Preise & Wirkstoffgehalt von Kokain: Die Menge des in der EU beschlagnahmten Kokains befindet sich inzwischen seit Jahren auf Rekordniveau: 2023 wurden in der EU rund 419 Tonnen Kokain in etwa 95 000 Sicherstellungen beschlagnahmt – der höchste Wert im siebten Jahr in Folge. Belgien (123 Tonnen), Spanien (118 Tonnen) und die Niederlande (59 Tonnen, unvollständige Daten) vereinen dabei rund 72 % der sichergestellten Gesamtmenge auf sich; Deutschland meldete 2023 Rekordmengen von 43 Tonnen.
Wobei man der Grafik der EUDA (vormals: EMCDDA) auch entnehmen kann, wie sich in der EU insgesamt – die für Strafverfahren – wichtigen Werte verteilen:
- Wirkstoffgehalt: Der Wirkstoffgehalt von Kokain auf Straßenebene lag 2023 im europäischen Vergleich im Durchschnitt in vielen Staaten zwischen etwa 66 % und 81 %, mit einer Spannbreite von rund 17 % bis 96 % und seit 2013 insgesamt deutlich gestiegener Reinheit.
- Preis: Während die Straßenpreise für Kokain in Europa in den letzten zehn Jahren insgesamt relativ stabil geblieben sind, ist die Reinheit im selben Zeitraum um rund ein Drittel gestiegen; in deutschen Verfahren sehe ich typischerweise Preise um 80 Euro pro Gramm bei hoher Reinheit.
- Konsumverhalten: Kokain ist nach Cannabis weiterhin die zweithäufigste illegale Droge in Europa; Schätzungen zufolge haben rund 2,7 Millionen 15‑ bis 34‑Jährige in der EU im letzten Jahr Kokain konsumiert. Dabei konsumiert etwa ein viertel täglich, wobei die Hauptkonsummethode das Sniffen ist und über 80 % der erstmals in Behandlung aufgenommenen Kokainklienten berichten, Kokain überwiegend als Pulver zu sniffen; weniger als 1,5 % geben Injizieren als Hauptkonsummethode an.
- Nicht geringe Menge Kokain: 5 Gramm
Drogen im Blog
In unserem Strafverteidiger-Blog gibt es einige Informationen zum Thema Drogenstrafrecht und wir sind als Strafverteidiger rund um BtMG und KCanG tätig:
- Nicht geringe Menge BTM
- Besitz von Betäubungsmitteln
- Einfuhr von Betäubungsmitteln
- Handeltreiben mit Betäubungsmitteln
- Cannabidiol strafbar?
- Das Wirkstoffgutachten im BTM-Strafrecht
- Schätzung des Wirkstoffgehalts im BTM-Strafverfahren
- Kauf von Drogen im Internet
- Wichtige statistische Daten zu Drogen: Heroin, Kokain, chemische Drogen und Cannabis
Gesundheitliche Risiken und Behandlungsbedarf
Kokain ist inzwischen die am häufigsten genannte Substanz bei akuten Drogentoxizitäten in europäischen Notaufnahmen: In Euro‑DEN‑Plus‑Sentinel‑Kliniken war Kokain 2023 in rund einem Viertel der erfassten akuten Drogennotfälle beteiligt. Wo Daten vorliegen, war etwa die Hälfte dieser Fälle mit gleichzeitigem Alkoholkonsum verbunden. Die nüchternen Daten sprechen dabei eine deutliche Sprache: Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 43.070 Kilogramm Kokain sichergestellt – doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Dabei handelt es sich nur um die entdeckte Menge. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Die europäische Drogenagentur (EUDA) schätzt, dass 2,5 Millionen junge Erwachsene in der EU im vergangenen Jahr Kokain konsumiert haben. In deutschen Großstädten lässt sich der steigende Konsum auch an den Rückständen im Abwasser ablesen. In Dortmund etwa wurde ein deutlicher Anstieg des Wirkstoffmetaboliten Benzoylecgonin gemessen – ein untrüglicher Indikator für den Konsum in der Bevölkerung.
Dieser Boom ist nicht allein durch veränderte Nachfrage zu erklären. Die Preise für Kokain sind in den letzten Jahren drastisch gefallen – von ehemals über 100 US-Dollar auf aktuell etwa 44 US-Dollar pro Gramm. Und mit der Preisreduktion geht eine enorme Ausweitung der Verfügbarkeit einher. Laut Bundesdrogenbeauftragtem Blienert war es „noch nie so leicht“, an Kokain zu gelangen – ganz gleich, ob auf dem Land oder in der Stadt. Dienste wie das „Koks-Taxi“, das per Chat-Nachricht bestellt werden kann, sind längst kein Großstadtphänomen mehr.
Kokain: Wirkstoffgehalt
Diese Werte im Durchschnitt entsprechen fast dem Bereich, den ich in Strafverfahren in Deutschland erlebe, jedenfalls für unseren Bereich dürften diese Zahlen eher unter-repräsentativ sein. Ich habe eher Wirkstoffgehalte um die 80% und mehr erlebt bei Preisen um die 80 Euro bis etwas mehr. Ausnahme: Wenn das Zeug zu sehr gestreckt ist (was sich schnell rumspricht und den Preis dann automatisch drückt).

