Vorstellung: US-Amerikanisches Recht

Ein beeindruckendes Buch, dessen grösste Stärke zugleich seine grösste Schwäche ist: Das Buch zum US-amerikanischen Strafrecht von Peter Hay.

Gerade seitdem ein Schein in einer ausländischen Rechtsterminologie zwingende Voraussetzung zur Zulassung zu den staatlichen Prüfungen ist – interessanterweise aber immer noch nicht der Nachweis über Schlüsselqualifikationen wie Rhetorik, Verhandlungsgeschick etc. – sind Bücher zum Thema zunehmend auf dem Markt zu bemerken und verdienen eine besondere Aufmerksamkeit.

Der Autor versucht, den Leser umfassend in das Thema einzuführen – ein Unterfangen, das ihm zweifelsohne gelingt. Doch der Preis, den der Leser dafür zahlen muss, ist sehr hoch.

Ein kleiner (grober) Überblick über den Inhalt gibt einen ersten Vorgeschmack:

  1. Einführung (inkl. Darstellung der Systematik der Rechtsquellen)
  2. Öffentliches Recht (inkl. Grundrechte, Ausländerrecht, Verwaltungsrecht)
  3. Gerichtsorganisation und Zivilprozeß
  4. Internationales Privatrecht
  5. Zivilrecht (inkl. Vertragsrecht, unerlaubte Handlungen, Sachenrecht, Familienrecht, Erbrecht)
  6. Wirtschaftsrecht (inkl. Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht und Insolvenzrecht)
  7. Straf- und Strafprozeßrecht

Der gesamte Inhalt verschlingt über 300 Seiten, die mitunter dicht bedruckt sind. Man merkt hier schnell: Das ist keine leichte Kost.

Hay selbst schreibt angenehm, mitunter mal recht komprimiert – aber immer zugänglich. Der Anspruch liegt hier letztlich beim Stoff: Es ist ein umfassendes Buch, das in sämtliche Aspekte des US-amerikanischen Rechts einführen will. Und sowas geht nun mal nicht “einfach so” oder “einfach schnell”. Der hier erhobene Anspruch und Begrifflichkeiten wie “einfach” vertragen sich nicht. Damit bringe ich es an dieser Stelle auch auf den Punkt: Wer ein kurzes Skript sucht, um das Minimum in kürzester Zeit zu erarbeiten, das man für eine 4-Punkte Klausur braucht, der ist hier falsch.

Andererseits, und das ist dann wieder eine Stärke des Buches, ist es sehr systematisch aufgebaut: Man kann problemlos nur einzelne Bereiche wiederholen bzw. erarbeiten und somit konsequent den in der Vorlesung behandelten Stoff gezielt aufbereiten. Dabei sind die einzelnen Themen durchaus schnell zu erarbeiten, Beispiele:

  • Sachenrecht: 16 Seiten
  • Familienrecht: 20 Seiten
  • Strafrecht: 14 Seiten
  • Vertragsrecht: 22 Seiten

Wer also nicht mit dem Vorsatz an das Buch herantritt, alles was darin enthalten ist, im Detail zu lesen und zu vertiefen, hat ein äußerst nützliches Handbuch das wahrscheinlich in jeder Vorlesung zum Thema “US-amerikanisches Recht” der ideale Begleiter sein wird.

Der Autor hat sich bei seinem Buch sehr viel Mühe gegeben und bietet neben sehr zahlreichen Querverweisen (denen man nicht immer folgt) auch eine immerhin 20-Seitige Übersicht über wichtige Entscheidungen, eine Darstellung der Juristenausbildung in den USA und ein fallrechtliches Beispiel.

Kritik bietet sich nur an wenigen Stellen: Der Text ist nicht optimal formatiert – das könnte man verbessern, wird aber wohl ausgelassen um Seiten zu sparen. Eine tabellarische Übersicht über die wichtigsten Fachtermini fehlt, man findet sie aber auch zum Nachschlagen im Sachwortverzeichnis.

Schade ist, dass es keine Lernhilfen (Kontrollfragen, Hinweise auf besonders wichtige Aspekte) gibt. Gerade da es heute üblich ist, dieses Thema mit Blick auf eine Klausur mit Examensrelevanz zu lernen, wäre hier Nacharbeit sehr sinnvoll.

Die Jurakopf-Einschätzung

Ein sehr schönes, wenn auch umfassendes Buch, das dem Leser prinzipiell viel Zeit abverlangt. Als Handbuch zur Vorlesungsbegleitung ist es ideal, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Buch zum Thema für Studenten thematisch noch umfangreicher sein könnte. Wenn selbst Themen wie das Prozessrecht oder Insolvenzrecht erfasst sind – die in Grundlagenvorlesungen nur selten ein Thema sein werden – merkt man, welch anspruchsvolles Werkzeug hier geboten wird.

Mein Fazit: Wenn man als ausländische Rechtsterminologie die US-Amerikanische an der Uni auswählt, ist dieses Buch quasi ein Muss. Zudem bietet sich die sehr schöne Möglichkeit, In der Vorlesung nicht behandelte Themen jederzeit selbst zu erarbeiten – etwa um den gewählten Schwerpunktbereich auch mit Blick “über den Teich” zu verstehen. Das Buch jedenfalls ist derart umfassend, das man wohl zu jedem Schwerpunktbereich die passenden Themen findet. Daher meine Einschätzung: Rundum gelungen und ideal – nicht nur mit Blick auf die einmalige Klausur, sondern auch darüber hinaus.

