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Verwertung von Erkenntnissen aus Encrochat-Ermittlungen

Der Vollständigkeit halber nehme ich hier noch die Entscheidung des LG Hamburg (620 Qs 1/21) auf, der die bekannte Entscheidung des OLG Hamburg zur Verwertung von -Erkenntnissen folgte. Das LG Hamburg fasste sich noch etwas kürzer und stellte unter Verweis auf die Gesetzeslage fest, dass Beweise, die in einem Mitgliedstaat rechtmäßig erhoben worden sind, in allen anderen Mitgliedstaaten als Beweise zugelassen und verwertet werden dürfen oder gar müssen – gleich, ob die Beweiserhebung nach dem Recht dieses Mitgliedstaats möglich gewesen wäre oder in dieser Form hätte erfolgen dürfen.

Im Übrigen führt man dann aus, dass kein zwingendes in Frage käme:

Selbst wenn aber die verfahrensgegenständlichen „EncroChat-Daten“ rechtswidrig erlangt worden wären – wovon die Kammer beim derzeitigen Stand nicht ausgeht (s.o.) -, folgt daraus nach deutschem Strafprozessrecht mitnichten ein zwingendes Beweisverwertungsverbot. Im Gegenteil ist dem deutschen Strafprozessrecht ein allgemein geltender Grundsatz, dass jeder Verstoß gegen Beweiserhebungsvorschriften ein strafprozessuales Verwertungsverbot nach sich zieht, fremd (BVerfG, Beschluss vom 20 September 2018 – 2 BvR 708/18, NJW 2018, 3571). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts stellt ein (ungeschriebenes) Beweisverwertungsverbot vielmehr eine begründungsbedürftige Ausnahme dar (vgl. BVerfG, Beschluss vom 15. Oktober 2009 – 2 BvR 2438/08).

Im Rahmen der vorzunehmenden Abwägung wäre hier nach derzeitiger Würdigung dem erheblichen Strafverfolgungsinteresse, welches sich aus der Schwere der in Rede stehenden Tatvorwürfe – insbesondere in Anbetracht der sehr hohen Mengen des gehandelten und eingeführten Kokains – ergibt, jedenfalls der Vorrang zu gewähren.

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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für Strafrecht & Fachanwalt für IT-Recht)

Unsere Kanzlei ist spezialisiert auf Strafverteidigung, Wirtschaftsstrafrecht und IT-Recht. Rechtsanwalt Jens Ferner ist Fachanwalt für Strafrecht und Fachanwalt für IT-Recht. RA JF ist Kommentator in einem StPO-Kommentar sowie Autor in zwei Fachzeitschriften im IT-Recht + Strafrecht, zudem Softwareentwickler. Seine Spezialität ist die Schnittmenge aus Strafrecht und IT, speziell bei Fragen digitaler Beweismittel & IT-Forensik.

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