Cybercrime mal anders: Diebe von 28 Luxusautos gefasst

Deutsche und litauische Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmen Vermögenswerte im Wert von 1 Million Euro und zerschlagen ausgeklügelte Fälscherwerkstätten, meldet Europol (im Folgenden die Meldung): Eine enge Zusammenarbeit zwischen litauischen und deutschen Behörden sowie die Unterstützung von Europol und Eurojust haben zur Zerschlagung eines internationalen kriminellen Netzwerks von Autodieben geführt. Maßgeblich beteiligt waren die Kriminalpolizeidirektion des Polizeipräsidiums Heilbronn, die Kriminalpolizei Klaipėda in Litauen sowie die Staatsanwaltschaften in Heilbronn und Litauen.

Hinweis: Der vorliegende Vorwurf zeigt einerseits, wie Cybercrime sich in technischer Hinsicht von Computern in den Alltag verlagert. Andererseits bestehen hier die üblichen, bei uns im Blog schon mehrfach dargestellten Verteidigungsprobleme: Verschlüsselte Chats, die verwertet werden sollen, eine (Vermögensabschöpfung), die die Existenz vernichten kann – mehr noch als die eigentliche Strafe.

Eine gute Verteidigung konzentriert sich in solchen Fällen auf existenzsichernde Maßnahmen und legt den Fokus auf die Einziehung – nicht auf Show-Effekte vermeintlicher Beweisverwertungsverbote.

Was die Ermittler herausfanden

Es wurde eine operative Task Force gebildet, die bei einem gemeinsamen Aktionstag im Dezember 2023 in Litauen zwei hochrangige Zielpersonen identifizierte, die aufgrund von Europäischen Haftbefehlen festgenommen wurden.

Das kriminelle Netzwerk um die beiden Litauer hatte in Deutschland mindestens 28 Luxusfahrzeuge gestohlen und dabei einen Schaden von mehr als 1,8 Millionen Euro verursacht. Die Fahrzeuge wurden entweder nach Litauen geschmuggelt und dort mit neuen, gefälschten Papieren versehen oder in Werkstätten zerlegt und als Ersatzteile verkauft.

Während des Aktionstages wurden zeitgleich in mehreren litauischen Städten Hausdurchsuchungen durchgeführt. Neben der Verhaftung der beiden Drahtzieher des kriminellen Netzwerks wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. In einer metallverarbeitenden Werkstatt mit Prägewerkzeugen fanden die Beamten Rohmaterial für die Herstellung von Kfz-Kennzeichen sowie gefälschte Zulassungsplaketten.

Beschlagnahmt wurde eine Reihe von hoch entwickelten Druckmaschinen, darunter kommerzielle Drucker, CO2-Lasergraviermaschinen, Kopierfolien, Polymerplatten, Chemikalien, Prägewerkzeuge, Schneide- und Stanzmaschinen, UV-Aushärtungsmaschinen und Pressen. Darüber hinaus beschlagnahmten die Strafverfolgungsbehörden Vermögenswerte im Wert von rund 1 Million Euro.

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Aufhänger: Autodiebstähle

Im Vorfeld des Aktionstages wurden die Strafverfolgungsbehörden aus Deutschland und Litauen von Europol bei umfangreichen Ermittlungsmaßnahmen unterstützt, die durch einen starken Anstieg von Autodiebstählen ausgelöst worden waren. Im Jahr 2020 konnte zunächst ein litauischer Staatsangehöriger wegen organisierter Bandenkriminalität festgenommen und später verurteilt werden. Die Ermittlungen nach diesem ersten Erfolg förderten jedoch ein weit verzweigtes kriminelles Netzwerk zutage, das nicht nur in organisierte Eigentumskriminalität, sondern auch in internationalen Drogenhandel, Geldwäsche und verwickelt war.

Um die Struktur des Netzwerks zu entschlüsseln und seine Mitglieder zu identifizieren, wurde Anfang des Jahres die Operative Task Force (OTF) „“ eingerichtet. Mit dem Ziel, die internationale Zusammenarbeit weiter zu stärken und zu optimieren, analysierten die Teilnehmer der OTF hunderttausende verschlüsselte Chats und ergriffen Maßnahmen, um Bandenmitglieder in Litauen ausfindig zu machen. Darüber hinaus identifizierte das OTF kriminelle Wegbereiter wie Fälscher und Geschäftsinfrastrukturen, die als Fälscherwerkstätten dienen.

Keyless: Bequem, aber anfällig

Was hat das mit Cyberkriminalität zu tun? Fahrzeuge mit ferngesteuerten schlüssellosen Zugangssystemen erkennen den Schlüssel über ein Funksignal, wenn er sich in der Nähe des Fahrzeugs befindet. Schlüssellose Zugangssysteme sind bequem, aber auch anfällig: Diebe nutzen die Funkverbindung zwischen Fahrzeug und Schlüssel, um sich unbefugt Zugang zum Auto zu verschaffen.

Dazu verwenden sie Signalverstärker, um die Funkverbindung zwischen Fahrzeug und Schlüssel abzufangen und zu verlängern. Diese Technik simuliert einen autorisierten Schlüssel im Fahrzeug, obwohl dieser gar nicht vorhanden ist.

Schützen Sie sich vor Autodieben

  • Lassen Sie den Schlüssel nicht in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür liegen.
  • Schirmen Sie das Funksignal ab (z.B. mit einem Aluminiumdeckel oder einer Blechdose) und führen Sie einen Test im Fahrzeug durch. Nur wenn der abgeschirmte Schlüssel nicht direkt im Fahrzeug funktioniert, sind Sie ausreichend geschützt.
  • Achten Sie auf Personen mit großen Taschen oder Aktenkoffern, die sich verdächtig verhalten, wenn Sie Ihr Fahrzeug verlassen. Es könnte sich um professionelle Autodiebe handeln.
  • Sie können sich auch beim Fahrzeughersteller erkundigen, ob es möglich ist, das schlüssellose Zugangssystem Ihres Fahrzeugs vorübergehend zu deaktivieren. Bei einigen Schlüsseln kann die Keyless-Funktion vollständig deaktiviert werden, z. B. durch zweimaliges Drücken der Verriegelungstaste des Schlüssels. Auch Ihr Händler oder Ihre Werkstatt kann Sie über die Möglichkeiten speziell für Ihr Fahrzeug beraten.
Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)
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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)

Ich bin Fachanwalt für Strafrecht + Fachanwalt für IT-Recht und widme mich beruflich ganz der Tätigkeit als Strafverteidiger und dem IT-Recht. Vor meinem Leben als Anwalt war ich Softwareentwickler. Ich bin Autor sowohl in einem renommierten StPO-Kommentar als auch in Fachzeitschriften.

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