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Verbraucherrecht

Uniscore schreibt wegen Probenfieber.de (2015)

Es war so lange ruhig – da kommt plötzlich aus der Versenkung ein Schreiben von Uniscore. Es geht um den „Einzug“ einer „Rechnung“ der „Firma Pressevertrieb Trave GmbH“, „Probenfieber.de“. Ich werde dann darauf hingewiesen, dass meine Mandantschaft doch leider nicht das Angebot aussergerichtlicher Einigung genutzt hat. Dafür bietet man jetzt aber nochmals Alternativen zur Erledigung an, so sollen etwa 93 Euro gezahlt werden oder es gibt die Möglichkeit einer Ratenzahlung. Und es gibt auch ganz tolle Gründe, dieses „Angebot“ anzunehmen, so führt Uniscore aus:

„Falls Ihre Mandantschaft diese Chance nutzt, so erspart sie sich gerichtliche Schritte und den Besuch des Gerichtsvollziehers, sowie Pfändungsmaßnahmen auf ihre Konten und Einkünfte“

Man muss schon in seiner ganz eigenen Welt leben, um ernsthaft zu glauben, mit einem solchen Mumpitz einen Anwalt beeindrucken zu können, der genau weiss, dass man erstmal einen Titel braucht, bevor irgendetwas davon Realität wird. Insbesondere wenn der angeschriebene Anwalt schon einmal der Firma Uniscore erklärt hat, wie juristische Realität funktioniert.

Verjährung prüfen

Betroffene sollten als erstes genau hinsehen, im Schreiben steht nämlich das Datum der angeblichen Forderung. Wenn ich dann sehe, dass mein mandant angeblich im Jahr 2009 den Vertrag geschlossen haben soll, ist das Schreiben schlichtweg nicht Ernst zu nehmen. Ende 2012 trat Verjährung ein, die Einrede sollte man erheben wenn nicht geschehen und dann kurzerhand negative Feststellungsklage einreichen wenn die Forderung verjährt ist und die Gegenseite stoisch weiter lästig ist.

Insolvenz der Pressevertrieb Trave GmbH

Nur der Vollständigkeit halber weise ich auf den Beschluss des Amtgericht Lübeck (53b IN 370/10) hin, der da lautet:

In dem Insolvenzverfahren über das Vermögen der
Pressevertrieb Trave GmbH (Registergericht: Lübeck 5770), Hochofenstraße 21, 23569 Lübeck, eingetragener Sitz: Lübeck, vertreten durch den Geschäftsführer Herrn Wolf-Dieter Hartelt

wurde am 01.03.2011, 08:00 Uhr das Insolvenzverfahren eröffnet.

Allzu viel Zeit und Energie sollte man hier wohl nicht investieren.

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Rechtsanwalt Jens Ferner

Von Rechtsanwalt Jens Ferner

Ich habe mich als Strafverteidiger & Fachanwalt für IT-Recht spezialisiert auf Rechtsfragen rund um Strafrecht, Technik & Arbeit: IT-Recht, Datenschutzrecht, Medienrecht, Vertragsrecht & Softwarerecht ebenso wie IT-Arbeitsrecht, IT-Strafrecht, digitales Werberecht & Urheberrecht.

Meine juristische Expertise ergänze ich mit umfangreicher technischer Erfahrung als Programmierer & Linux-Systemadministrator inkl. Netzwerksicherheit, IT-Forensik & IT-Risikomanagement.