Beachten Sie unbedingt auch die Thematik des Wirkstoffgehalts:
- Das Wirkstoffgutachten im BTM-Strafrecht
- Schätzung des Wirkstoffgehalts im BTM-Strafverfahren
- Kauf von Drogen im Internet
- Wir vertreten erfahren im gesamten Betäubungsmittelstrafrecht
- Wichtige statistische Daten zu Drogen: Heroin, Kokain, Amphetamin und Cannabis
Kokain: Preise

Konsumverhalten bei Kokain in der EU

Crack-Kokain
Crack-Kokain spielt in einigen EU‑Staaten eine wachsende Rolle: 2023 wurden in der EU schätzungsweise 9 900 Behandlungsaufnahmen wegen Crack gemeldet, davon 3 700 Erstaufnahmen; zwischen 2018 und 2023 stieg die Zahl der Erstaufnahmen damit um etwa 35 %. Über 95 % der Betroffenen berichten Rauchen als Hauptkonsummethode, und ein erheblicher Teil konsumiert täglich.
Beschlagnahmtes Kokain nach EU-Land
Die Rekordmengen beschlagnahmten Kokains stehen in engem Zusammenhang mit dem Containerverkehr über große Seehäfen: In Belgien, Spanien und den Niederlanden werden seit Jahren die höchsten Mengen abgefangen, wobei die Häfen als zentrale Einfallstore dienen. Zugleich verlagern Tätergruppen Transporte zunehmend auch auf kleinere Häfen in anderen EU‑Staaten, was dort zu sprunghaften Sicherstellungsmengen und teilweise massiven Korruptions- und Gewaltphänomenen führt.

Verbreitung von Kokain unter jungen Menschen in der EU

Kokain als Einstieg

Wie geht die Gesellschaft mit dem „neuen Normal“ um?
Ein irritierendes Phänomen zeigt sich im Diskurs: Während Cannabis intensiv und emotional diskutiert wird, bleibt Kokain oft ein Tabu. Dabei ist die Droge längst tief in der Alltagsrealität angekommen. Der Bundesdrogenbeauftragte spricht offen von einer „Normalisierung“ – warnt aber zugleich vor einer gefährlichen Bagatellisierung. Gerade jüngere Konsumenten unterschätzen die Risiken, suchen keine Hilfe und rutschen unbemerkt in problematische Muster.
Therapieangebote existieren zwar – etwa stationäre Aufenthalte in Luxuskliniken wie „The Balance“ auf Mallorca – doch der Zugang zu effektiver Hilfe ist für viele erschwert. Sowas sind Luxusangebote, die es in Blätter wie das Handelsblatt schaffen – mit der Realität meiner Mandanten aber hat das nichts zu tun. So engagiert ich die Mitarbeiter der Suchtberatung erlebe, so schwierig ist der Zugang zu einer dauerhaften Lösung. Gruppen wie Anonymen Narkotiker sind weitestgehend unbekannt und nicht in allen Regionen verfügbar; es läuft dann oft auf eine so genannte kurzfristige Entgiftung hinaus, damit man danach wieder – ohne therapeutische Anbindung – auf der Strasse steht und den Weg schnell zurückfindet zum Koks.
Und: Bis heute gibt es wohl keine pharmakologisch belegte medikamentöse Therapie gegen Kokainabhängigkeit. Die psychosoziale Begleitung bleibt daher das zentrale Mittel der Wahl – allerdings mit begrenzten Ressourcen und geringer öffentlicher Sichtbarkeit.

Unsere Gesellschaft ist bei Drogen ebenso durchzogen von Heuchelei wie beim Thema Sex: Cannabis ist ein Daueraufreger und der Verkauf von harmlosem CBD wird mit aller Härte verfolgt – während wir eine zunehmende, gesellschaftsübergreifende Problematik mit Amphetaminen und Kokain erleben. Wer allein von der Volksdroge Cannabis spricht, hat keine Ahnung – oder verschließt bewusst die Augen.
Kokain: juristische Einordnung
Aus strafrechtlicher Perspektive ist Kokain ein Betäubungsmittel der Anlage III zum BtMG – also verkehrs- und verschreibungsfähig, aber nur unter engen medizinischen Voraussetzungen. Besitz, Handel, Abgabe, Erwerb und Herstellung ohne entsprechende Erlaubnis sind gem. §§ 29 ff. BtMG strafbar. Schon der Besitz kleiner Mengen kann strafrechtlich relevant sein, wird jedoch in der Praxis bei Eigenverbrauch häufig eingestellt (§ 29 Abs. 5 BtMG).
Besonders gravierend wird die Lage, wenn die Grenze zur „nicht geringen Menge“ überschritten wird. Diese liegt bei Kokain bei 5 g Kokainhydrochlorid – also reiner Wirkstoff, nicht Rohmasse. Ab dieser Schwelle droht eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr (§ 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG). Der Gesetzgeber wertet den Umgang mit dieser Menge als Verbrechen, auch bei bloßem Besitz. Für den gewerbsmäßigen oder bewaffneten Handel kommen sogar Strafandrohungen von fünf Jahren und mehr ins Spiel (§§ 30, 30a BtMG).
Ein besonderes Augenmerk liegt im Strafrecht auf der Einfuhr großer Mengen, dem bandenmäßigen Handel sowie der Einbeziehung Minderjähriger. Die Strafverfolgungsbehörden reagieren daher mit enormem Aufwand – auch grenzüberschreitend. Dennoch lässt sich feststellen: Die repressive Strategie allein scheint der Ausbreitung des Kokainmarktes wenig entgegenzusetzen.
Hinweis: Der Beitrag wurde im Januar 2026 aktualisiert.
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