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Reiserecht: Zur Haftung beim Sturz am Hotelpool

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Wenn jemand stürzt, ist es nie weit bis zur Klage – allerdings wird das Prinzip der Eigenverantwortung von der deutschen Rechtsprechung in diesem Bereich weiterhin hoch gehalten: Beim OLG Frankfurt (16 U 43/13) ging es um einen Hotelgast, der auf dem Weg zum Pool stürzte und später klagte. Hier hielt das OLG nochmals fest, dass man schlicht selber mitdenken muss und Klage nicht geboten ist, wenn sich aus dem Umfeld heraus bereits der Verdacht einer Gefahr nahe legt:

Ein Reisegast kann weder vertragliche noch deliktische Schadensersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter wegen eines Sturzes auf einer nass gewischten Treppe, die zum Zugangsbereich eines Schwimmbeckens gehört und die ausschließlich zum Schwimmbecken hin ausgerichtet ist, geltend machen. Denn im Bereich eines Schwimmbeckens eines Hotels oder einer Hotelanlage ist regelmäßig mit Nässe zu rechnen, weswegen sich bei einem solchen Sturz lediglich das allgemeine Lebensrisiko und kein Reisemangel verwirklicht hat.


Aus der Entscheidung der hierzu gehörende lesenswerte Teil:

Bei dem Sturz des Klägers hat sich ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht, das keinen Reisemangel darstellt. Denn im Bereich des Schwimmbeckens eines Hotels oder einer Hotelanlage ist regelmäßig mit Nässe zu rechnen, (vgl. OLG Frankfurt, Beck LSK 2002, 010452; LG München I, Beck RS 1996, 08117). Zwar befindet sich die Unfallstelle nicht unmittelbar auf den Wegen um den Pool herum. Jedoch gehören die Treppen, auf denen der Kläger gestürzt ist, zum Zugangsbereich zum Schwimmbecken. Wie sich aus den vorgelegten Lichtbildern ergibt, sind die Treppen ausschließlich zum Pool hin ausgerichtet. Schon beim Zugehen auf die Treppen öffnet sich der Blick allein auf den Schwimmbereich. Hinzu kommt, dass die Wege unmittelbar um den Pool herum mit denselben Fliesen belegt sind, wie die Treppen und die dazwischen liegenden Absätze, die zum Schwimmbecken führen. Dies ergibt das Bild eines einheitlichen Poolbereichs, der aufgrund der Unebenheit des Geländes über die drei Treppenabsätze erreicht werden muss.

Dass sich außerhalb des Blickfelds desjenigen, der die Treppen betritt, unten neben dem Pool möglicherweise noch andere Einrichtungen der Hotelanlage befinden, ist für die Bewertung unerheblich. Denn selbst wenn dies so wäre, musste ein Reisegast aufgrund der sich aufdrängenden Sicht auf den Pool davon ausgehen, dass bereits andere Badegäste das Schwimmbecken genutzt haben und möglicherweise auf dem Rückweg in das Hotel nasse Spuren hinterlassen haben, die noch nicht getrocknet sind. Dies gilt insbesondere zu der vom Kläger behaupteten Unfallzeit um 7.30 Uhr.

Zudem musste ein Reisegast der Clubanlage auch davon ausgehen, dass der geflieste Bereich um den Pool herum, wozu wie oben dargelegt auch die Zugangswege gehören, jedenfalls morgens gereinigt wird und dass dabei auch Reinigungsmittel verwendet werden. Da der Poolbereich offen liegt, musste damit gerechnet werden, dass über Nacht Blätter und andere Dinge auf die Fliesen geweht werden, die morgens beseitigt werden. Gerade im Bereich des Schwimmbeckens eines Hotels ist in besonderer Weise darauf zu achten, dass der Boden regelmäßig gereinigt wird, damit kein Schmutz in das Poolwasser gelangt. Dies würde sowohl aus hygienischen wie auch ästhetischen Gründen die Nutzung eines Pools deutlich beeinträchtigen, was wiederum die Attraktivität der Hotelanlage negativ beeinflusst. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass die grundsätzlich zu vermutende Reinigung des Bodens am Morgen auch tatsächlich stattgefunden hat und nach dem eigenen Bekunden des Klägers auch von ihm wahrgenommen wurde. Gerade weil der Kläger oberhalb von sich die Reinigungskraft bemerkte, hatte er einen konkreten Anhaltspunkt dafür, dass die Stufen der Treppen noch vom Wischen hätten nass sein können. Deshalb musste er beim Betreten der Stufen entsprechend sorgfältig vorgehen. Diese Sorgfalt hat er offensichtlich nicht in vollem Umfang walten lassen, da es anderenfalls nicht zu dem Sturz gekommen wäre.

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