Keine zivilrechtliche Berücksichtigung fahrlässigen Mitverschuldens des Geschädigten

Der Bundesgerichtshof (VI ZR 128/16) konnte in Anlehnung an seine frühere Rechtsprechung bekräftigen, dass Bei einer Haftung gemäß § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit einem Strafgesetz (hier: § 263 Abs. 1 StGB) und direktem Schädigungsvorsatz eine anspruchsmindernde Berücksichtigung eines fahrlässigen Verhaltens des Geschädigten nicht in Betracht kommt.

Besondere Relevanz hat dies bei dem gemeinschaftlichen Zusammenwirken mehrerer Schädigen: Denn wenn die Schädiger als Mittäter oder Gehilfen handeln, sind im Rahmen der Prüfung eines Mitverschuldens des Geschädigten gemäß § 254 BGB ihre Verursachungs- und Schuldbeiträge in einer Gesamtschau dem Beitrag des Geschädigten gegenüberzustellen. Sprich: Wenn auch Nuer einer mit direktem Schädigungsvorsatz handelt kann keiner der anderen sich auf die Berücksichtigung fahrlässigen Mitverschuldens berufen.

Aus der Entscheidung:

Dem vorsätzlich handelnden Schädiger ist es in der Regel verwehrt, sich auf ein fahrlässiges mitwirkendes Verhalten des Geschädigten zu berufen (Senat, Urteile vom 23. November 2010 – VI ZR 244/09, NJW-RR 2011, 347 Rn. 31; vom 5. März 2002 – VI ZR 398/00, NJW 2002, 1643, 1646; vom 6. Dezember 1983 – VI ZR 60/82, NJW 1984, 921, 922; BGH, Urteile vom 10. November 2016 – III ZR 235/15, BGHZ 213, 1 Rn. 41, vom 21. Mai 1987 – III ZR 25/86, NJW 1988, 129, 130 mwN). Dieser Grundsatz gilt nicht ausnahmslos. Vielmehr ist stets darauf abzustellen, ob es nach den Gegebenheiten des konkreten Einzelfalls unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben gerechtfertigt ist, dass der Schaden teilweise bei dem nur fahrlässig an der Schadensentstehung mitwirkenden Geschädigten belassen wird (Senat, Urteile vom 23. November 2010 – VI ZR 244/09, NJW-RR 2011, 347 Rn. 31; vom 5. März 2002 – VI ZR 398/00, NJW 2002, 1643, 1646; vom 8. Juli 1986 – VI ZR 47/85, BGHZ 98, 148, 158 f.; BGH, Versäumnisurteil vom 10. November 2016 – III ZR 235/15, BGHZ 213, 1 Rn. 41 jeweils mwN).

Jedoch kommt bei einer Haftung gemäß § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 263 Abs. 1 StGB und direktem Schädigungsvorsatz die anspruchsmindernde Berücksichtigung eines fahrlässigen Verhaltens des Geschädigten nicht in Betracht (vgl. zu § 826 BGB BGH, Versäumnisurteil vom 10. November 2016 – III ZR 235/15, BGHZ 213, 1 Rn. 42; Urteil vom 9. Oktober 1991 – VIII ZR 19/91, NJW 1992, 310, 311). Dies gilt bereits dann, wenn ein (Mit-) Täter oder Gehilfe mit zumindest direktem Vorsatz handelte. Denn die Verursachungs- und Schuldbeiträge von Mittätern oder Gehilfen sind in einer Gesamtschau dem Beitrag des Geschädigten gegenüberzustellen (BGH, Versäumnisurteil vom 10. November 2016 – III ZR 235/15, BGHZ 213, 1 Rn. 46 mAnm Ekkenga/Schirrmacher, WuB 2017, 299, 301; Looschelders, Die Mitverantwortlichkeit des Geschädigten im Privatrecht [1999], S. 619 f.; zur Mittäterschaft Senat, Urteil vom 16. Juni 1959 – VI ZR 95/58, BGHZ 30, 203, 206).

Beitrag wurde zuletzt aktualisiert: