Neues zum Reisemangel

Ich habe zwei Entscheidungen zum Reisemangel herausgesucht, die durchaus nette Aussagen beinhalten:

  1. Das AG München (223 C 5318/10) stellt fest, dass es keinen Reisemangel darstellt, wenn man im Hotel zum Abendessen eine lange Hose tragen muss. Dass deswegen jemand klagt, mag skurril klingen, die Begründung ist aber durchaus nachvollziehbar: Der Kläger meinte, in seinem beruflichen Alltag immer sehr förmlich gekleidet zu sein und im Urlaub darauf Wert zu legen, keinem “Dress-Code” zu unterliegen; zumal im Katalog ein Hinweis auf diese Pflicht nicht erfolgte. Der Richter, der in der langen Hose einen landesüblichen Brauch erkannte, meinte dazu wörtlich: “Sei jemand nicht bereit, sich bei Auslandsreisen in gewissem Maße landestypischen Gebräuchen zu beugen, müsse er zuhause bleiben.” und verwies zudem darauf, dass es Reiseveranstaltern unmöglich sei, auf jeden landestypischen Brauch hinzuweisen. Abgesehen davon sei eine lange Hose noch lange keine “geschäftsmäßige Kleidung”.
  2. Anders beim AG Solingen (14 C 143/09), dort wurde ein Reisemangel erkannt: Bei einer Kreuzfahrt traten Durchfallerkrankungen auf. Die Reisenden beobachteten, dass die Gläser der Gäste in einem Sektkübel im stetig gleichen Wasser “gespült” und mit alten Servietten – von den Tischen der Gäste – getrocknet wurden. Das Gericht erkannte hier einen naheliegenden Zusammenhang zwischen den extrem schlechten hygienischen Bedingungen und den Erkrankungen – und sah somit nicht nur einen Reisemangel, sondern auch einen Anspruch auf Schmerzensgeld

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