Warum darf man bei “Saturn” nicht fotografieren?

Zugegeben, ich lese inzwischen gerne bei “GuteFrage.net” mit – nicht wegen der Fragen oder weil ich dort antworte, sondern weil manche Antwort dort einfach nur zu komisch ist. An dieser Stelle kann ich durchaus empfehlen, den dortigen “Newsletter” zum jeweiligen “Fachgebiet” zu abonnieren und sich hin und wieder ein Spässchen zu gönnen. Es lohnt sich – und zeigt zugleich sehr eindrücklich die Existenzrechtfertigung von Rechtsanwälten.

Die Frage, die mir heute auffällt war die durchaus berechtigte, warum man im Saturn nicht fotografieren dürfe. Auch andere Geschäfte verbieten das Fotografieren hin und wieder, was natürlich hinsichtlich der von diesen gerne vorgenommenen Rundumüberwachung der Kunden durchaus interessant wirkt. Diese Betrachtung hat mit der juristischen Frage des “dürfens” aber nichts zu tun – und hier kommt “GuteFrage.net” ins Spiel. Da liest man dann geistreiche Antworten wie “Das ist Industriespionage”, dass Saturn im Rahmen seines Hausrechts tun und lassen darf was es will oder auch dass “Persönlichkeitsrechte verletzt” werden.

Nun, sofern man überhaupt zu dem Ergebnis kommt, dass man es nicht darf, so wird das wenn überhaupt an der Hausordnung des Saturn liegen – sofern diese überhaupt gültig ist. Interessanter ist die Frage, welches Interesse ein Kaufhaus haben könnte, das Fotografieren zu unterbinden: Die Produkte sind frei einsehbar, Preise und Ausstattung kann man sich erlaubterweise notieren – also wo kann man als Unternehmen ein Problem sehen? Eine Antwortet bietet Gutefrage.net (natürlich) nicht und ich selbst habe bis heute auf meine zahlreichen Fragen nie eine Antwort erhalten. Dabei habe ich durchaus einen Verdacht: Mit Fotoapparaten kann man nämlich Wettbewerbsverstöße sehr schön festhalten und Verbraucherzentralen zur Kenntnis bringen. Abgesehen davon, dass es heute auch möglich ist, irgendwelche Peinlichkeiten oder Unverschämtheiten bildlich festzuhalten und via Twitter & Co. umgehend einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ob das die Motivationen sind, weiß ich nicht – ich kann nur mutmaßen. Und auf ein Urteil des BGH (I ZR 133/04) in dieser Sache verweisen.

Rechtsanwalt in Alsdorf & Aachen für Strafrecht und Verkehrsrecht - digitale Technologien, Medien- & Urheberrecht, Verträge und Arbeitsrecht

Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht ist Ihr Ansprechpartner im Strafrecht mit den Schwerpunkten Wirtschaftsstrafrecht und Cybercrime. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Ein aktuelles privates Forschungsprojekt im Jahr 2020 liegt bei Rechtsfragen künstlicher Intelligenz.