Ermittlungsverfahren i.S. möglicher Betrug der Wasserversorger

Es besteht der Verdacht, dass manche Wasserzähler nicht ordnungsgemäß arbeiten. Hintergrund ist ein “Flügelrad”, das den Verbrauch zählt. Beobachten kann das jeder an seiner “Wasseruhr”: Wenn irgendwo im Haus Wasser entnommen wird, fängt dort ein kleines Rädchen an, sich zu drehen. Allerdings haben manche – nicht alle – Wasserzähler ein Problem mit diesem Rädchen (dem “Flügelrad”): Es dreht mitunter nach. Das heißt, wenn man Wasser entnimmt und den Hahn wieder abdreht, dreht sich unten das Rädchen mitunter (sehr kurze Zeit) weiter. Nicht zuletzt auf Grund eines Berichts des Privatfernsehens (dazu nur hier) und diverser Presseberichte der Vergangenheit, sind Verbraucher hier ein wenig Aufmerksam geworden.

Ein Betroffener aus der Städteregion Aachen hat sich bei uns gemeldet – durch Selbstversuche (die keineswegs wissenschaftlichen Standards genügen) konnte dieser die Fehlmessungen in etwa beziffern. Hierbei wurde sehr einfach vorgegangen – entsprechend dem Bericht im Fernsehen: Es wurden 20 Liter aus dem Wasserhahn der Küche entnommen, dabei in 1 Liter-Schritten mittels eines Messbechers. Vor und nach der Entnahme wurde die Wasseruhr fotografiert und es ergab sich ein angeblicher Verbrauch von etwa 23 Litern, also etwa 11% mehr als tatsächlich verbraucht wurde.

Nun ist natürlich zu bedenken, dass diese Fehlmessung nicht zwingend ist – fraglich ist, ob sich das “Flügelrad” überhaupt nachdreht und natürlich hängt die Fehlmessung mit der Häufigkeit des entnommenen Wassers zusammen. Wer etwa 20 Mal am Tag Wasser entnimmt, wird eine höhere Fehlmessung vorweisen können, als jemand der nur ein Mal am Tag Wasser entnimmt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass das Flügelrad wenn, dann bei jeder Entnahme nachdreht, unabhängig von der entnommenen Wassermenge. Besonders kritisch dabei ist, dass das Problem bei Sachverständigen angeblich seit Jahren bekannt ist, also auch den Versorgern nicht unbekannt sein sollte.

Unsere Kanzlei hat nun bei der Staatsanwaltschaft Aachen ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Betruges angeregt, das auch aufgegriffen wurde. Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft Aachen läuft dort auf Grund dessen gegen einen konkret Beschuldigten (eines lokalen Wasserversorgers) das Ermittlungsverfahren unter dem Aktenzeichen 502 Js 643/11. Auch wenn im Einzelfall davon auszugehen ist, dass der Schaden sich eher in Grenzen halten wird, muss doch der Gesamtschaden ins Auge gefasst werden. Sofern den entsprechenden Versorgern die Problematik seit Jahren bekannt sein sollte und man auch nicht zumindest eine Kompensation bei der Jahresrechnung anbietet, ist das Vorgehen im Gesamtbild nicht als Bagatelle zu werten.

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