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Haare nicht schön geschnitten: Kein Schmerzensgeld vom Friseur

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Das Amtsgericht München (173 C 15875/11) hatte sich mit der Kundin eines Friseurs zu beschäftigen, der nach eigenem Bekunden zu viel – jedenfalls mehr als gewünscht – an ihren Haaren abgeschnitten wurde. Sie verlangte nun Schmerzensgeld, was ihr vom Gericht aber nicht zugestanden wurde.

Das Gericht hat korrekt Folgendes zum Anspruch auf Schmerzensgeld nach einem Friseur-Besuch klar gestellt:

  1. Es kann einen solchen Anspruch zum einen bei einer Körperverletzung geben, also wenn etwa die Kopfhaut verletzt wird oder das Haar (dauerhaft) geschädigt wird.
  2. Natürlich kann auch die Entstellung einer Person durch eine unsachgemäße und nicht gewünschte Frisur als Anspruchsgrund in Frage kommen – hier kann im Einzelfall eine Persönlichkeitsrechtsverletzung vorliegen.

Beides aber war hier nicht zu erkennen und der einfache Wunsch, dem nicht gefolgt wurde (also dass zB 2cm statt gewünschten 0,5cm abgeschnitten wurden) reicht nicht für ein Schmerzensgeld aus. Dabei macht das Amtsgericht hier auch einen interessanten Schlenker und verweist darauf, dass wenn der Kunde den Schneidevorgang beobachtet und dabei nichts sagt, also etwa einwirft dass zu viel abgeschnitten wird, läge ein Mitverschulden des Kunden vor das er sich vorhalten lassen muss.

Anmerkung: Den Aspekt des „Mitverschuldens“ sehe ich etwas kritischer. Bei einer klaren vertraglichen Absprache liegt bei zu viel abgeschnittenem Haar eine Pflichtverletzung vor, die zum Schadensersatz berechtigt. Das Mitverschulden des §254 BGB hat bei dieser Frage nichts zu suchen, da dies nur Relevanz bei der Höhe des zuzusprechenden Schadens hat! Vielmehr wird man sich Gedanken über ein konkludentes Einverständnis machen müssen und erst dann prüfen, ob bei der konkreten Schadenshöhe ein Mitverschulden zu beachten ist. Allerdings wird bei einem vertraglichen Verschulden die Frage des zu bemessenden Schadensersatzes (es geht ja um Schadensersatz, also messbaren Schaden, nicht Schmerzensgeld) insgesamt sehr schwer sein, wenn es nur um zu lang abgeschnittenes Haar geht. In Betracht käme hier in Extremfällen vielleicht die Berechnung von Extensions, was aber wohl eher nur ein sehr theoretischer Fall wäre. 

Frage: Und was ist mit den Ehemännern?

Ja, auch das gibt es – ein Ehemann hatte mich kürzlich gefragt, ob nicht wenigstens er ein Schmerzensgeld bekommt, wenn er den Anblick der neuen Frisur seiner Frau ertragen muss. Und man glaubt es kaum, das deutsche Recht kennt in der Tat den sogenannten „Schockschaden“, das ist ein Zustand tiefen Schocks, den jemand auf Grund eines Unglücksfalls eines Angehörigen erleidet und für den ein Schmerzensgeld zustehen kann. Allerdings geht die deutsche Rechtsprechung hier einen sehr restriktiven Weg und spricht dies nur nahen Angehörigen zu, die von einer besonders schockierenden Nachricht (also vor allem hinsichtlich des Todes eines Angehörigen) derart tief getroffen sind, dass ausserordentlich schwere Beeinträchtigungen vorliegen, die weit über das übliche Maß hinausgehen. Kurzum: Dass Ehemänner eine optische Veränderung Ihrer Ehefrau hinnehmen müssen, wird von diesem Fall nicht erfasst.

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