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Strafrecht: DNA-Spur ist kein Beweis sondern nur Indiz

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf: 02404 92100

Eine DNA-Spur an einem Tatort oder in der Nähe eines Tatorts ist kein Beweis sondern nur ein Indiz, was der BGH regelmäßig betonen muss. Allerdings ist zu sehen, dass Gerichte hier durchaus das notwendige Fingerspitzengefühl beweisen: In einer von mir vertretenen Sache wurde mein Mandant beschuldigt einen überfall begangen zu haben. Man stütze sich darauf, dass mein Mandant und eine weitere Person einen Kiosk überfallen haben sollten. Dabei hatten die Täter zwei Fahrräder zurückgelassen, weiterhin hatte man eine der beiden Strumpfmasken zurückgelassen, die die Täter trugen. Hierbei befand sich in der Maske an der Innenseite eine DNA-Spur meines Mandanten, weiterhin fand man im zurückgelassenen Fahrrad eine Bierflasche mit DNA-Spuren meines Mandanten. Dies genügte nicht: Weder für eine noch für eine Hauptverhandlung.

Bei der DNA-Spur in der Maske handelte es sich um eine Mischspur, das Fahrrad befand sich nicht einmal am Tatort selber – damit konnte bereits verhindert werden, dass überhaupt ein dringender Tatverdacht bezüglich der anzunehmen war.

Die Staatsanwaltschaft fertigte später eine Anklage, die das Landgericht dann aber mit der Ablehnung der Eröffnung des Hauptverfahrens quittierte:

„Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass der Angeschuldigte an der Tat (…) beteiligt war und (…) die sichergestellte Maske getragen hat. Der Beweis wird (…) aber nicht erbracht werden können. Es wird schon nicht mit der nötigen Sicherheit überhaupt positiv festgestellt werden können, dass der Angeschuldigte (mit-)Verursacher der Mischspur innen an der Mütze war; dies kann lediglich nicht ausgeschlossen werden, ohne dass insoweit weitere Aufklärungsmöglichkeiten bestehen. Ohne wenigstens in diesem Punkt Gewissheit zu haben, kann auch kein hinreichender Tatverdacht gegen den Angeschuldigten begründet werden.“

Dies ist ein wichtiger Punkt, den gerade Laien gerne übersehen: Eine DNA Spur bedeutet erst einmal nur, dass eben solche DNA an dem jeweiligen Ort, wo sie gefunden wurde, vorhanden war. Nicht mehr und nicht weniger. Darüber hinaus, wenn man sich also fragt warum die DNA dort war, ist sie lediglich ein Indiz und darf unter keinen Umständen überbewertet werden. Je nach Gesamtbild kann dieses Indiz belastend sein, oder aber letztlich wertlos sein. Im vorliegenden Fall ist eine Mischspur, die ja gerade von mehreren Personen stammt, eben kein Beweis dafür dass eine (willkürlich) hiervon ausgesuchte Person nun zwingend der Täter sein muss.

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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT-Recht & Strafverteidiger)

Rechtsanwalt Jens Ferner ist Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht. Spezialgebiete von RA JF: Cybercrime, IT-Sicherheit, Softwarerecht, BTM-Strafrecht, Jugendstrafrecht und Wirtschaftsstrafrecht. Er ist Autor und hält Fach-Vorträge als Dozent zu den Themen Cybercrime, Strafprozessrecht, DSGVO, Cybersecurity und digitale Beweismittel inkl. Darknet- und Encrochat.

Unsere Rechtsanwälte sind spezialisiert auf Strafverteidigung im gesamten Strafrecht und IT-Recht, speziell bei Softwarerecht, DSGVO & IT-Vertragsrecht - mit ergänzender Tätigkeit im Arbeitsrecht sowie im digitalen gewerblichen Rechtsschutz.

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