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Staudinger: Eckpfeiler des Zivilrechts

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Mir liegen die „Eckpfeiler des Zivilrechts“ in gedruckter Ausgabe vor – zur Erinnerung: Die digitale Ausgabe steht als PDF kostenlos zur Verfügung, was auch schon für die Diskussion sorgte, warum man es sich dann doch noch kaufen soll. Zwei Fragen drängen sich jedenfalls auf, die in meiner Besprechung dann auch den Schwerpunkt darstellen:

  1. Ist es wirklich für Studenten geeignet?
  2. Lohnt sich nun die Anschaffung der gedruckten Fassung?

Hinweis: Das Buch liegt mir als Rezensionsexemplar vor

Für Studenten?

Die erste Frage ist in der Tat für mich schwierig, denn die „Eckpfeiler des Zivilrechts“ sind jedenfalls kein normales Lernbuch. Das meine ich nun erstmal wertfrei und verdeutliche es an den typischen Punkten eines Lernbuchs, die hier fehlen:

  1. Es fehlen Beispielfälle,
  2. es gibt keine Schemata bzw. Schematisierungen,
  3. die Fallbearbeitung spielt keine Rolle

Als ich das erste Mal hineinsah, war ich daher überrascht, weil im Vorwort die Zielgruppe der Studenten besonders hervorgehoben wird. Nach einem Lesen ausgewählter Kapitel (alle 1200 Seiten konnte ich schwerlich zur Zeit durcharbeiten), habe ich mich dann entschlossen, das Buch noch nicht zu rezensieren, sondern einige Zeit in Reichweite stehen zu haben – um zu testen, ob es sich im Alltag bemerkbar macht.

Mit der Zeit war festzustellen, dass ich in der Tat häufiger zu dem Buch gegriffen habe: Als der Zugewinnausgleich bei mir als Frage auftauchte, war ich froh, die Eckpfeiler zu haben. Die Schadensberechnung, die ich rudimentär im Kopf hatte, konnte ich bei Bedarf schnell und zielgerichtet wiederholen – mit der Zeit häuften sich die Anwendungsfälle.

Am Ende, nach einiger Zeit, kann ich nun feststellen, dass dieses Buch ein echter Gewinn beim Lernen ist. Ich habe ohnehin Fallbücher und die grundsätzlichen Schemata habe ich derart verinnerlicht, dass es schon befreihend ist, einfach nochmal Texte zu haben, die man – im durchweg flüssig geschriebenen Stil – durcharbeiten kann.

Ich denke, dieses Buch ist nicht nur für Studenten geeignet, es ist sogar eine echte Bereicherung – solange man mindestens ein fortgeschrittener Leser ist. Ein Anfänger wird hier verzweifeln, da er zwar viel Stoff vermittelt bekommt, aber die Anwendung auf den konkreten Fall fehlt. Als fortgeschrittener Leser aber ist man dankbar, da man zielgerichtet vertiefen und wiederholen kann.
Die klare Struktur, die (aufgrund des Umfangs unerwartet) präzise und kurz gefasste Schreibweise sowie das umfassende Stichwortverzeichniss machen aus den Eckpfeilern ein ausgezeichnetes Werkzeug zum zielgerichteten Arbeiten.

Warum gedruckt kaufen?

Meines Wissens stellt sich die Frage im juristischen Bereich hier erstmals: Es gibt neben der gedruckten Ausgabe für ca. 50 Euro noch eine PDF-Ausgabe, die kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Bei Jurakopf wurde schon diskutiert, in wie fern das sinnvoll ist, auch einer der Herausgeber hat sich dort geäußert.

Die Frage muss natürlich jeder für sich beantworten, ich habe für mich mit der Zeit folgende Dinge festgestellt:

  1. Auf Papier lese ich immer noch lieber als digital; je mehr Text, umso lieber auf Papier
  2. PDFs haben die Angewohnheit zu „verschwinden“. Man hat sie irgendwo auf der Festplatte, erinnert sich aber (wenn überhaupt) dann erst daran, wenn die konkrete Situation des Bedarfs schon wieder vorbei ist.
    Fakt ist, dass ich vorhandene (sehr gute) PDF-Skripte sehr viel seltener bis gar nicht nutze – im Vergleich zu selbst nur mässigen gedruckten Büchern die ich im Regal stehen habe.
  3. Gerade wenn man zwischen verschiedenen Lesestellen hin und herspringen muss (mal Seite X, dann Y, dann wieder Z und X) komme ich mit Papier und PostIts besser zu Recht als digital

