Wettstreit der Shorties: Niederle vs. Beck

Ich mag sie beide: Sowohl Niederle-Media-Skripte (die ich erst gestern gelobt habe) als auch die JuraKompakt-Reihe aus dem Hause Beck. Nun liegen vor mir aus beiden Reihen Skripte zum BGB AT. Man kann mir also nicht vorwerfen, wenn ich einen empfehle, dass ich den bevorzuge “weil ich ihn” mehr mag. Aber vielleicht muss ich ja auch nicht den einen oder den anderen empfehlen.

Dank Jura-Kompakt sieht ein Niederle-Skript aus wie ein richtiges Lehrbuch: Die Reihe ist noch einmal ca. 30% kleiner als ein Niederle-Skript und hat etwas mehr als die hälfte der Seiten. Ganz klar: Die können gar nicht um die gleiche Zielgruppe werben und ich glaube, das wollen sie auch gar nicht.

Jedenfalls das Niederle-Skript ist sehr ausgereift und ein sehr schönes Lernbuch. Ohne Fußnoten aber relativ ausschweifend wird der Leser in den Allgemeinen Teil des BGB eingeführt. Zahlreiche Fälle und Beispiele helfen beim Verstehen, am Ende der Kapitel gibt es nach dem Motoo “Qualität statt Quantität” ausgewählte Literatur-Hinweise. Ich glaube, als Anfänger kann man mit dem Skript problemlos die Vorlesung nacharbeiten und sich das Aneignen, was man braucht. Ohne zu übertreiben sehe ich hier einen guten Alternativ-Text zum Brox BGB AT, den ich ja favorisiere.

Anmerkung: Schon wegen meiner Empfehlung des Brox zum BGB AT gibt es ständig Kritik. Auch bei mir im Studium gab es diese Spezis, die meinten, das ist bestenfalls ein Taschenbuch und wer was auf sich hält, der lernt mit dem Medicus oder gar Larenz. Die haben auch mit dem Roxin Strafrecht im 3. Semester gelernt – naja.

Nun hat jeder bei dem Thema seine Meinung, aber ich denke, für einen Erstsemester reicht ein gutes und verständliches Buch, bei dem die Konzentration auf das Wesentliche nicht nur den Einstieg in das BGB, sondern in das Studium überhaupt erst richtig ermöglicht.

Ich selbst befinde mich momentan in der Phase, dass ich beim JPA gemeldet bin und auf die Ladung zu den Klausuren warte. Bis dahin wird täglich immer wieder gelernt, was aktuell übersetzt nur noch “Wiederholen” heisst. In meiner aktuellen Phase war mir der Niederle dann schon zu viel, da ich nicht mehr alles von A bis Z aufbereitet brauche, sondern nur noch das Wesentliche, das ich dann vertiefe, wenn mir Probleme auffallen.

Und hier kommt dann der “BGB AT kompakt” von Helmut Köhler – ein wahres Geschenk. Jedes Thema flott abgehandelt, wichtigste Aufbauschemata dazu gefügt und garniert mit kurzen Wiederholungsfragen. Keine langatmigen Ausführungen, nicht wieder zum X-Mal das Gleiche in epischer Breite. Mit Blick auf die Phase, in der man auf seine Klausuren wartet und nur noch “wiederholt” genial.

Ich glaube auch, Beck hat das selbst so gesehen: Das Buch erwähnt auf dem Umschlagstext, dass es geeignet ist für die Phase kurz vor der Prüfung. Aber irgendwie fehlte dann doch der Mut, das Wort “Examensvorbereitung” zu nutzen. Natürlich darf man nicht nur mit diesem kleinen Büchlein arbeiten, das wäre zu wenig – aber wenn man einmal komplett alles aufbereitet hat, ist es ein gutes Werkzeug um das Gedächtnis fit zu halten.

Den Hinweis, dass es als erste übersichtlicher Einstieg genutzt werden kann, teile ich aber nur ein wenig: Sicherlich ist es dazu geeignet. Aber wenn man das ernsthaft hiermit versucht und dann in eine Vorlesung geht, wird man schnell den Eindruck haben, zu wenig gelesen zu haben – genauso beim Nachbereiten des Vorlesungsstoffs. Hier kommt dann wieder der Niederle ins Rennen, der seine Trümpfe ausspielt.

Im Ergebnis: Zwei kompakte Darstellungen, die einer sehr viel kompakter als die andere. Beide haben für mich ganz unterschiedliche Zielgruppen, für die sie von Interesse sein sollten – und sind, nicht zuletzt auf Grund des Preises, ein echter Tipp.

Daten zu den Büchern

Helmut Köhler
BGB AT kompakt
Reihe Jurakompakt
Verlag C.H.Beck
ISBN 9783406581090
Preis: 9,90 Euro

Jost Jung
BGB AT
Niederle Media
ISBN 9783867240314
Preis: 9,90 Euro

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