Anwaltskosten bei Unfall

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Wer bezahlt den Rechtsanwalt bei einem Verkehrsunfall? Diese Frage bewegt Betroffene nach einem Verkehrsunfall bei der Frage einen Anwalt zu beauftragen zu Recht als erstes. Dabei ist der Grundsatz durchaus einfach: Bei einem Verkehrsunfall muss der Unfallgegner zusammen mit dessen Haftpflichtversicherung die Kosten Ihres Anwalts tragen, allerdings nur soweit, wie man auch zum Ausgleich der Ihnen entstandenen Schäden verpflichtet ist. Darüber hinaus steht eine entsprechende Verkehrsrechtsschutzversicherung für Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall ein.

Rechtsanwalt Ferner Alsdorf - Verkehrsunfall

Übersicht: Szenarien zu Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall

Das bedeutet, es gibt im Kern insbesondere folgende Szenarien nach einem Verkehrsunfall:

  1. Der Unfallgegner hat den Verkehrsunfall alleine verschuldet: Dann muss die Gegenseite Ihre anwaltlichen Kosten vollständig übernehmen.
  2. Sie haben gemeinsam mit dem Unfallgegner den Verkehrsunfall verschuldet: Hier wird entsprechend der Quote der Schadensverteilung auch anteilig Ihr Kostenteil durch die Gegenseite übernommen. Je kleiner die Mitschuld, je kleiner die Kosten; und: Ihr eigener Anwalt wird dafür Sorgen, dass man Ihren Anteil nicht fälschlich zu hoch ansetzt, ein Risiko das gerne übersehen wird.
  3. Sie befürchten die Alleinschuld zu tragen: Dann droht, dass Sie die Kosten Ihres Anwalts alleine tragen müssen. Ob es hier sinnvoll ist einen Anwalt einzuschalten müssen Sie abwägen, insbesondere bei hohen Forderungen wird es sinnvoll sein, sicherzugehen, dass Sie nicht übervorteilt werden.Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben mit einem Verkehrsrechtsschutz sollten die Kosten Ihres Rechtsanwalts kein Problem sein. Bei einem niedrigen Einkommen steht ohnehin Prozesskostenhilfe im Raum. Und wenn Sie dennoch Sorgen haben: Eine Erstberatung ist bei Verbrauchern in den Kosten gedeckelt, so dass Sie zumindest ein erstes Gespräch führen können um sich zu informieren.
  4. Ergänzend zu den Szenarien 1-3: Die Versicherung hat bereits die Zahlung in Aussicht gestellt – auch in diesem Fall sind die anwaltlichen Kosten erstattungsfähig!

Anwaltskosten bei rein außergerichtlicher Tätigkeit des Rechtsanwalts nach einem Verkehrsunfall

Solange keine Klage notwendig ist, sind die Risiken überschaubar: Bei Alleinschuld des Gegners trägt dieser alle Kosten (oben 1). Erleidet man unverschuldet einen Verkehrsunfall, so gehören die Kosten des Rechtsanwalts zu den Kosten, die die gegnerische Versicherung zu bezahlen hat. Nach allgemeiner Meinung sind auch einfachere Unfälle so komplex und derart schwer zu durchschauen, dass die Beauftragung eines Rechtsanwalts zu den notwendigen Kosten der Abwicklung gehören.Aber auch wenn man mit Ansprüchen des Unfallgegners konfrontiert wird, kann man grundsätzlich zum Anwalt gehen ohne Gefahr zu laufen, die Anwaltskosten selber zahlen zu müssen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung gewährt für die Abwehr von Ansprüchen Rechtsschutz! Als Grenze gilt die Mutwilligkeit!

Aber auch wenn Sie eine Mitschuld trifft (oben 2) ist es keineswegs zwingend, dass Ihnen Kosten entstehen, selbst wenn Sie keine dafür einstehende Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben: Wenn von Anfang an nur die Durchsetzung des anteiligen Betrages beauftragt war, dann entstehen nur hierauf bezogen Kosten die dann von der gegnerischen Versicherung getragen werden. Regelmäßig nur dann, wenn Streit zu führen ist über die volle Summe kann damit ein Differenzbetrag entstehen – wobei hierauf häufig in der Praxis verzichtet wird. Auch die Selbstbeteiligung bei der Rechtsschutzversicherung ist damit am Ende in solchen Fällen nicht notwendig.

