Überblick: Sozialisierung, Art.15 GG

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Seit Jahrzehnten dümpelt der Art.15 GG in unserem Grundgesetz vor sich hin – um nun plötzlich jedenfalls in den Medien von großem Interesse zu sein. Neben der Tagespresse aber bietet sich der Art.15 GG, gerade wegen der eher geringen Beachtung in Rechtsprechung und Literatur, aber in Klausuren an, um das juristische Grundverständnis von Bearbeitern auf „unbekanntem Terrain“ zu prüfen. Nicht ohne Grund findet sich erstmals im Jahr 2008 ein Aufsatz zum Art.15 GG in der Juristischen Schulung. Ich habe einige essenzielle Informationen zur „Sozialisierung“ herausgesucht und gesammelt.

Hinweis: Diesen Beitrag hatte ich im Jahr 2009 ursprünglich veröffentlicht und haben ihn auf Grund von Nachfragen an dieser Stelle wieder aufgenommen,

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Carsharinggesetz: Entwurf eines Gesetzes zur Bevorrechtigung des Carsharing

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Das Carsharing soll gestärkt werden in Deutschland, dazu liegt der Entwurf eines „Gesetzes zur Bevorrechtigung des Carsharing“ („Carsharinggesetz“) vor, mit dem folgende Schritte laut Bundesverkehrsministerium angegangen werden:

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Kein Schadenersatz für Absage eines Operationstermins

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Allgemeine Geschäftsbedingungen in einem Wahlleistungsvertrag mit einer Klinik, wonach der Patient zum Schadensersatz verpflichtet wird, wenn er einen Operationstermin absagt, sind in der Regel unwirksam.

Hinweis: Solche Klauseln sind durchaus verbreitet und auch dort, wo Anbieter von Terminsgeschäften leben diskutabel, die Rechtslage dazu habe ich hier dargestellt. Im vorliegenden Fall aber, wo es um einen körperlichen Eingriff geht und durch die finanzielle Forderung auch noch Druck ausgeübt wird gegen den eigenen Willen dennoch den Eingriff vornehmen zu lassen (also eine strafbare Körperverletzung im Raum steht!) muss man sich schon fragen, was den Köpfen derer vorging, die diese AGB zu verantworten haben, geschweige denn hier geklagt haben.

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Energierecht: Stromrechnung zu hoch – keine Rechnungen gestellt

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Es ist ein häufiges Ärgernis, mit dem Unternehmen und Verbraucher zu mir kommen: Plötzlich und überraschend ist die Stromrechnung zu hoch, exorbitant zu hoch. Die einfachste Erklärung ist, dass Betroffene sich verschätzt haben, zu wenig Abschlag gezahlt haben und tatsächlich so viel verbraucht haben – hier sollte man Zeit und Geld sparen und sich um eine saubere Erledigung mit dem Stromversorger bemühen. Meine Praxis zeigt aber: Es gibt auch andere Fälle.
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Klage der PROKON Regenerative Energien abgewiesen – Vertragsschluss wurde nicht bewiesen

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Ein aktueller Fall bei mir zeigt, wie wichtig es ist, bei Leistungsklagen den Vertragsschuss ordentlich zu prüfen und auch beweisen zu können: Prokon Regenerative Energien eG hatte meine Mandantschaft klageweise auf Zahlung in Anspruch genommen. Meine Mandantschaft aber hatte keinen Vertrag mit Prokon geschlossen, sondern wohl ein Dritter, der auch benannt werden konnte und gegen den schon früher Strafanzeige erstattet wurde. Durch Prokon wurde dann ein Ausdruck einer Email vorgelegt, die die Bestellung dokumentieren sollte, hier war meine Mandanschaft namentlich benannt. Die Mailadresse aber kannte meine Mandantschaft nicht.

Das genügte dann auch nicht mehr, nachdem ich darauf verwiesen hatte, dass dem kein Beweiswert zukommen kann. Prokon blieb beweisfällig, die Klage wurde letztlich abgewiesen, weil der Vertragsschluss mit meiner Mandantschaft bestritten und nicht bewiesen war.

Anmerkung: Ich habe den Fall hin und wieder, dass jemand mich bittet, eine Zahlung aus einem Vertrag einzuklagen der über das Internet geschlossen wurde. Regelmäßig ernte ich absolutes Unverständnis, wenn ich dann auf die Problematik des Beweisens des Vertragsschlusses hinweise – dieser Aspekt sollte allerdings niemals unterschätzt werden. Gerade bei Laufzeitverträgen sollte man für eine Verifizierung des Vertragspartners sorgen, hier wird zu oft zu naiv agiert.

