Werbung mit Klimaneutralität bei Kompensationsmaßnahmen

Eine Entscheidung des Landgerichts Hamburg (Az. 312 O 80/22) behandelt die Werbung eines Energieversorgungsunternehmens mit dem Hinweis „Klimaneutrales Gas“. Der Kläger, ein Verbraucherschutzverband, klagte gegen die Beklagte wegen unlauterer Werbung. Die zentrale Frage war, ob die Werbung hinreichend transparent über die Kompensationsmaßnahmen informierte. In diesem Beitrag werden die rechtlichen Aspekte dieser Entscheidung umfassend analysiert.

Sachverhalt

Der Kläger ist ein rechtsfähiger Verbraucherschutzverband, dessen Ziel es ist, die Verbraucherinteressen zu wahren und den Verbraucherschutz zu fördern. Die Beklagte ist ein Energieversorgungsunternehmen, das auf ihrer Website www.v..de Gas als „Klimaneutrales Gas“ bewirbt. Dabei wird angegeben, dass die entstehenden CO2-Emissionen durch die Förderung weltweiter Klima- und Umweltschutzprojekte kompensiert werden.

Rechtliche Analyse

Begründetheit der Klage

Unlautere Werbung nach § 5a UWG

Der Kläger argumentierte, dass die Beklagte wesentliche Informationen vorenthielt, die Verbraucher benötigen, um eine informierte geschäftliche Entscheidung zu treffen. Insbesondere bemängelte der Kläger, dass die Werbung nicht ausreichend über den Anteil und die Art der CO₂-Kompensation informierte.

Irreführung durch „Klimaneutrales Gas“

Die Beklagte bewarb das Gas als , da die entstehenden CO₂-Emissionen durch den Erwerb und die Stilllegung von Zertifikaten ausgeglichen würden. Der Kläger argumentierte, dass diese Informationen nicht ausreichten, um die Verbraucher vollständig zu informieren, da unklar blieb, welche Projekte in welchem Umfang gefördert würden.

Gerichtliche Entscheidung

Das Landgericht Hamburg wies die ab. Das Gericht entschied, dass die Beklagte die erforderlichen Informationen bereitgestellt habe. Speziell sei auf der Website der Beklagten angegeben, dass die entstehenden CO₂-Emissionen vollständig kompensiert würden, und es würden konkrete Projekte genannt, die zur Kompensation beitragen.

Das Gericht betonte, dass für den durchschnittlichen Verbraucher, auf den es im Rahmen des § 5a UWG ankommt, die bereitgestellten Informationen ausreichten. Der durchschnittliche Verbraucher würde verstehen, dass die Emissionen durch zertifizierte Projekte kompensiert werden und die Angaben auf der Website der Beklagten dies ausreichend verdeutlichten.

Bedeutung der Wesentlichkeit der Information

Das Gericht führte aus, dass eine Information nur dann wesentlich im Sinne des § 5a UWG ist, wenn ihre Angabe unter Berücksichtigung der beiderseitigen Interessen vom Unternehmer erwartet werden kann und ihr für die geschäftliche Entscheidung des Verbrauchers erhebliches Gewicht zukommt. Die von der Beklagten bereitgestellten Informationen erfüllten diese Anforderungen, da sie ausreichend über die Kompensation der CO₂-Emissionen informierten.


Fazit

Die Entscheidung des Landgerichts Hamburg verdeutlicht die Anforderungen an die Transparenz von Werbeaussagen im Bereich der Klimaneutralität. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie ausreichende Informationen über ihre Kompensationsmaßnahmen bereitstellen. Allerdings genügt es, wenn die wesentlichen Informationen verständlich und zugänglich sind, ohne dass jedes Detail offengelegt werden muss. Diese Entscheidung stärkt die Position der Unternehmen, solange sie grundlegende Transparenz und Nachvollziehbarkeit gewährleisten.

Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)
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Von Rechtsanwalt Jens Ferner (Fachanwalt für IT- & Strafrecht)

Ich bin Fachanwalt für Strafrecht + Fachanwalt für IT-Recht und widme mich beruflich ganz der Tätigkeit als Strafverteidiger und dem IT-Recht. Vor meinem Leben als Anwalt war ich Softwareentwickler. Ich bin Autor sowohl in einem renommierten StPO-Kommentar als auch in Fachzeitschriften. Dabei bin ich fortgebildet in Krisenkommunikation und Compliance.

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