Verwaltungsprozessrecht in der Klausur

Mir liegt das Werk von Stern/Blanke in der 9. Auflage aus der JuS-Schriftenreihe vor. Fraglich ist natürlich vor allem eines bei einem solchen Werk: Braucht man das? Ich werde mich vor dieser Frage nicht drücken.

Hinweis: Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Beck-Verlag zugestellt.

Ich habe bereits eindringlich den Detterbeck empfohlen – woran sich auch nichts ändert. Gerade Anfänger bringen da gerne etwas durcheinander: Verwaltungsrecht AT ist nicht Verwaltungsprozeßrecht. So wenig, wie das auswendig lernen der (wenigen) Schemata im Verwaltungsprozeßrecht alles ist, was man leisten muss.

Der Detterbeck bringt ein gar nicht so kurzes Kapitel zum Verwaltungsprozeßrecht mit: Zum Einstieg reicht das völlig. In der Klausur aber werden Feinheiten verlangt, im Examen Wissen auch zu Themen wie Berufung und Revision – im verwaltungsrechtlichen Verfahren von den Studenten gerne vernachlässigt, was aber auch teils an der Literatur zum Thema liegt.

Das vorliegende Buch bietet mit seiner klaren Struktur einen systematischen und umfassenden Einstieg in das Thema Verwaltungsprozessrecht. Das merkt man schon im ersten Teil “Grundlagen”, der mit 7 Kapiteln und 54 Seiten schon recht umfangreich ist. Dafür erfährt man aber noch mal schnell wesentliche Grundzüge, die einfach sitzen müssen – die Autoren beweisen bereits hier sehr gut, dass es ein Buch ist, dass wirklich auf Klausuren zugeschnitten ist und viel “drumherum”, das ich aus anderer Literatur zum Thema kenne, verzichten.

Etwas überrascht war ich von dem ebenfalls recht umfangreichen 2. Teil (wieder etwa 50 Seiten) zum Thema “Zulässigkeit des Rechtsbehelfs”. Einerseits ist die Idee schön, diesen Teil für alle Klagen erstmal auszusondern – doch gibt es im Bereich Zulässigkeit ja doch von Klage zu Klage Unteschiede – so dass man später in den Klagearten dann doch etwas von Fristen oder Klagebefungnis liest. Das ist nicht schlimm und tut dem klar strukturierten Werk keinen Abbruch, doch fiel es mir beim Lesen schon auf.

Der Schwerpunkt des Buches, das ist klar, liegt im 3. Teil der die einzelnen Klagearten behandelt. Insgesamt ist mir hier ein sehr klarer Schreibstil aufgefallen, der eindeutig Klausurorientiert ist. Gewagt finde ich, mit Blick auf Anfänger, die Kombination von Verpflichtungsklage und Anfechtungsklage in einem Kapitel (§11). Das ist inhaltlich gar kein Problem, für mich, der das Verwaltungsprozeßrecht schon kennt, war es sogar sehr angenehm und aucn naheliegend, diesen Weg zu gehen. Ich bin mir aber unsicher, wie das bei Anfängern ankommt, die erst beginnen, das Verwaltungsprozeßrecht zu lernen.

Dankbar bin ich für die enthaltenen Aufbau-Schemata, die bei einem Klausur-orientierten Buch nicht fehlen dürfen. Sie sind kurz, prägnant und schnell zu lernen – ich persönlich hätte sie zwar an den Anfang eines Kapitels (und nicht ans Ende) gestellt, da sie immer auch ein guter Einstieg beim Lernen sind – was übrigens beim §11 auch hilfreich wäre – doch kann der Leser ja auch einfach erst das Schema ansehen und dann das Kapitel lesen. Ich empfehle es jedenfalls.

Zu dem klaren Schreibstil kommt noch eine relativ kurze Darstellung, speziell bei den Klagearten, was aber positiv ist: Nirgendwo habe ich bisher z.B. die Leistungs- und Unterlassungsklage auf 12 Seiten dargestellt bekommen und es als verständlich & ausreichend empfunden – Stern und Blanke schaffen das aber. Weitschweifende Ausfürhungen bleiben dem Leser halt erspart, ebenso wie überholte Dogmatik: Es ist nunmal das enthalten, was man braucht.

Der vierte und letzte Teil im Buch behandelt den “vorläufigen Rechtsschutz” und um an das Beispiel von soeben anzuknüpfen: Den vorläufigen Rechtsschutz (§§80, 80a VwGO) lernt man hier auf 20 Seiten. Für die einstweilige Anordnung brauchen die Autoren gerade mal 12 Seiten. Ich betone nochmal: Das ist positiv!

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass nicht nur Texte und Schemata geboten werden, sondern zu jedem Kapitel auch kurze und verständliche Übungsfälle zum zielgerichteten vertiefen. Inhaltlich fand ich die Fälle sehr gut ausgewählt und auch ansprechend aufbereitet. Als negativer Beigeschmack kommt aber leider das eher anstrengende Schriftbild dazu.

Die Jurakopf-Einschätzung

Das Buch ist gut, sogar sehr gut. Bereits in den grossen Klausuren oder der Zwischenprüfung wird man hier einen grossen Nutzen ziehen. Ich habe zum Verwaltungsprozeßrecht inzwischen mehrere Bücher und Skripte gelesen bzw. angelesen – mir fehlte bisher die Klausurorientierung, die hier im Buch definitiv geboten wird. Ich kann es daher denen, die das Verwaltungsprozeßrecht in einem eigenständigen Werk lernen möchten, nur nahe legen und werde es in meine “Grundausstattungs”-Liste aufnehmen.

Daten zum Buch

Verwaltungsprozeßrecht in der Klausur
9. Auflage
Stern/Blanke
Beck Verlag
JuS-Schriftenreihe
Preis: 21,90 Euro

Rechtsanwalt in Alsdorf & Aachen für Strafrecht und Verkehrsrecht - digitale Technologien, Medien- & Urheberrecht, Verträge und Arbeitsrecht

Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht ist Ihr Ansprechpartner im Strafrecht mit den Schwerpunkten Wirtschaftsstrafrecht und Cybercrime. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Ein aktuelles privates Forschungsprojekt im Jahr 2020 liegt bei Rechtsfragen künstlicher Intelligenz.

   

Eine Antwort auf „Verwaltungsprozessrecht in der Klausur“

Kommentare sind geschlossen.