Scheidung: Basics zum Trennungsjahr

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Das Trennungsjahr ist ist für die Scheidung im Regelfall elementare Voraussetzung, wobei es auf den ersten Blick recht einfach klingt: 1 Jahr muss man getrennt leben. Auf den zweiten Blick gibt es dann aber schnell Fragen zu den Details…

Trennungsjahr: Wie trennt man sich?

§1567 BGB stellt klar:

Die Ehegatten leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt.

Es muss also an erster Stelle keine „häusliche Gemeinschaft“ bestehen. Das heisst übersetzt, dass die gegenseitige Versorgung vollständig beendet sein muss: Kein Bekochen des Ehepartners mehr, kein Wachen der Wäsche des anderen mehr etc. Das kann auch durchaus innerhalb der gleichen Wohnung statt finden (wie §1567 BGB selber feststellt), man muss also nicht zwingend ausziehen – andernfalls wäre die Trennung für finanziell schlecht gestellte Paare bzw. Partner unmöglich. Aber die Trennung msus strikt sein: Von der Trennung der Vorräte im Kühlschrank bis zu getrennten Wäschehaufen und Betten.

Natürlich kontrolliert das erst einmal niemand, und schnell kommt der Gedanke auf, dass man das ja nicht so strikt durchziehen muss – gerade, wenn man sich (scheinbar) erstmal weiterhin gut versteht. Problematisch wird es aber, wenn man sich (plötzlich) über den genauen Zeitpunkt des Trennungsjahres streitet. Eine „unsaubere“ Trennung kann da für den, der die schnelle Scheidung wünscht, zum Problem werden.

Die eigentliche „Trennung“ vollzieht man am besten in irgendeiner schriftlichen Form, um den Trennungszeitpunkt zu dokumentieren. Das mag auf den ersten Blick formal klingen, hat aber seinen Sinn. Neben dem späteren Streit über den Trennungszeitpunkt ist das Datum u.a. wichtig für die Auskunftsansprüche untereinander (§1379 BGB) oder auch für den Beginn des geschuldeten Trennungsunterhalts.

Die Versöhnung im Trennungsjahr

Versöhnungsversuche werden zugestanden! Dass kurzzeitig versucht wurde, wieder zueinander zu finden, schadet der Trennungszeit nicht bzw. zögert diese nicht hinaus. Es kommt natürlich auf die Dauer des Versöhnungsversuchs an – wenn man 6 Monate wieder zusammen gelebt hat, geht das nicht mehr als Versöhnungsversuch durch, der das Trennungsjahr nicht mehr verlängert. Die Grenzen sind fließend, jedenfalls ein Monat wird problemlos sein.

Wann war die Trennung: Das prüft doch keiner?

Da das Gericht die Angabe des Trennungszeitpunktes nicht prüft, ist es auf den ersten Blick naheliegend, hier einfach zu lügen, um die Wartezeit zu verkürzen.

Ihr Anwalt wird im Rahmen seiner Wahrheitspflicht nach §43a BRAO nicht daran mitwirken, einen falschen Trennungszeitpunkt bei Gericht zu vertreten.

Sofern Sie Ihren Anwalt belügen, um die Trennungszeit zu verkürzen, werden Sie bedenken müssen, dass es hier auch erhebliche Probleme geben kann: Naheliegend ist die Variante, dass der Noch-Partner sich plötzlich überlegt, die Wahrheit zu sagen. Wenn Sie dann den Scheidungsantrag eingereicht haben und das Trennungsjahr nicht um ist im Moment der mündlichen Verhandlung, droht die volle Kostenlast nach §150 II FamFG. Zudem ist die Einreichung des Scheidungsantrags ab Zustellung an den Partner für einige Berechnungen ausschlaggebend, etwa mit Blick auf den Berechnungszeitpunkt des Unterhalts oder des Zugewinnausgleichs. Auch droht der Verlust des gesetzlichen Erbrechtes des Ehegatten bei einem anhängigen Scheidungsverfahren. Eine verfrüht gestellte Scheidung kann hier also erhebliche finanzielle Auswirkungen haben, die man immer bedenken sollte – das Trennungsjahr als solches, sollte daher nicht als bloßer Formalismus verstanden werden!