Staatshaftungsrecht von Baldus, Grzeszick, Wienhues

Fast jeder Jura-Student hasst das Staatshaftungsrecht. Es ist ein Angst-Thema das einem im Regelfall – aus gutem Grund – nur sehr selten in Klausuren begegnet. Literatur zum Thema gibt es einige, überzeugt hat mich bisher nur ein Buch – und das war ein Skript. Und auch wenn die Autoren sich hier viel Mühe gemacht haben: Das Buch schafft es letztlich nicht, das schwierige Thema so aufzubereiten, dass man wirklich Zugang findet.

Das Positive vorweg: Das auffallend dünne Büchlein, mit 172 Seiten (zzgl. Sachwortverzeichnis) vermeidet den Fehler, ein ohnehin schwieriges Thema durch ein Aufblähen der Texte noch schwieriger zu gestalten. Inhaltlich ist auch nichts zu motzen: Alles was man braucht steht drin.

Doch jetzt kommt das aber: Die Aufbereitung der Texte ist grauselig. So gibt es z.B. durchgehend kleinere Fälle. Da diese aber – auch in den Lösungen – nicht gesondert strukturiert sind, fällt es schwer, diese als Aufbauhilfe zu nutzen. Auch sonst sind Hilfsmittel serh spärlich: Nur eine Skizze und zwar einige Schemata, diese aber gesammelt am Ende. Wer das Thema mit diesem Buch erstmals versucht zu erarbeiten, der wird sich nach der Lektüre von ein paar Seiten schnell im Text “verlieren”, nicht mehr wissen, wo er eigentlich in der Struktur ist.

Es wäre klug, bei diesem Thema immer mit einer Übersicht anzufangen: Welche Maßnahmen gibt, welche Rechtsschutzmöglichkeiten, in welchem (sich ergänzenden) System stehen diese Möglichkeiten zu einander. Stattdessen wird stur der Reihe nach, systematisch sortiert, jeder Anspruch durchgegangen und besprochen. Ich denke, das so unbeliebte Thema gewinnt bei dieser Aufbereitung nicht wirklich an Charme.

Wie gesagt: Inhaltlich ist es ein gutes Buch, ich habe keinerlei Kritik an dem was da steht. Die Kritik aber richtet sich gegen das wie es da steht. Um offen zu schreiben: Das, was Studenten aus dem “Staatshaftungsrecht” brauchen, ist gar nicht so schwer. Die Schwierigkeit kommt zum einen dadurch, dass recht wenig davon ausdrücklich im Gesetz steht, zum anderen dass es einfach eine sehr trockene Materie ist, die durch jüngere Wechsel der Rechtsprechung nicht gerade leichter geworden ist.

Die Kunst ist nicht wirklich, diesen Inhalt in ein Buch zu packen – vielmehr ist es eine Kunst, diese Inhalte auch zugänglich aufzubereiten. Hier fehlt mir bei diesem Buch schlichtweg zu viel. Beim Lesen fühlte ich mich, als würde Stoff “runtergerattert” und gerade nicht das System vermittelt, das dahinter steht.

Die Jurakopf-Einschätzung

Das was man an Inhalt braucht findet man hier kompakt in einem Werk, bei dem auch der Preis stimmt. Doch die Aufbereitung gefällt mir nicht und man sollte sich auch nicht vertun: Gerade beim Staatshaftungsrecht, vielleicht wie bei keinem anderen Gebiet, spielt die Aufbereitung eine derart große Rolle.

Ich bin beim Staatshaftungsrecht, nicht zuletzt wegen der vielen eigenennegativen Erfahrungen, höchst kritisch. Daher kann ich dieses Buch auch nicht als Lernbuch empfehlen. Wer einen Einstieg in das Staatshaftungsrecht sucht, sollte sich vielmehr das gleichnamige Skript aus der JuriQ-Skriptenreihe ansehen und ihm (trotz der vielleicht befremdlichen Grafiken) eine Chance und etwas Zeit geben.

Daten zum Buch

Staatshaftungsrecht
Manfred Baldus, Bernd Grzeszick, Sigrid Wienhues
3. Auflage
Verlag C.F.Müller
ISBN 9783811498037
Preis: 19,50 Euro

5 Antworten auf „Staatshaftungsrecht von Baldus, Grzeszick, Wienhues“

  1. Also in Hessen wird fast jedes Jahr mind. 1 Klausurenvorschlag eines bestimmten Marburger Professors, der auch gern mal Staatshaftungsrecht im großen Schein abfragt und der auch einige Publikationen diesbzgl. veröffentlicht hat, fürs Examen gestellt.

    So schwierig und verhasst ist das Thema nun auch nicht, wenn man das Ganze aufs Wesentliche reduziert. Das Hemmerskript ist für diesen Zweck auch ausreichend und wenn man wirklich sicher gehen will, schaut/kopiert man sich das Kapitel bei Detterbeck nochmal an und sollte dann über alle Fragen erhaben sein.

  2. Ich denke, es kommt (wie immer) drauf an: Wenn man unter Staatshaftungsrecht nur das Kernwissen zum §839 BGB (iVm Art. 34 GG) verlangt, ist es in der Tat weniger kompliziert. Und je nach Uni schreibt man ja in einer großen Übung um die 3 Klausuren von denen man durchaus die ein oder andere versemmeln kann, so dass eine Klausur zu dem Thema nicht der Schocker ist.

    Schwieriger war für mich persönlich immer das gesamte Richterrecht, speziell rund um die alten 74, 75 Preussisches Landrecht und natürlich die Entschädigungsproblematik beim Art. 14 GG.

  3. Hi,

    die Antwort bleibe ich nicht schuldig im Artikel: Das Staatshaftungsrecht-Skript aus der JuriQ-Reine (Gleichsam CFMüller). Es ist das einzige, das ich bis heute wirklich zugänglich fand,

    vg
    Jens

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