Wenn Sie akuten Beratungsbedarf haben: Mail oder Messenger-Nachricht senden … und zwar sofort!

Überraschung: mit dem Anwalt zur Anhörung

Für die Gerichte war es offenkundig jedes Mal überraschend, wenn ich meine Mandanten zum Anhörungstermin begleitet habe. Mitunter entstanden sehr angenehme Atmosphären, in denen man sich schlicht unterhalten hat; einmal meinte ein Vorsitzender in einem südlichen Gerichtsbezirk lachend zu mir, es sei ja wohl unerhört und unfair, mit Anwalt zu kommen – und dann auch noch rechtlich zu argumentieren, das sei ja wohl die Höhe. Natürlich im Scherz, aber durchaus auf den Punkt gebracht: Gerichte kennen es regelmäßig schlicht nicht, dass man sich mit Anwalt dahin setzt und der dann auch noch argumentiert und eben nicht nur hübsch aussieht.

Rechtliche Argumente gegen Selbstsicherheit

Ich kann nur vermuten, dass es dem Mangel an Anwälten in Verfahren über einen Bewährungswiderruf geschuldet ist: So selbstsicher viele Gerichte auftreten, ist dies nach meinem Eindruck der letzten Jahre vor allem ständiger Übung und nicht rechtlicher Trittfestigkeit geschuldet.

Bewährungswiderruf: Kampf um die Bewährung wenn Gericht Bewährung widerrufen will
Weiteres Beispiel: Auch dies konnte ich im letzten Jahr lesen – auch hier erfolgte, nach monatelangem Kampf, dann doch kein Widerruf

Dabei geht es um nichts Böses oder um Vorwürfe, insbesondere ist die spärliche Literatur zum Thema einfach nicht ausreichend, um sich ernsthaft einzuarbeiten. Man muss, teilweise in äußerst umfangreicher Arbeit, selber herausarbeiten, welche verfassungsgerichtlichen Entscheidungen von Bedeutung sind und die bundesweite OLG-Rechtsprechung durchackern.

Nur wenn man das recht umfangreich getan hat, was mit dem Arbeitsalltag vieler nicht spezialisierter Strafrechtler kaum vereinbar sein dürfte (ich habe in meiner eigenen Datenbank inzwischen fast 80 ausgewählte und von mir aufbereitete Entscheidungen, die aus meiner Sicht essenziell sind zum Bewährungsrecht), ist man aus meiner Sicht wirklich fit im Bewährungsrecht. Und dann merkt man auch, wo es im Alltag des Bewährungsrechts hapert.

Aktuelle Ergebnisse beim Kampf gegen den Bewährungswiderruf

Ich habe aktuell (Juni 2025) einiges an neuen Fällen vorzuweisen – vor allem beim Fahren ohne Fahrerlaubnis herrscht eine gewisse Hartnäckigkeit vor … ich meine nicht die Gerichte, sondern die Mandanten, die sich trotz laufender Bewährungen hinters Steuer setzen. Hier habe ich gleich in mehreren Fällen, wo bereits zwei Bewährungen liefen, nochmal den Absprung mit individuellen Lösungen geschafft.

Bei BTM-Abhängigkeit zeigen sich immer mehr Richter menschlich zugänglich, durch die Möglichkeit auch den §64 StGB zur Bewährung auszusetzen ergeben sich hier immer wieder Kombinationen, wenn man weiss was man tut. In gleich mehreren Fällen konnte ich dabei durch eine zielgerichtet hingenommene Untersuchungshaft eine vorher nie im Raum stehende Bewährung erreichen.

In Verfahren mit Gewaltdelikten ist Einsicht das A&O, wer mit den üblichen Proletenhaften Erklärungen und Standard-Verteidigungen um die Ecke kommt, verliert – frühzeitiger TOA und stilsicheres Auftreten in der Hauptverhandlung dagegen haben selbst in einem Fall mit Verletzungen durch ein Messer sowohl U-Haft als auch Haftstafe vermieden.

