Zur Haftung im Rahmen von Reitbeteiligungen

Beim OLG Nürnberg (8 U 510/11) hat man sich mit der so genannten Reitbeteiligung beschäftigt. Bei einer solchen “Reitbeteiligung” handelt es sich um eine Übereinkunft zwischen einem Pferdeeigentümer und einem “Nutzer”, der – sei es aus Geldmangel oder Zeitmangel – kein eigenes Pferd halten kann oder möchte. Zeitweise nutzt der Reitbeteiligte das Pferd wie ein Eigentümer, im Gegenzug entlastet er den Eigentümer. Wie ist dabei individuell unterschiedlich, von zu zahlenden monatlichen Beträgen bis hin zur Übernahme von Pflegeanteilen ist alles möglich.

Nunmehr gab es den Fall, dass ein Reitbeteiligter mit dem Pferd ausritt und nach der Rückkehr in den Reitstall von dem Pferd verletzt wurde, als er (erschrocken) zur Seite, auf den Fuss des Geschädigten, sprang. Er wollte daraufhin den Eigentümer des Pferdes nach §833 BGB in Anspruch nehmen. Das OLG Nürnberg hat das abgelehnt.

Die Reitbeteiligung war – wie so oft – mündlich geschlossen und sah vor, dass

die Klägerin monatlich 35,00 € an die Beklagte zahlt und dafür deren Wallach circa einmal wöchentlich reiten durfte, insbesondere wenn dieser bewegt werden muss und die Beklagte selbst hierfür keine Zeit hat.

An dieser Stelle wird bereits deutlich, worum es bei der Reitbeteiligung im Regelfall geht: Zwei Pferdeliebhaber sichern die Pflege des Pferdes. Es geht nicht um eine Einnahmequelle für den Eigentümer.

Das OLG Nürnberg sah das genauso und erkannte, dass in diesem konkreten Fall ein Haftungsausschluss – zumindest konkludent – vereinbart wurde. Jedenfalls wenn eindeutig die “Liebe zum Tier” und die “Begeisterung für den Pferdesport” im Vordergrund stehen und dazu noch ein privater Umgang der Betroffenen über längere Zeit festzustellen ist, wird man mit dem OLG Nürnberg keine geschäftliche geprägte Beziehung annehmen können und einen Haftungsausschluss sehen.

Das mag für die Beziehungshygiene innerhalb von Reitbeteiligungen erst einmal gut aussehen und auch lebensnah sein – dennoch sollten sich Pferdehalter wie Reitbeteiligte lieber absichern. Auch wenn es untereinander (“unter uns”) seltsam wirkt, bietet eine schriftliche Vereinbarung Klarheit und beugt Problemen vor. Dabei sollten die Beteiligten zwingen daran denken, dass es eben nicht nur darauf ankommt, ob man sich vertraut: Nach einer Verletzung im Rahmen eines Unfalls ist es durchaus möglich, dass die Versicherung des Verletzten Ansprüche gegen den Halter erheben wird. Und das persönliche Verhältnis sowie das Desinteresse des Einzelnen an einer Klage wird dann gar keine Rolle mehr spielen – ein schriftlich vereinbarter Haftungsausschluss dagegen sichert die Rechte und Beziehung der Beteiligten. Dabei muss bedacht werden, dass eine solche Vereinbarung gleichsam der gerichtlichen Kontrolle unterliegt, man also die getroffenen Formulierungen genau abwägen muss – ein Job für den Profi, nicht für Laien.

Der vorliegende Fall, in dem immerhin 7.000 Euro eingeklagt wurden, zeigt zudem das erhebliche finanzielle Risiko einer Klage, angesichts dessen eine faire schriftliche Vereinbarung durchaus angebracht erscheint.

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