Reisemangel bei Unterbringung in einem anderen als dem gebuchten Hotel

Der Bundesgerichtshof (X ZR 111/16) konnte sich dazu äussern, wie man damit umgeht, wenn ein anderes als das gebuchte Hotel zur Verfügung gestellt wird und sich eine im Gesamtvergleich geringe Minderungsquote ergibt:

  • Wird dem Reisenden statt eines Zimmers in dem vertraglich zugesicherten Hotel ein Zimmer in einem anderen Hotel zur Verfügung gestellt, mindert sich der Reisepreis für die Dauer des Mangels auch dann, wenn das andere Hotel in der Nähe des gebuchten liegt und im Wesentlichen den gleichen Standard aufweist.
  • Auch bei einer – auf die gesamte Reise gesehen – eher geringen Minderungsquote liegt regelmäßig eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise vor, wenn die Leistungen des Reiseveranstalters an einzelnen Reisetagen so erhebliche Mängel aufweisen, dass der Vertragszweck an diesen Tagen jedenfalls weitgehend verfehlt wird und die Urlaubszeit insoweit nutzlos aufgewendet wird.

Für die Höhe einer Entschädigung im Reiserecht können mit dem BGH (dazu BGH, X ZR 118/03) der Umfang der die erhebliche Beeinträchtigung begründenden Reisemängel, die zu einer nutzlosen Aufwendung der Urlaubszeit bei den Reisenden geführt haben, sowie der Reisepreis maßgeblich herangezogen werden. Dies können sein:

  • unzumutbare hygienische Verhältnisse im Hotelzimmer;
  • hierdurch bedingte Beeinträchtigungen des Schlafs der Reisenden;
  • die nahezu vollständige Entwertung des Umzugstags als eines für die Erholung vorgesehenen Reisetags

Nicht zu berücksichtigen sind aber beispielsweise:

  • fehlender seitlicher Meerblick;
  • die Unterbringung in einem dem Standard nach nicht geringwertigeren Ersatzhotel

Bemessung des Entschädigungsanspruchs im Reiserecht

Der nach § 651f Abs. 2 BGB vorgesehene Entschädigungsanspruch im Reiserecht entsteht, wenn die Reise infolge eines Mangels erheblich beeinträchtigt wird. Für die Erheblichkeit der Beeinträchtigung kommt es mit dem BGH nicht nur darauf an, welchen Anteil der Mangel in Relation zur gesamten Reiseleistung hat.

Vielmehr ist auch zu berücksichtigen, wie gravierend sich der Mangel für den Reisenden ausgewirkt hat. Dabei ist mit ständiger Rechtsprechung des BGH das Maß, mit dem ein Mangel die Reise beeinträchtigt, aufgrund einer an Zweck und konkreter Ausgestaltung der Reise sowie Art und Dauer der Beeinträchtigung orientierten Gesamtwürdigung zu beurteilen. Diese Gesamtwürdigung ist aus der Sicht eines Durchschnittsreisenden orientiert am Reisezweck und Reisecharakter unter Würdigung aller Umstände vorzunehmen, wobei eine hohe Minderungsquote ein Indiz sein kann, eine bestimmte Minderungsquote aber nicht Voraussetzung für die Annahme einer erheblichen Beeinträchtigung der Reise ist.

Auf keinen Fall darf man sich dabei im Wesentlichen auf eine (rein quantitative) Gegenüberstellung zwischen einigen wenigen (stark) beeinträchtigten und dann weiteren mehreren Urlaubstagen beschränken, welche ein Reisender unbeschwert hätte genießen können.

Rechtsanwalt & Fachanwalt für IT-Recht Jens Ferner
Rechtsanwalt & Fachanwalt für IT-Recht Jens Ferner
Rechtsanwalt Jens Ferner - Fachanwalt für Informationstechnologierecht: Ich biete eine fokussierte Tätigkeit auf den Bereich Strafrecht, IT & Medien. Ergänzend dazu bin ich im Arbeitsrecht & Vertragsrecht sowie für Verbraucher vor Ort im Familienrecht & Erbrecht tätig. Eine umfassende Betreuung von Handwerkern, Agenturen & Unternehmen wird geboten. Kern meiner Tätigkeit ist das Prozessrecht, ganz besonders im Bereich IT-Prozess sowie Klageabwehr im Zivilprozess. Besprechungstermin in Alsdorf vereinbaren: 02404-92100. Beachten Sie, dass wir ausnahmslos keine Beratung per Mail oder Telefon anbieten - es gibt in unserer Kanzlei auch keinerlei kostenlose Tätigkeit!