Daten zum Buch

Peter Hay
US-Amerikanisches Recht
4. Auflage
Reihe Juristische Kurz-Lehrbücher
Verlag C.H.Beck
ISBN 9783406580598
Preis: 24,50 Euro

Rechtsanwalt in Alsdorf & Aachen für Strafrecht und Verkehrsrecht - digitale Technologien, Medien- & Urheberrecht, Verträge und Arbeitsrecht

Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht ist Ihr Ansprechpartner im Strafrecht mit den Schwerpunkten Wirtschaftsstrafrecht und Cybercrime. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Ein aktuelles privates Forschungsprojekt im Jahr 2020 liegt bei Rechtsfragen künstlicher Intelligenz.

   

5 Antworten auf „Vorstellung: US-Amerikanisches Recht“

  1. Gerade seitdem ein Schein in einer ausländischen Rechtsterminologie zwingende Vorraussetzung zur Zulassung zu den staatlichen Prüfungen ist – interessanterweise aber immer noch nicht der Nachweis über Schlüsselqualifikationen wie Rhetorik, Verhandlungsgeschick etc. – sind Bücher zum Thema zunehmend auf dem Markt zu bemerken und verdienen eine besondere Aufmerksamkeit.

    lustig, bei uns ist ein Fremdsprachenschein erforderlich. Die Klausur besteht man selbst, wenn man nicht gelernt hat und einfach durchschnittliche Kenntnisse mitbringt. Dafür müssen wir aber auch Softskills bzw. Schlüsselqualifikationen nachweisen – Sitzscheine. 5x4h, jedes Mal ein anderes Thema. Kommunikationslehre / Rhetorik war das grausamste. Die Dozentin machte jeden Fehler, den man machen kann, und war nicht in der Lage auf Fragen zu antworten. So sieht es in den aktuellen Kursen wohl immer noch aus.
    Letztlich bringen diese Veranstaltungen nicht, weil auch kein inhaltliches Niveau geboten wird. Nur in einigen Veranstaltungen soll (ich hab das nicht erlebt) ein Mehrwert bei abgesprungen sein.

    @Buch: Hatte vor kurzem überlegt, ob ichs mir hole. Nach der Empfehlung wirds dann wohl auch was ;)

  2. Das ist natürlich Schade, wenn es so bei euch aussieht. Hier gibt es nur freiwillige Veranstaltungen zum Thema, etwa von Fr. Puppe – die aber sehr gut sind. Wenn man einen Platz erhält.

    Jedenfalls hier ist es so, dass man in einer ausländischen Rechtsterminologie einen Schein (im Regelfall eine Klausur) machen muss. Mal wird die auch in der Fremdsprache gestellt, mal nicht. Sprachtechnisch soll z.b. im angelsächsischen Recht rudimentäres Schulenglisch ausreichen. Wer aber ein Praktikum im fremdsprachigen Ausland vorweisen kann, ist von diesem Schein befreit. Was mir fehlt, ist die Verzahnung mit dem Schwerpunktbereich – was bringt mir oberflächliches US-Sachenrecht, wenn ich mich die ganze Zeit auf das Strafrecht ausrichte?

  3. Naja, eine Verzahnung mit dem Schwerpunktbereich dürfte schwer fallen. Wieviele Schwerpunkte gibt es denn bei euch? Bei uns sinds auf jeden Fall zu viele, um noch die erforderliche Anzahl an Dozenten in amerikanischem, englischem, französischem, polnischem, russischem und was-auch-immer Recht bereit zu stellen.
    Allerdings sollte ein solcher Schein meiner Ansicht nach auch eben keine Konzentration auf bestimmte Themengebiete aufweisen. Das führt dann nämlcih wirklich dazu, dass z.B. Strafrechtler “gelangweilt” sind, während andere nicht nur ein für sie interessantes Gebiet bekommen, sondern dadurch auch eine echte Qualifikationssteigerung erhalten.
    Derartige Veranstaltungen sollten doch gerade die Grundlagen des ausländischen Rechts lehren. Dazu gehören dann wohl Methodik und Dogmatik aller Rechtsgebiete (ÖR, StR, ZR, soweit es diese Dreiteilung überall gibt, was wohl eher nicht der Fall ist).

  4. “Wieviele Schwerpunkte gibt es denn bei euch?”
    In Bonn zur Zeit 10.

    “Das führt dann nämlcih wirklich dazu, dass z.B. Strafrechtler “gelangweilt” sind”
    Das ist genau mein Fall. Die ausländischen Terminologienhaben immer das Zivilrecht behandelt. Das Ö-Recht war faktisch immer aussen vor (inkl. Strafrecht).

    “Derartige Veranstaltungen sollten doch gerade die Grundlagen des ausländischen Rechts lehren.”
    Auf dem Papier vielleicht, vielleicht hat sich seit meinem letzten Besuch aber auch einiges getan. Ich war einfach nur froh, als ich zufällig das Buch von Dubber gefunden habe und damit erarbeiten konnte, was mir als “Strafrechtler” bisher fehlte :(

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