Verkehrsunfälle sind komplex – auch wenn man es googeln kann

Auch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (22 U 171/13) hat nochmals betont, dass Geschädigte nach einem Verkehrsunfall einen Anwalt nicht nur einschalten können (und die Kosten von der gegnerischen Versicherung zu tragen sind), sondern dass es darüber hinaus geradezu dumm ist, auf einen Anwalt zu verzichten, da eine Unfallregulierung schlicht komplexer ist als man vermutet:

Auch bei einfachen Verkehrsunfallsachen ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts von vornherein als erforderlich anzusehen. Gerade die immer unüberschaubarere Entwicklung der Schadenspositionen und der Rechtsprechung zu den Mietwagenkosten, Stundenverrechnungssätzen u.ä. lässt es geradezu als fahrlässig erscheinen, einen Schaden ohne Einschaltung eines Rechtsanwalts abzuwickeln.

Das gilt nur dann nicht, wenn es sich bei dem Geschädigten um ein weltweit agieren-des Mietwagenunternehmen (AG Frankfurt am Main 13.2.2007 – 31 C 2956/06– NZV 07, 426) oder Leasingunternehmen eines großen Autoherstellers handelt (AG Darmstadt 4.7.07 – 300 C 159/07 –). Auch die Einschaltung zu einem außergerichtlichen Güteversuch ist möglich, wenn dieser nicht von vornherein aussichtslos ist (OLG Hamm 19.6.08 – 6 U 48/08– OLG R 08, 627; allgemein zur Erstattungsfähigkeit bei geschäftsgewandten Geschädigten: Böhm/Lennartz MDR 13, 313).

Anwaltskosten nach Verkehrsunfall: Kostenrisiko Klage

In der Tat aber muss gesehen werden, dass eine voreilige Klage Kostenrisiken beinhaltet: Hier hilft eine von Anfang an geführte anwaltliche Bearbeitung und Beratung, das Risiko zu minimieren und einzuschätzen. Denn eine Garantie kann hinsichtlich des Ausgangs eines Prozesses nicht gegeben werden – die Abwägung bestehender Risiken und der wirtschaftlichen Faktoren einer Klage setzt dagegen entsprechend eErfahrung voraus.

Keine Reduzierung der Anwaltskosten durch eigene Teil-Regulierung des Verkehrsunfalls

Aus unserer Sicht sinnlos dagegen ist es, durch eigenes Agieren zu versuchen, die anwaltlichen Kosten zu senken, indem man selber einen Teil reguliert und dann den Anwalt mit dem nur noch streitigen Teil beauftragt. Auf Grund des hier bestehenden Haftungsrisikos aber auch dem mitunter schon durch Laientätigkeit “verpfuschten” ersten Teils nehmen wir solche Fälle nicht an. Es macht auch wenig Sinn, da gerade der in solchen Fällen schon erledigte Teil auch derjenige ist, dessen anwaltliche Kosten von der gegnerischen Versicherung ohnehin zu tragen gewesen wären. Es bleibt bei obigen Ausführungen und jedenfalls bei uns gilt aus gutem Grund bei der Regulierung eines Verkehrsunfalls: Ganz oder gar nicht.

Faustformel zur Beauftragung eines Rechtsanwalts nach einem Verkehrsunfall

Unsere Faustformel: Wenn davon auszugehen ist, dass der Unfallgegner alleine oder auch nur überwiegend Schuld trägt oder wenn Sie Rechtsschutzversichert sind, gibt es keinen sinnvollen Grund die Unfallabwicklung ohne Anwalt zu betreiben- Sie verschenken hier nur Geld! Dies mag sich im Fall einer Klage ändern, doch gerade hier hilft die anwaltliche Beratung.

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