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Cybercrime & IT-Strafrecht

Ermittlungsverfahren wegen Encrochat

Encrochat gehackt: Nachdem im Juli 2020 bekannt wurde, dass Ermittlungsbehörden Zugriff auf die Encrochat-Infrastruktur hatten, fangen auch in Deutschland Ermittlungsverfahren an, sich zu mehren – bisher in erster Linie nach meiner Kenntnis im Bereich Waffen, Sprengstoff und Betäubungsmittel, dabei kam es auch zu Festnahmen mit Untersuchungshaft.

Update: Beachten Sie die weiteren Beiträge zum Thema Encrochat bei uns. Die Zahl der Ermittlungsverfahren ist inzwischen stetig angestiegen.

Auch wenn deutsche Behörden zuerst nicht unmittelbar beteiligt waren, wurden und werden Informationen an das Bundeskriminalamt weitergegeben, die ausgewertet werden und dann zu weiteren Ermittlungsmaßnahmen führen.

Encrochat war technisch überzeugend aufgestellt und durchdacht – gleichwohl gibt es keine absolute Sicherheit, was ITler als Binsenweisheit bestätigen können. Wer auf digitale Kommunikation setzt macht sich angreifbar, egal wie durchdacht das System ist – häufig noch geht es gut, aber sowohl Transportserver als auch Endpunkte sind technisch bedingte Angriffsmöglichkeit, auf die man als schlichter Nutzer keine Einflussnahme hat. Jedem muss klar sein, dass er dem Betreiber letztlich „ausgeliefert“ ist.

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Jens Ferner

Strafverteidiger

Es ist davon auszugehen, dass die digitale Forensik in den nächsten Jahren auf Seiten der staatlichen Behörden zumindest in Teilen aufholen wird. Insbesondere werden die nächsten 10 Jahre davon geprägt sein, dass „Datenberge“, die bisher mühsam ausgewertet werden müssen, mit neuartiger Technik (Stichwort KI) automatisiert nach Offline-Ermittlungsansätzen in einem Bruchteil der Zeit durchforstet werden.

Encrochat: Rechtsanwalt Ferner Alsdorf, Strafverteidiger, zu Ermittlungsverfahren wegen Encrochat-Hack

So seltsam es beim Thema Encrochat klingt: Wer nicht versteht, wie viel Wahrheit darin steckt, dass eine Brieftaube sicherer als ein verschlüsselter Chat ist, ist ungeeignet moderne Kommunikation „sicher“ zu nutzen.

Doch was bedeutet dies nun für Betroffene: Schlaflose Nächte in denen man grübelt, was nun konkret bereits gefunden wurde und ob man selber identifizierbar ist. Grade wer zu vertrauensvoll mit solchen Diensten umgeht, ist letztlich sogar relativ leicht Identifizierbar – vielleicht nicht für normale Nutzer, aber jedenfalls für Ermittlungsbehörden.

Eine besondere Rolle spielt dabei mal wieder EUROPOL, die wohl letztlich bei der Informationsweitergabe an das BKA federführend waren. Dabei ist davon auszugehen, dass dem BKA seit einigen Wochen zahlreiche unverschlüsselte Chat-Protokolle vorliegen, die ausgewertet wurden und derzeit weiter werden.

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Von Strafverteidiger & Fachanwalt für IT-Recht Jens Ferner

Rechtsanwalt Jens Ferner ist Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht, spezialisiert auf Rechtsfragen im Strafrecht, Cybercrime, Wirtschaftsstrafrecht und IT-Recht. Er punktet zudem als Systementwickler mit zusätzlicher Fortbildung in IT-Sicherheit und IT-Forensik. Im IT-Recht inkl. Softwarerecht, Wettbewerbsrecht & Urheberrecht tätig ausschließlich für Unternehmen und Gewerbetreibende.

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf - bei uns finden sie Ihren Rechtsanwalt im Strafrecht, IT-Recht & Verkehrsrecht + Arbeitsrecht, Vertragsrecht, Scheidung. Sofortkontakt bei Unfall, Klage, Abmahnung unter 01579-2370323 oder notfall@ferner-alsdorf.de; bei uns gibt es keine kostenlose Beratung oder Tätigkeit