Generative KI – Risiken und Missbrauch

Generative, multimodale Künstliche Intelligenz (GenAI) hat das Potenzial, viele Branchen zu revolutionieren. Doch genauso groß wie die Möglichkeiten sind auch die Risiken, die durch den Missbrauch dieser Technologie entstehen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie beleuchtet die verschiedenen Taktiken des Missbrauchs von GenAI und gibt wertvolle Einblicke und Empfehlungen. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse und Empfehlungen aus dieser Studie.

Einführung in die Studie

Die Studie „Generative AI Misuse: A Taxonomy of Tactics and Insights from Real-World Data“ untersucht, wie GenAI-Modelle in der Praxis ausgenutzt werden. Durch die Analyse von etwa 200 gemeldeten Missbrauchsfällen zwischen Januar 2023 und März 2024 identifizierte das Forschungsteam Schlüsselstrategien und -, die Angreifer anwenden, um Schaden zu verursachen.

Taxonomie der Missbrauchstaktiken

Die Forscher haben zwei Hauptkategorien von Missbrauchstaktiken identifiziert: die Ausnutzung der Fähigkeiten von GenAI und die Kompromittierung von GenAI-Systemen.

Ausnutzung der GenAI-Fähigkeiten

Diese Kategorie umfasst Taktiken, bei denen die generativen Fähigkeiten von KI genutzt werden, um realistisch wirkende Inhalte zu erstellen. Dazu gehören:

  1. Impersonation: Die Identität einer realen Person annehmen und in deren Namen handeln. Beispiel: KI-generierte Anrufe, die vorgeben, Präsident Biden zu sein, um Wähler zu beeinflussen.
  2. Appropriated Likeness: Das Bild oder andere Identifikationsmerkmale einer Person ohne deren Zustimmung nutzen oder verändern. Beispiel: Geänderte Fotos von protestierenden indischen Wrestlern, die sie lächelnd zeigen.
  3. Sockpuppeting: Erstellung synthetischer Online-Personas. Beispiel: Ein Netzwerk aus gefälschten Social-Media-Konten, die die Präsidentschaft eines Klimagipfels verteidigen.
  4. Nicht einvernehmliche intime Bilder (NCII): Erstellung und Verbreitung sexueller Inhalte mit dem Abbild einer realen Person ohne deren Zustimmung.
  5. Falsifizierung: Erstellung oder Fälschung von Beweisen, wie Berichten, Ausweisen oder Dokumenten.

Kompromittierung von GenAI-Systemen

Hierbei handelt es sich um Taktiken, die Schwachstellen in GenAI-Systemen ausnutzen:

  1. Adversarial Inputs: Modifikation von Eingabedaten, um Modelle zu Fehlern zu verleiten.
  2. Prompt Injections: Manipulation der Texteingaben, um unerwünschte oder schädliche Ausgaben zu erzeugen.
  3. Jailbreaking: Umgehung von Beschränkungen und Sicherheitsfiltern eines Modells.
  4. Datenvergiftung: Manipulation der Trainingsdaten eines Modells, um dessen Verhalten zu ändern.

Erkenntnisse und Empfehlungen

Die Analyse der Missbrauchsfälle zeigt, dass die Mehrheit der Fälle keine hochentwickelten technischen Kenntnisse erfordert, sondern auf leicht zugänglichen GenAI-Fähigkeiten basiert. Häufigste Ziele sind die Manipulation der öffentlichen Meinung, Monetarisierung, und Belästigung.

  1. Öffentliche Meinung: GenAI wird häufig verwendet, um politische Realitäten zu verzerren und die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu beeinflussen. Dies geschieht durch gefälschte Medieninhalte, die Emotionen schüren und falsche Informationen verbreiten.
  2. Monetarisierung und Betrug: Akteure nutzen GenAI, um massenhaft Inhalte zu erstellen und zu verbreiten, oft mit dem Ziel, finanzielle Gewinne zu erzielen oder Betrug zu begehen. Dazu gehören gefälschte Bücher, Produkte und sogar sexuelle Inhalte ohne Zustimmung der Betroffenen.
  3. Belästigung: Besonders besorgniserregend ist die Erstellung nicht einvernehmlicher intimer Bilder, die häufig Frauen und Mädchen ins Visier nimmt.

Empfehlungen für die Zukunft

Um den Missbrauch von GenAI zu verhindern und zu kontrollieren, schlagen die Autoren der Studie mehrere Maßnahmen vor:

  1. Erweiterte Sicherheitsprotokolle: Entwicklung und Implementierung von robusten Sicherheitsmaßnahmen, die den Missbrauch von GenAI erschweren.
  2. Aufklärung und Sensibilisierung: Öffentlichkeitsarbeit, um das Bewusstsein für die Risiken und Missbrauchsmöglichkeiten von GenAI zu schärfen.
  3. Regulierung und Richtlinien: Etablierung klarer Richtlinien und rechtlicher Rahmenbedingungen, die den Missbrauch von GenAI einschränken und sanktionieren.

Fazit

Generative KI bietet immense Chancen, birgt aber auch erhebliche Risiken. Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und gefährlich der Missbrauch von GenAI sein kann. Es liegt an uns allen – Forschern, Politikern, Unternehmen und der Gesellschaft insgesamt – diese Herausforderungen proaktiv anzugehen und Maßnahmen zu ergreifen, um die sichere und verantwortungsvolle Nutzung dieser bahnbrechenden Technologie zu gewährleisten.

Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)
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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)

Ich bin Fachanwalt für Strafrecht + Fachanwalt für IT-Recht und widme mich beruflich ganz der Tätigkeit als Strafverteidiger und dem IT-Recht. Vor meinem Leben als Anwalt war ich Softwareentwickler. Ich bin Autor sowohl in einem renommierten StPO-Kommentar als auch in Fachzeitschriften.

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