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Computerbetrug durch Cardsharing: Fernsehsignal von Bezahlsender vervielfältigt

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf: 02404 92100

Es gibt weitere laufende Ermittlungsverfahren gegen das Umfeld von Cardsharing-Infrastruktur: Schon Ende August hatte die Polizei Köln in einer vielbeachteten Pressemitteilung einige anschauliche Bilder zur Verfügung gestellt, um einen kleinen Einblick „hinter“ die Kulissen zu geben.

Größere Anbieter von Cardsharing betroffen

Ich selber bin inzwischen in mehreren Ermittlungsverfahren rund um das Cardsharing tätig und kann bestätigen, dass gegen verschiedene Anbieter vorgegangen wird. Dabei ist offenkundig bis heute nicht bekannt, welche Anbieter betroffen sind (die Namen nenne ich an dieser Stelle bewusst nicht, dies folgt zu einem späteren Zeitpunkt, auch zum Schutz der hiesigen Mandantschaft).

Ermittlungsverfahren gegen Cardsharing-Nutzer

Neben den an der Infrastruktur Beteiligten stellt sich natürlich die Frage, ob auch Nutzer mit Ermittlungsverfahren rechnen müssen: Die Frage ist berechtigt und meine Erfahrung aus Cardsharing-Verfahren zeigt, dass das in jedem Fall zu erwarten ist. Insbesondere sind in den bisherigen Verfahren gegen Anbieter Kontoabfragen gelaufen, sodass man problemlos nachvollziehen konnte, von welchem Konto mit welchem Betreff wann Zahlungen erfolgt sind.

Dabei sollte man als einfacher Nutzer nicht zeitnah mit Post von der Polizei rechnen, bei mir zeigt sich eine Wartezeit zwischen zwei und fünf (!) Jahren, ausgehend von Kaufdatum. Allerdings bekommt man im Regelfall, als erfahrener Verteidiger, hier brauchbare Lösungen hin.

Anzeige von Pay-TV-Anbieter

Cardsharing bedroht naturgemäß das wirtschaftliche Modell von Pay-TV-Anbietern und trifft diese ins Mark. Man sollte also nicht glauben, dass es sich um eine ignorierte Bagatelle handelt, vielmehr müssen Pay-TV-Anbieter hier aggressiv vorgehen, um ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern. Die Ermittlungen sind dabei recht umfangreich, auch Ermittlungen auf Telegram und das Auskundschaften von Verbindungen auf Social-Media-Seiten wie Facebook gehört dazu. Da zudem in den mir bekannten Fällen der Schaden auch noch mit den Vertragspreisen hochgerechnet wird (obwohl etwa ein großer Pay-TV-Anbieter selbst On-Demand-Lösungen ohne Vertragsbindungen anbietet zu kleinerem Preis), stehen im schlimmsten Fall auch noch erhebliche Vermögensabschöpfungen im Raum.

Welche Strafen stehen im Raum?

Am Anfang denken die meisten nur an die §§108ff. UrhG – deren Strafrahmen ist mit bis zu 5 Jahren im gewerbsmäßigen Fall (§108b StGB) aber überraschend überschaubar. Was übersehen wird ist, dass für Mitarbeiter im Bereich der Infrastruktur zugleich ein (zu Lasten des Pay-TV-Anbieters) vorliegen kann, der im Fall eines gewerbsmäßigen Betruges dann mit 6 Monaten Mindestfreiheitsstrafe bedacht ist; und zwar je Tat. Von Kavaliersdelikt ist das weit entfernt.

Das Thema ist noch lange nicht durch, aufgrund der mir bekannten Umstände rechne ich in den nächsten Jahren mit hunderten Ermittlungsverfahren im Umfeld der derzeit laufenden Verfahren. Wer hier als Nutzer tatsächlich aufgefallen ist, mag abwägen, sich frühzeitig zu kümmern – oder im schlimmsten Fall jahrelang schlecht zu schlafen bis Post kommt.

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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT-Recht & Strafverteidiger)

Rechtsanwalt Jens Ferner ist Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht. Spezialgebiete von RA JF: Cybercrime, IT-Sicherheit, Softwarerecht, BTM-Strafrecht, Jugendstrafrecht und Wirtschaftsstrafrecht. Er ist Autor und hält Fach-Vorträge als Dozent zu den Themen Cybercrime, Strafprozessrecht, DSGVO, Cybersecurity und digitale Beweismittel inkl. Darknet- und Encrochat.

Unsere Rechtsanwälte sind spezialisiert auf Strafverteidigung im gesamten Strafrecht und IT-Recht, speziell bei Softwarerecht, DSGVO & IT-Vertragsrecht - mit ergänzender Tätigkeit im Arbeitsrecht sowie im digitalen gewerblichen Rechtsschutz.

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