Die durch die Behörden beschlagnahmten Cannabismengen bewegen sich in der EU weiter auf sehr hohem Niveau: 2023 wurden rund 551 Tonnen Cannabisresin und 201 Tonnen pflanzliches Cannabis sichergestellt – jeweils in Hunderttausenden einzelner Sicherstellungen.
Spanien spielt dabei eine Schlüsselrolle und zeichnet allein für etwa 68 % der in der EU sichergestellten Harzmenge, 30 % der herbalen Cannabismenge und 73 % der beschlagnahmten Cannabispflanzen verantwortlich. Wobei man der Grafik der EUDA (vormals: EMCDDA) auch entnehmen kann, wie sich in der EU insgesamt die für Strafverfahren wichtigen Werte verteilen:
- Wirkstoffgehalt: Bei in der EU sichergestelltem Cannabis lag der durchschnittliche THC‑Gehalt 2023 bei etwa 11 % für pflanzliches Cannabis und 23 % für Cannabisresin; die Werte schwanken aber teils deutlich je nach Land und Produkt.
- Preis in DE: Von 5 Euro bis 20 Euro pro Gramm, im Schnitt 8-13 Euro;
- Preisniveau in der EU: Auf europäischer Ebene bewegen sich die Straßenpreise für Cannabis seit Jahren in einem vergleichsweise stabilen Bereich; auffällig ist, dass höhere THC‑Gehalte heute oft ohne proportional höheren Endkundenpreis angeboten werden.
- Konsumverhalten: Schätzungen zufolge haben in der EU rund 15,4 % der 15‑ bis 34‑Jährigen (15,5 Millionen Menschen) im letzten Jahr Cannabis konsumiert; bei den 15‑ bis 24‑Jährigen sind es 18,6 %. Etwa 1,5 % aller Erwachsenen (4,3 Millionen Menschen) gelten als tägliche oder nahezu tägliche Konsumenten, also Konsum an 20 oder mehr Tagen im letzten Monat.
- Nicht geringe Menge Cannabis: 7,5 Gramm

Diese Werte im Durchschnitt entsprechen auch sehr genau dem Bereich, den ich in Strafverfahren immer wieder in Deutschland erlebe, jedenfalls für unseren Bereich dürften diese Zahlen sehr repräsentativ sein. Ausnahme: Nicht professionell vorgehaltene kleine Pflanzen für den Eigenkonsum, hier erlebe ich häufig noch die 3-5% Wirkstoffgehalt, die vor Jahrzehnten mal dem üblichen Markt entsprachen. Beachten Sie unbedingt auch die Thematik des Wirkstoffgehalts:
- Das Wirkstoffgutachten im BTM-Strafrecht
- Schätzung des Wirkstoffgehalts im BTM-Strafverfahren
- Kauf von Drogen im Internet
- Wir vertreten erfahren im gesamten Betäubungsmittelstrafrecht
- Wichtige statistische Daten zu Drogen: Heroin, Kokain, Amphetamin und Cannabis

Hinsichtlich des zunehmend steigenden Wirkstoffgehaltes ist insoweit auf die Ausführungen der Drogenbeauftragten hinzuweisen:
In den letzten Jahrzehnten ist der THC-Gehalt von Cannabis stark angestiegen. So lag der Medianwert für Haschisch im Jahr 1996 bei 4,9 % und hat sich bis 2017 verdreifacht auf 14,7 %. Der Medianwert für Marihuana lag 1996 bei 4,8 %. Seit 2004 wird der Medianwert für die Blütenstände getrennt vom Marihuanakraut erfasst. Der Medianwert des THC für die Blütenstände lag 2017 bei 13,1 % (BKA). Wenn die hochgezüchteten Cannabissorten zudem wenig oder kein Cannabidiol (CBD) enthalten, das die Wirkung des THC abmildern kann, steigt das Risiko für gesundheitliche Folgeschäden und die Entwicklung einer Abhängigkeit (Freeman et al., 2018; Yücel et al., 2016; Freeman et al., 2015). Parallel zum Anstieg des THC-Gehaltes ist der CBD-Anteil in den letzten Jahren gesunken.
Drogen- und Suchtbericht 2018 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Seite 86
Konsumverhalten bei Cannabis in der EU
Cannabis ist in Europa die Substanz, die am häufigsten als Hauptproblemstoff bei Erstaufnahmen in die Suchthilfe genannt wird: 2023 traten schätzungsweise 106 000 Klienten wegen Cannabis in eine spezialisierte Behandlung ein, davon rund 62 000 erstmals. Damit entfielen etwa 34 % aller Behandlungsaufnahmen und 42 % aller Erstaufnahmen auf Cannabis.
Die meisten dieser Klienten sind männlich (81 %), wobei der Anteil von Frauen in den letzten Jahren leicht gestiegen ist. Im Mittel vergehen inzwischen 10 bis 12 Jahre zwischen dem ersten Cannabiskonsum und der ersten Behandlung; die Betroffenen sind bei Erstaufnahme meist Ende 20.


