Gutscheinlösung oder Geld zurück fordern?

Inzwischen scheint festzustehen: Die EU-Kommission will keine Gutscheinlösung im Reiserecht, bei Freizeitveranstaltungen gibt es also Gutscheine, während Verbraucher ihr Geld bei berechtigt beendigten Pauschalreisen zurück verlangen können. Doch: Sollte man dies tun? Auch hier kommt es darauf an.

Reise während weltweiter Reisewarnung berechtigt beendigt

Wenn Sie Ihre Pauschalreise im Zuge der weltweiten Reisewarnung berechtigt beendet haben, haben Sie einen bereits bestehenden Rückzahlungsanspruch. Ob Sie das Geld zurück verlangen ist dann Ihre Entscheidung. Meine Sorge wäre, ob im Falle eines Gutscheins dieser von der Insolvenzausfallversicherung des Reiseveranstalters getragen wird – in der Tat bin ich hier skeptisch. Sinnvoller erscheint mir, bei bereits beendetem Vertrag sich nicht abspeisen zu lassen und zügig das zustehende Geld einzufordern.

Reise soll erst in Zukunft nach Reisewarnung noch stattfinden

Wenn die Reise dagegen in erheblicher Zukunft stattfinden soll, etwa ab dem Herbst 2020, wäre ich ebenso skeptisch, ob man sich überhaupt jetzt (Frühling 2020) wirksam vom Vertrag lösen kann. Eher stellt sich die Frage, ob noch anstehende Vorauszahlungen vorgenommen werden sollen – oder nicht. Die Reiseanbieter pochen naturgemäß darauf, der Verbraucher ist verunsichert.

Auf dem Papier kann ich sagen, dass in diesem Fall wohl die Insolvenzsicherung nach §651r BGB greifen sollte, also man seinen Vertrag erfüllen kann und nicht mit dem Risiko spielen sollte, die schon gezahlte Anzahlung (oder eventuell unnötige Stornogebühren) zahlen zu müssen wenn man keine weitere Zahlung vornimmt. Fernab der denktheoretischen Situation muss man aber sehen, dass wir spätestens seit der Thomas-Cook-Pleite wissen, dass die Insolvenzsicherung eine Grenze hat und hier nur Bruchteile am Ende zurück gezahlt wurden. Angesichts einer im Raum stehenden angeblichen Pleitewelle bei Reiseanbietern drohen sich da Horrorszenarien an.

Wie immer wird es auf den Einzelfall und den Einzelnen ankommen – nach meinem derzeitigen Eindruck ist es ein “Lottospiel”: Sie können bezahlen und am Ende alles verlieren oder einen Urlaub haben; Sie können aber auch eine schon erfolgte Anzahlung und/oder Stornogebühren als “Spieleinsatz” abschreiben und wenigstens nicht noch mehr Geld riskieren. Geradezu dümmlich in dieser Situation ist, dass die Reiseanbieter sich nicht in der Lage sehen, das “Lottospiel” zu beeinflussen, etwa indem den Kunden die am Ball bleiben, einfach Extra-Leistungen in Aussicht gestellt werden. Man hier derzeit zusehen, wie eine ganze Branche das Vertrauen der Kunden nachhaltig verzockt. Sprichwörtlich.

Rechtsanwalt & Strafverteidiger bei Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf
Im Raum Aachen & Heinsberg als Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht Ihr Ansprechpartner im gesamten Strafrecht mit den Schwerpunkten Strafverteidigung & Cybercrime und Persönlichkeitsrecht. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Er arbeitet zusammen mit Fachanwalt für Strafrecht Dieter Ferner, dem Kanzleigründer, der im Strafrecht und Verkehrsrecht tätig ist.
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