Tipp: Rechtstheorie für Studenten

Eines lernt man irgendwann: Wenn ein Buch einen der Begriffe “Rechtstheorie”, “Rechtsphilosophie” oder “Methodik” im Titel trägt und seltsam dünn ist, dann ist es entweder ein herausragend gutes Buch – oder ein grottenschlechtes. Das mir vorliegende Buch “Rechtstheorie für Studenten” von Klaus Adomeit und Susanne Hähnchen ist mit nicht einmal 100 Seiten so dünn, dass ich wirklich Sorgen hatte.

Die Zweifel aber waren unberechtigt – ich bin froh, das Buch noch rechtzeitig zum ersten Tag der Vorlesungszeit des neuen Semesters ausgelesen zu haben, so dass ich dazu was schreiben kann. Es lohnt sich.

Es sind nichtmal 100 Seiten (auf Seite 96 endet der eigentliche Text, es folgen Fragen und Sachwortverzeichnis) und man glaubt auch, diese in kürzester Zeit “durch” zu haben. Ein Trugschluss wenn man das Buch ernsthaft liest.

Glücklicherweise ist es kein schlechter Schreibstil, der den Leser aufhält: Klare Struktur, gut gewählte Absätze, klare Sprache. Möglichst wenig Fremdwörter, die lateinischen Passagen (allesamt Zitate) sind im Volltext übersetzt.

Das, was den Leser bremst und hier 100 Seiten in der Geschwindigkeit lesen lässt, in der man sonst gute 400 Seiten konsumiert, ist der Inhalt: Anspruchsvoll, sicherlich nicht zu schwierig (also nicht abgehoben) aber dennoch eines gebildeten Studenten würdig. Auf kürzestem Raum lernt man die Grundelemente der Logik, es wird erklärt wie die Großen der Geschichte die bis heute bestehenden Probleme gelöst haben und wie die Grundbegriffe lauten, die man bherrschen muss.

Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, ob ich jemals Savigny’s Auslegungskanon derart verständlich gemacht bekommen habe wie in diesem Werk. Die Klarheit, mit der die Technik der Auslegung in ihrem historischen Kontext dargestellt wird, um dann letztlich die heutige Arbeitsweise darzustellen und so nicht nur das Werkzeug, sondern auch seine Handhabung zu verbildlichen, kann man einfach nur als Gelungen bezeichnen.

Man merkt an dieser Stelle, dass eingetreten ist, was hier nicht oft passiert: Ich bin begeistert. Und das sicherlich zu Recht: Ein tolles, herausragendes Buch, das jedem Studenten der Rechtswissenschaft ans Herz gelegt gehört. Für jeden Erstsemester ist es der perfekte Einstieg in die Thematik der Rechtstheorie, wobei man sich darauf verlassen kann, das notwendige (und keinen überflüssigen Balast) zu lernen. Für jeden Fortgeschrittenen Studenten ist es ein tolles Werk mit dem man die Basics wiederholen kann.

Inhaltlich gibt es zuerst eine Einleitung in der die Frage “Was ist Recht” und “Was ist Rechtwissenschaft” beleuchtet wird – ähnlich dem dazu passenden Aufsatz in der aktuellen JA für Anfänger (Die Frage wieso sich die Rechtswissenschaft überhaupt Wissenschaft nennen darf ist gar nicht so einfach und wird zu Rcht kontrovers diskutiert).
Es foglt ein Teil zur Normlogik (“Anwendung” von Normen), gefolgt von Methodenlehre (Rund um die “juristische Methode”, die Arbeitsweise) bis zur Rechtspolitologie – ein Gebiet, das im Jura-Studium viel zu sehr ausser Acht gelassen wird, weil man den Anschein der Objektivität lieber aufrecht erhält.

Die Jurakopf-Einschätzung

Kurz und einfach: Kaufen und lesen.

Daten zu Buch

Adomeit/Hähnchen
Verlag C.F.Müller
Rechtstheorie für Studenten
ISBN 9783811433694
Preis: 15 Euro

Rechtsanwalt in Alsdorf & Aachen für Strafrecht und Verkehrsrecht - digitale Technologien, Medien- & Urheberrecht, Verträge und Arbeitsrecht

Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht ist Ihr Ansprechpartner im Strafrecht mit den Schwerpunkten Wirtschaftsstrafrecht und Cybercrime. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Ein aktuelles privates Forschungsprojekt im Jahr 2020 liegt bei Rechtsfragen künstlicher Intelligenz.