Beschlagnahmte Mengen in der EU nach Land, Zeit und Art
2023 wurden in der EU rund 259 000 Sicherstellungen von Cannabisresin mit insgesamt 551 Tonnen und rund 219 000 Sicherstellungen von pflanzlichem Cannabis mit insgesamt 201 Tonnen gemeldet. Nach einem markanten Rückgang der Resinmenge um 43 % im Jahr 2022 ist die sichergestellte Menge 2023 wieder leicht angestiegen, liegt aber weiterhin unter dem Höchststand von 817 Tonnen im Jahr 2021.
Die Daten verdeutlichen zugleich die unterschiedlichen Marktstrukturen: Während Cannabisresin aufgrund der grenzüberschreitenden Transporte besonders häufig in großen Mengen beschlagnahmt wird, stammt ein erheblicher Teil des herbalen Cannabis aus innerhalb der EU betriebenen Anbauanlagen.

Erstkonsum von Cannabis
Nach Daten der ESPAD‑Schulbefragung 2024 haben im EU‑Durchschnitt etwa 13 % der 15‑ bis 16‑jährigen Schüler Cannabis mindestens einmal im Leben konsumiert; 2,6 % berichten einen Erstkonsum bereits mit 13 Jahren oder jünger.
Über die letzten 20 Jahre ist der Anteil der 15‑ bis 16‑Jährigen mit Lebenszeit‑ bzw. 30‑Tage‑Konsum zwar insgesamt gesunken, allerdings lag die Prävalenz 2019 noch deutlich höher, so dass der aktuelle Rückgang überwiegend in den letzten Jahren stattgefunden hat.

Drogen im Blog
In unserem Strafverteidiger-Blog gibt es einige Informationen zum Thema Drogenstrafrecht und wir sind als Strafverteidiger rund um BtMG und KCanG tätig:
- Nicht geringe Menge BTM
- Besitz von Betäubungsmitteln
- Einfuhr von Betäubungsmitteln
- Handeltreiben mit Betäubungsmitteln
- Cannabidiol strafbar?
- Das Wirkstoffgutachten im BTM-Strafrecht
- Schätzung des Wirkstoffgehalts im BTM-Strafverfahren
- Kauf von Drogen im Internet
- Wichtige statistische Daten zu Drogen: Heroin, Kokain, chemische Drogen und Cannabis
Neue Cannabisprodukte und halbsynthetische Cannabinoide

Die Produktpalette auf dem Cannabismarkt hat sich in den letzten Jahren stark erweitert: Neben klassischen Blüten und Harz treten hochpotente Extrakte, Edibles und mit synthetischen oder halbsynthetischen Cannabinoiden versetzte Produkte. Teilweise werden auch Produkte mit sehr niedrigem THC‑Gehalt, aber hohem CBD‑Anteil als vermeintlich ‚harmlose‘ Alternativen vermarktet.
Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit halbsynthetischen Cannabinoiden wie Hexahydrocannabinol (HHC), HHC‑P oder THCP, die aus CBD‑haltigem Nutzhanf gewonnen werden können und in einigen Ländern zeitweise als vermeintlich legale Produkte in Handel und Online‑Shops auftauchten. Inzwischen ist HHC in mindestens 22 EU‑Mitgliedstaaten als Betäubungsmittel eingestuft; zudem wurde der Stoff 2025 auf UN‑Ebene den gleichen Regelungen wie Delta‑9‑THC unterworfen, nachdem u.a. mehrere Vergiftungscluster bei Jugendlichen nach Konsum von HHC‑haltigen Edibles berichtet wurden.
Für Strafverfahren bedeutet das im Kern, dass bei ungewöhnlichen Intoxikationsverläufen oder auffälligen Produkten nicht nur auf klassisches THC, sondern auch auf synthetische und halbsynthetische Cannabinoide geachtet werden sollte; regelmäßig ist dann eine gezielte Erweiterung des toxikologischen Untersuchungsspektrums anzuregen.
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