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Verbraucherrecht

Gepäck verspätet oder beschädigt – welche Rechte hat der Kunde?

Gepäck verspätet oder beschädigt – was kann man tun? Sie müssen hier unterscheiden, ob Sie eine Pauschalreise oder die Fahrt unmittelbar bei dem Transportunternehmen – etwa Fluglinie oder deutsche Bahn – gebucht haben. Hiernach ist zu unterscheiden.

Pauschalreise und beschädigtes oder verlorenes Gepäck

Bei einer Pauschalreise ist es relativ einfach: Sollte das Gepäckstück beschädigt oder mit erheblicher Verspätung am Urlaubsort ankommen, kann

  1. ein zur Minderung berechtigender Reisemangel vorliegen. Die Minderung funktioniert dabei so, dass Für jeden Urlaubstag, der ohne Gepäck verbracht wurde, ein Abzug auf den anteiligen Reisepreis vorzunehmen ist;
  2. weiterhin muss der Reiseanbieter den entstandenen Schaden zu ersetzen, wenn den Veranstalter ein Verschulden trifft. Von diesem Anspruch umfasst sind neben Ersatzanschaffungen für Gepäckstück und Inhalt auch Entschädigungen wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

All das ist im BGB im Bereich der Pauschalreise geregelt. Vorsicht: Der Reiseveranstalter darf mit dem BGB seine Haftung für Sachschäden auf ein Höchstmaß begrenzen, das beim Dreifachen des Reisepreises anzusetzen ist, was häufig in AGB geregelt ist. Ein Ausschluss für Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit ist dabei nicht möglich. Eine solche Haftungsbeschränkung ist weiterhin nur wirksam vereinbart, wenn der Schaden 

  • allein auf einem Fehler eines Leistungsträgers – etwa der Fluggesellschaft oder dem Busunternehmen – beruht oder
  • auf bloße (einfache) Fahrlässigkeit des Reiseveranstalters oder eines seiner Mitarbeiter zurückzuführen ist. 

Das bedeutet: Sofort wenn Probleme mit Ihrem Gepäckstück auftreten melden Sie sich bei Ihrem Reiseveranstalter. Wenn Sie Ersatzanschuaffungen tätigen, kaufen Sie nur wirtschaftlich sinnvolles und heben jede Quittung auf.

Minderung des Reisepreises bei Pauschalreise ist möglich

Das LG Frankfurt/Main (2-24 S 15/09) hat festgestellt, dass bei einer Verspätung von Gepäck eine Minderung des Reisepreises von bis zu 35% möglich ist. Dabei ist allerdings der Tagespreis an den Tagen zu mindern, an denen das Gepäck nicht vorhanden war.

Beispiel: Eine Reise von 10 Tagen kostet 1000 Euro – macht einen Tagespreis von 100 Euro. Bei einer Verspätung um zwei Tage könnte daher ggfs. die Summe von 200 Euro (2 Tageskosten) um 35% gemindert werden

Beachten Sie bitte, dass Sie als Reisender gemäß § 651d II BGB die Pflicht haben, auf einen Mangel vor Ort hinzuweisen – gerne wird dies vergessen. Oder auch mal Bestritten hinterher. Im vorliegenden Fall wurde gleich beides Bestritten, sowohl die Verspätung des Gepäcks als auch der Hinweis durch die Reisenden vor Ort. Bei allem Ärger gilt daher: Ruhe bewahren und auch daran denken, hinterher einen Nachweis erbringen zu können – etwa durch Zeugen oder gar schriftliche Bestätigungen.

Unmittelbarer Transport und beschädigtes oder verlorenes Gepäck

Sollte die Reise direkt beim Beförderungsunternehmen gebucht worden sein, sollten Sie sich bei Gepäckverlust oder Beschädigung an das betreffende Unternehmen wenden. Die verschiedenen Transporteure haften für während der Beförderung entstandene Schäden ebenso wie Reiseanbieter, nur dass diese eben die unmittelbaren Ansprechpartner sind.

Fluggesellschaft

Kommt das Gepäck beschädigt oder verspätet an oder geht sie auf dem Weg verloren, haftet die Fluggesellschaft verschuldensunabhängig entsprechend der Regelung im Montrealer Übereinkommen (MÜ), welches die Haftung im internationalen Luftverkehr festlegt. Das MÜ gilt zwingend – die Fluggesellschaften dürfen die Regelungen also nicht in ihren Beförderungsbedingungen umgehen. Für den nationalen Luftverkehr ergibt sich dies im Übrigen aus der EU-Verordnung Nr. 2027/97. Vorsicht: Eine Haftung steht nur für den Zeitraum im Raum, in welchem sich das Reisegepäck auch in der Obhut der Fluggesellschaft befindet. Dies ist bei einem Handeln des Zolls beispielsweise ausgeschlossen. Beachten Sie auch, dass je nach eigenem Verhalten ein Mitverschulden im Raum stehen kann, je nachdem was etwa nicht mit in die Flugkabine genommen wird.

Bahn

Die Haftung des Bahnunternehmens orientiert sich in erster Linie an der Aufgabe des Gepäcks:

  • Gepäck nicht aufgegeben: Bei Handgepäck haftet das Unternehmen zwar, allerdings müssen Sie nachweisen, dass Verlust oder Beschädigung auf ein Verschulden des Unternehmens oder seiner Mitarbeiter zurückzuführen ist. Einzige Ausnahme: Beschädigung durch einen Unfall.
  • Gepäck aufgegeben: Bei Reisegepäck haftet das Bahnunternehmen unabhängig davon, ob Sie ein Verschulden nachweisen können, wenn die Beschädigung auftrat während der Inobhutnahme durch das Bahnunternehmen. Beachten Sie, dass sich das Bahnunternehmen von seiner Haftung befreien kann, wenn es beweist, dass der Verlust oder die Beschädigung durch Ihr Verschulden, durch eine Anweisung von Ihnen, durch bestimmte Eigenschaften des Reisegepäcks (natürliche Beschaffenheit, besondere Mängel, Fehlen oder Mängel der Verpackung) oder durch unvermeidbare Umstände verursacht worden ist.

Bus

Wird Gepäck bei einer Busreise beschädigt oder geht es verloren, so haftet das Busunternehmen, wenn ein Verschulden nachgewiesen werden kann. Wird das Gepäckstück durch einen Verkehrsunfall beschädigt, haftet das Busunternehmen verschuldensunabhängig. 

Rechtsanwalt Jens Ferner

Von Rechtsanwalt Jens Ferner

Ich habe mich als Strafverteidiger & Fachanwalt für IT-Recht spezialisiert auf Rechtsfragen rund um Strafrecht, Technik & Arbeitsrecht: IT-Recht, IT-Vertragsrecht, Softwarerecht, künstliche Intelligenz, Datenschutzrecht, Medienrecht ebenso wie IT-Arbeitsrecht, IT-Strafrecht, digitales Werberecht & Urheberrecht. Ergänzend bin ich bei Ordnungswidrigkeiten und im Unternehmensstrafrecht tätig.

Meine juristische Expertise ergänze ich mit umfangreicher technischer Erfahrung als Programmierer & Linux-Systemadministrator inkl. Netzwerksicherheit, IT-Forensik & IT-Risikomanagement.