Angriffspunkte bei einem Bewährungswiderruf

Oft darf ich Gerichten als Erstes erklären, dass extrem viele Mythen verbreitet sind: So ist ein Bewährungswiderruf weder zwingend, nur weil man eine weitere Straftat begangen hat, Arbeitsstunden nicht leistet, noch weil man den Kontakt zum Bewährungshelfer schleifen lässt. Letzteres begegnet mir interessanterweise überproportional oft als Widerrufsgrund, ist aber fast am wenigstens geeignet auch nur über einen Bewährungswiderruf nachzudenken (noch mehr die ebenso gerne heran gezogene Meldeauflage, die mal gar kein Argument für einen Bewährungswiderruf sind). Und da bin ich noch nicht bei den ständigen Drogenscreenings, die mindestens bei den Kosten, aber auch schon bei der Anordnung dem Grunde nach regelmäßig in meinen Augen fehlerhaft erfolgen.

Wenn man nun weiß, was man hierzu sagen muss – und vor allem auch wie – zeigt sich bei mir inzwischen eher als Regelfall, dass man gegen schon angekündigte Bewährungswiderrufe sehr sachlich und ruhig argumentieren kann. Ohne Showeffekte und Nebelkerzen.

Und noch ein Beispiel: Hier war sich die Kammer sehr sicher, teilte direkt mit, dass man widerrufen möchte (was auch geschah) – es dauerte 5 Monate und am Ende hat das OLG hier einen Schlussstrich gezogen und den Bewährungswiderruf aufgehoben. Auch hier waren es sachliche Argumente und sauberes Arbeiten, was schlicht überzeugte.

Das Problem bleiben allein: die Mandanten. Weiterhin werde ich ständig angerufen und höre direkt Ausflüchte – oder man ruft an, wenn die Rechtsmittelfristen schon lange vorbei sind. Ich kann nur raten: Wenn das Gericht anschreibt und einen Anhörungstermin ansetzt, sofort die Beine in die Hand nehmen und einen Strafverteidiger suchen, der weiß, wie Bewährungen funktionieren. Mit dem dann arbeiten noch bevor die Anhörung stattfindet, die Chancen sind jedenfalls nach meiner Erfahrung statistisch gut, hier noch etwas zu reißen.

Fachanwalt für Strafrecht & IT-Recht bei Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf
Rechtsanwalt Jens Ferner ist Spezialist für Strafverteidigung (insbesondere bei Wirtschaftskriminalität wie Geldwäsche, Betrug bis zu Cybercrime) sowie für IT-Recht (Softwarerecht und KI, IT-Vertragsrecht und Compliance) mit zahlreichen Publikationen. Als Fachanwalt für Strafrecht und IT-Recht vertrete ich Mandanten in komplexen Zivil- und Strafverfahren, insbesondere bei streitigen Fragen im Softwarerecht, bei der Abwehr von strafrechtlichen Vorwürfen oder Ansprüchen in der Managerhaftung sowie bei der Einziehung von Vermögenswerten. Mein Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen technischem Verständnis und juristischer Strategie, um Sie in digitalen Fällen und wirtschaftlichen Strafsachen effektiv zu verteidigen und zu beraten.

Erreichbarkeit: Per Mail, Rückruf, Threema oder Whatsapp.

Unsere Anwaltskanzlei ist spezialisiert auf Strafverteidigung, Cybercrime, Wirtschaftsstrafrecht samt Steuerstrafrecht sowie IT-Recht und Managerhaftung. Von Verbrauchern werden allein Strafverteidigungen übernommen - wir sind im Raum Aachen zu finden und bundesweit tätig.
Rechtsanwalt Jens Ferner
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Von Rechtsanwalt Jens Ferner

Rechtsanwalt Jens Ferner ist Spezialist für Strafverteidigung (insbesondere bei Wirtschaftskriminalität wie Geldwäsche, Betrug bis zu Cybercrime) sowie für IT-Recht (Softwarerecht und KI, IT-Vertragsrecht und Compliance) mit zahlreichen Publikationen. Als Fachanwalt für Strafrecht und IT-Recht vertrete ich Mandanten in komplexen Zivil- und Strafverfahren, insbesondere bei streitigen Fragen im Softwarerecht, bei der Abwehr von strafrechtlichen Vorwürfen oder Ansprüchen in der Managerhaftung sowie bei der Einziehung von Vermögenswerten. Mein Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen technischem Verständnis und juristischer Strategie, um Sie in digitalen Fällen und wirtschaftlichen Strafsachen effektiv zu verteidigen und zu beraten.

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