Für mich persönlich ist eine digitale Fassung eines Buches die ideale Ergänzung zur Print-Fassung – je nachdem was ich gerade mache. In der typischen „Wo steht denn nochmal….“-Situation ist eine PDF-Datei mit Suchfunktion genial – wenn ich aber (was häufiger vorkommt) zu einem bestimmten Thema etwas nachlesen möchte, ist mir die gedruckte Fassung lieber.

Das was die Herausgeber hier machen ist für sie selbst sehr gefährlich, umso dankbarer muss man Ihnen sein: Was im Bereich der IT-Fachliteratur längst üblich ist, erreicht die juristische Literatur nur sehr langsam – verständlich, wenn man bedenkt, um welchen finanziellen Markt es geht.
Das Unverständnis der Nutzer wächst allerdings, so dass es Zeit wird, Lösungen zu entwickeln. Die Eckpfeiler trauen sich nun auf einen recht radikalen Weg, Juris zeigt eine andere Lösung mit der Kombination aus gedruckten Büchern und dazu passenden online-Angeboten, die man aber nur im Abo gemeinsam erhält.
Fakt ist, dass die rein gedruckte Fassung zunehmend den Anschluß an die schnelle Rechtsprechung verliert – sofern man nun die PDF Datei nutzt, um regelmässig Aktualisierungen anzubieten (ein Email-Dienst etwa wäre passend, der auf Neuerungen hinweist) kann sich aus diesem zweigleisigen Weg ein echter Vorteil gegenüber anderen Werken ergeben. Speziell wenn man an die neuen Möglichkeiten beweglicher Displays denkt, ist abzusehen, welcher Markt sich hier eröffnen kann.

Der Vergleich zum Plate

Die Eckpfeiler des Zivilrechts scheinen auf den ersten Blick einiges mit dem Plate gemeinsam zu haben, so dass ein Vergleich scheinbar ansteht. Dem ist aber nicht so: Beide Bücher sind im Stil derart unterschiedlich, dass ich sie nicht vergleichen kann. Der Plate ist ein Lernbuch: Mit Fällen, Schemata und Fall-Bezogen. Die Eckpfeiler aber meiden diesen Stil (bewußt?).
Damit ist weder der Plate besser noch die Eckpfeiler schlechter: Es sind grundverschiedene Werke die man nicht Vergleichen kann, ein „oder“ verbietet sich für mich.

Die Jurakopf-Einschätzung

Ein sehr gutes Werk, das durch die zusätzlich angebotene kostenlose PDF Datei für (potentielle) Leser sehr gefährlich ist: Ich sehe die Gefahr, dass viele sich die PDF Datei kopieren, nicht hineinsehen und die Datei dann ungenutzt auf der Festplatte versauert. Es liegt am Leser, dieser Gefahr zu trotzen.

Das Buch selbst ist gelungen und mir momentan beim Lernen eine grosse Hilfe. Für Anfänger ist es nicht geeignet, es ist ein Werkzeug für Fortgeschrittene Leser, die Inhalte (und nicht Fälle) vertiefen möchten. Wer das Skript-Schema bevorzugt, dem muß hier definitiv abgeraten werden, wobei nicht der Eindruck entstehen darf, es würde sich um ein (abgehobenes) Lehrbuch handeln – dem ist nicht so.

Doch hier zeigt sich auch der grösste Vorteil der PDF-Datei: Wer möchte, kann sich selber einen uneingeschränkten Einblick in den Stil des Buches geben und dann entscheiden, ob er es sich anschafft. Auch aus diesem Grund habe ich die Besprechung hier eher in Form einer schwerpunktmäßigen Einleitung geführt: Ich hoffe, zumindest die Lust geweckt zu haben, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Auf jeden Fall bleibt zu hoffen, dass dieser wichtige Beitrag der Herausgeber zur viel zu lange vernachlässigten Frage der „eBooks“ eine entsprechende Würdigung findet – und der benötigten Diskussion Nachdruck verleiht.

Rechtsanwalt Jens Ferner

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