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Wienbracke: Verwaltungsprozessrecht

Ich glaube, der Autor meinte es zu gut, als er das JuriQ-Skript zum Verwaltungsprozessrecht aufgesetzt hat: Jedenfalls ich erwarte bei dem JuriQ-Format eine schnelle und kompakte Bearbeitung des Themas. Was mir aber vorliegt ist alles andere als schnell: Vielmehr schafft es der Autor, sämtliche relevanten Details umfassend aufzuarbeiten. Das wäre für viele Bücher auf jeden Fall ein Lob – hier aber muss sich der Leser selbst entscheiden, wie er es wertet.

Um das klar zu stellen: Inhaltlich ist das Buch von einer besonderen Qualität. Es bietet den äusserst zugänglichen Schreibstil eines Skriptes in der entsprechenden handlichen Form, verlegt aber im renommierten C.F.Müller Verlag mit dem Tiefgang eines akademischen Lehrbuches und entsprechenden Fundstellen. Insofern eine ideale Mischung.

Aber: Mein Anspruch an diese Buchreihe ist ganz deutlich eben nicht nur eine besonders zugängliche Didaktik, sondern darüber hinaus auch die Reduzierung auf ein Minumum um ein besonders kompaktes (und somit schnelles) Durcharbeiten zu ermöglichen. Das scheitert hier eben, als Beispiel der Verweis auf Seite 33, wo Gnadenakte angesprochen werden: Eine gute Seite wird hier nur zu dieser Thematik investiert. Das kann man so machen – aber ich erwarte es nicht in einem Buch, das mir einen schnellen Einstieg bzw. ein schnelles Wiederholen verspricht.

Hinzu kommen – in JuriQ-Manier – eine Fülle von Beispielen und kleinen Fällen, zumindest jeweils am Ende eines Kapitels ein umfassender Fall.

Im Aufbau muss man sich überlegen, wie man lernen möchte: Das Buch arbeitet auf der obersten Ebene strukturiert nach “Zulässigkeit” und “Begründetheit” – jeweils dann untergliedert nach den einzelnen Klagearten. Das ist sehr sinnvoll, aber ich habe den Eindruck, dass viele es weiterhin vorziehen, die einzelnen Klagearten als Orientierungspunkte heranzuziehen und dann darin jeweils nach Zulässigkeit und Begründetheit zu differenzieren. Damit muss man vieles doppelt durcharbeiten, ist aber offensichtlich für manche zugänglicher.

Hinzu kommt – und darf nicht vergessen werden – dass dieses Buch durch ein Online-Lernprogramm ergänzt wird: Am Ende des Buches ist ein Code, mit dem man Zugang zu einer Webseite erhält, auf der man Fragen zu den einzelnen Kapiteln durcharbeiten und sich die Ergebnisse in einer Übersicht anzeigen lassen kann. Ein sehr schönes Gimmick, dass das Durcharbeiten doch aufpeppt und Abwechslung bietet.

Jurakopf-Einschätzung

Alles in allem hat man hier ein sehr umfassendes Werk zum Thema Verwaltungsprozessrecht, bei dem keine Wünsche offen bleiben. Eben hier liegt dann aber auch die Schwachstelle: Wer mit Vorwissen etwas zum schnellen (!) Wiederholen sucht, der wird sicherlich seine Probleme mit diesem Kompendium haben, das es nun mal ist.
Ich kann daher das Buch eher für die empfehlen, die das Verwaltungsprozessrecht in Tiefe erarbeiten möchten und ein Buch suchen, das man sich einmal kauft und dann ohne Ergänzungsliteratur bis zum Examen nutzt.

Daten zum Buch

Mike Wienbracke
Verwaltungsprozessrecht
C.F.Müller – JuriQ Erolgstraining
ISBN 9783811470453
Preis: 16,50 Euro

Rechtsanwalt Jens Ferner

Von Rechtsanwalt Jens Ferner

Ich habe mich als Strafverteidiger & Fachanwalt für IT-Recht spezialisiert auf Rechtsfragen rund um Strafrecht, Technik & Arbeitsrecht: IT-Recht, IT-Vertragsrecht, Softwarerecht, künstliche Intelligenz, Datenschutzrecht, Medienrecht ebenso wie IT-Arbeitsrecht, IT-Strafrecht, digitales Werberecht & Urheberrecht. Ergänzend bin ich bei Ordnungswidrigkeiten und im Unternehmensstrafrecht tätig.

Meine juristische Expertise ergänze ich mit umfangreicher technischer Erfahrung als Programmierer & Linux-Systemadministrator inkl. Netzwerksicherheit, IT-Forensik & IT-Risikomanagement.