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Verdacht auf Cannabis-Plantage führt zu Bitcoin-Mining-Farm

Die englische Polizei berichtet, wie eine „Bitcoin-Mining-Farm“ bei einer Razzia in einer Industrieanlage entdeckt wurde. Hintergrund war dabei die Vollstreckung eines Durchsuchungsbeschlusses hinsichtlich einer vermuteten -Farm. Dann aber fand man eine „Kryptowährungsmine“, die Strom im Wert von Tausenden englischen Pfund aus dem Stromnetz entzogen hat.

Die Polizei berichtet, dass man die klassischen Anzeichen für Drogenhandel bzw. eine aufgefunden hatte, die übrigens auch in Deutschland als Anlass für einen herangezogen werden:

  • Es wurde der Polizei „gesteckt“, dass viele Menschen die Anlage zu verschiedenen Tageszeiten besuchten;
  • es waren viele Kabel und Lüftungsschächte sichtbar;
  • eine Polizeidrohne nahm beim Überflug eine beträchtliche Wärmequelle wahr;

Das sind alles klassische Anzeichen für eine Cannabis-Plantage, ich habe selber zahlreiche Fälle, in denen aufgrund dieser Indizien ein Durchsuchungsbeschluss von einem Richter unterzeichnet wurde.

Verdacht auf Cannabis-Plantage führt zu Bitcoin-Mining-Farm - Ferner: Rechtsanwalt für Strafrecht, Verkehrsrecht, IT-Recht Aachen
Quelle: West Midlands Police, https://west-midlands.police.uk/news/bitcoin-mine-uncovered-during-industrial-unit-raid

Als die Polizisten dann die Anlage betraten, fanden sie dann aber eine recht beachtliche Anlage mit rund 100 Computereinheiten, die zu einem Bitcoin-Mining-Betrieb gehören sollen. Nun ist ein Mining nicht verboten, wie auch Heise zu Recht anmerkt. Allerdings dürften sich Mining-Farmen für Bitcoin oder Ethereum in kaum einer Industrienation noch lohnen, da die Strompreise schlicht zu hoch sind. Die Logik ist dann simpel: Wenn man für den Strom nicht bezahlt, lohnt es sich allemal.

Lustigerweise ist auch das wieder eine Gemeinsamkeit mit einer Cannabisplantage: Wer Cannabis selber aufziehen möchte, wird schnell feststellen, dass die enormen Stromkosten – hier für gute Wärmelampen benötigt – letztlich nicht mehr in Relation zu dem eigentlichen Ertrag stehen. Wer nicht auf erschreckend hohen Stromrechnungen sitzen bleiben möchte, versucht daher „kostenlos“ an Strom zu kommen.

Nur am Rande der Hinweis: Die Netzbetreiber arbeiten mit der Polizei zusammen. Wenn plötzlich massive Stromentnahmen stattfinden kann dies zu einer Meldung an die Polizei führen, auch hier sind mir entsprechende Einleitungsvermerke bekannt geworden. Dies ist bei etwas professionelleren Anbauern ein weiterer Grund, auf eine „offizielle“ Stromentnahme zu verzichten.

Jedenfalls bei Crypto-Mining ergibt sich keine unmittelbare Strafbarkeit – wenn dann aber Strom illegal abgezweigt wird, ist dies nicht nur in England, sondern auch in Deutschland strafbar (als „Entziehung elektrischer Energie“, § 248c StGB). Die Norm wurde extra geschaffen, weil es einen von etwas unkörperlichem, wie dem Stromfluss, nicht geben kann nach deutschem Rechtsverständnis. In der Praxis taucht Rechtsprechung hierzu aber kaum auf, da jedenfalls bisher, im BTM-Umfeld, die BTM-Straftaten derart bedeutsam sind, dass man die Entziehung elektrischer Energie als im Vergleich eher belanglose Nebenstraftat einstellen wird vor der Anklageerhebung.

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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für Strafrecht & Fachanwalt für IT-Recht)

Unsere Kanzlei ist spezialisiert auf Strafverteidigung, Wirtschaftsstrafrecht und IT-Recht. Rechtsanwalt Jens Ferner ist Fachanwalt für Strafrecht und Fachanwalt für IT-Recht. RA JF ist Kommentator in einem StPO-Kommentar sowie Autor in zwei Fachzeitschriften im IT-Recht + Strafrecht, zudem Softwareentwickler. Seine Spezialität ist die Schnittmenge aus Strafrecht und IT, speziell bei Fragen digitaler Beweismittel & IT-Forensik.

Ihr Profi bei Strafverteidigung und im Wirtschaftsstrafrecht sowie für Unternehmen im IT-Recht inklusive Softwarerecht, Datenschutzrecht, IT-Compliance, IT-Sicherheit und IT-Vertragsrecht mit Arbeitsrecht.