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Strom gesperrt: Keine einstweilige Verfügung auf Duldung der Stromunterbrechung

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Interessant ist eine Entscheidung des Amtsgericht Duisburg (35 C 4092/14), die sich dem Begehren eines Stromversorgers nach einer einstweiligen Verfügung auf Unterbrechung der Stromversorgung verweigert hat. Das Gericht führte aus, dass hierin eine unzulässige Vorwegnahme der Hauptsache liegt – was ein vertretbares Argument ist. Tatsächlich ist die Rechtsprechung bei Stromlieferverträgen bei der Unterbrechung der Stromversorgung nach § 19 II Strom GVV erheblich grosszügiger als sonst im einstweiligen Rechtsschutz. Dabei nimmt das AG ausdrücklich auch Stellung zu anderen Entscheidungen (schliesslich sehen viele andere Gerichte das anders) und macht klar, diesen bewusst nicht folgen zu wollen.

Umso bemerkenswerter dann, dass das Landgericht Duisburg (11 T 14/15) sich dieser Auffassung ausdrücklich angeschlossen hat! Es bietet sich also im Bereich einstweiliger Verfügungen der Stromsperre beachtliches Verteidigungspotential.
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Stromliefervertrag: Zum Aktionsbonus bei Abschluss eines Stromliefervertrages

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Gerne werben Anbieter von Stromlieferverträgen mit einer „Bonuszahlung“ oder einem Aktionsbonus. Diese ist gerne einmal etwas missverständlich formuliert, etwa in der Form

„Wenn Sie als Neukunde einen Vertrag mit (…) schließen, gewährt Ihnen (…) einen einmaligen Bonus. Dieser wird nach zwölf Monaten Belieferungszeit fällig und spätestens mit der ersten Jahresrechnung verrechnet“

Streit entsteht dann, wenn der Kunde die Kündigung ausspricht, so dass eine Lieferung exakt ein Jahr stattgefunden hat. Versorger vertreten hier mitunter die Auffassung, dass man länger als ein Jahr beliefert werden müsse, Kunden dagegen verweisen darauf, dass der Bonus nach einem Jahr entstanden ist. Letzteres wurde vom BGH dann auch bestätigt.
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Stromliefervertrag: Rückzahlung wenn versehentlich falscher Stromzähler angegeben wurde

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Nichts was es nicht gibt: Beim Amtsgericht Köln (142 C 633/13) ging es darum, dass jemand versehentlich beim Abschluss eines Stromliefervertrages nicht seinen sondern den Stromzähler seines Nachbarn angegeben hatte. Nachdem dann nach einigen Monaten der Irrtum aufgefallen ist, nahm der Kläger seinen Nachbarn auf Rückzahlung der an den Stromversorger geleisteten Beträge in Anspruch. Dies (natürlich) erfolgreich, der Nachbar hat schliesslich die Befreiung von einer Verbindlichkeit erlangt.

Hinweis: Die Entscheidung ist zum einen hinsichtlich der seltenen Ausführungen zur versehentlichen Tilgung einer fremden Schuld interessant. Man kann sich aber auch in solchen Fällen fragen, wen man in Anspruch nimmt: Möchte man den Vertrag mit dem Stromversorger anfechten und hier dann Rückzahlung verlangen? Dann hat man mehr Aufwand und das schwelende Risiko ob man rechtzeitig angefochten hat, aber eben einen solventen Schuldner. Oder man umschifft die Anfechtungsproblematik und nimmt direkt den Nachbarn in Anspruch, wo aber vielleicht ein Vollstreckungsrisiko besteht.
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Gesetzgebung: Verbraucherstreitbeilegungsgesetz

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Als Unternehmer sollte man allmählich das Thema Verbraucherstreitbeilegungsgesetz im Blick haben. Noch ist nicht absehbar wann es kommt, es wird aber definitiv kommen und sicherlich noch in dieser Legislaturperiode. Im Kern geht es darum, europäisches Recht umzusetzen, das vorgibt, dass Verbraucher die Möglichkeit einer Streitschlichtung im Bereich Kaufverträge und Dienstleistungen haben müssen.

Hinweis: Es handelt es sich hierbei um einen einzelnen Baustein eines Gesamtkonzepts zur Stärkung der aussergerichtlichen Streitbeilegung. Dazu bitte meine Übersicht beachten.

Link: Beratungsablauf im Bundestag

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RGSt 32, 165 – Stromdiebstahlsfall

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Das Reichsgericht hatte sich 1899 mit etwas seltsamen zu Beschäftigen: Da hatte jemand Elektrizität „gestohlen“ indem er eine Leitung „anzapfte“. Die damals noch neue Ware Elektrizität ar dem Strafgesetzgeber allerdings unbekannt – und man stritt darüber, ob es einen Diebstahl überhaupt geben konnte, denn immerhin war die Elektrizität eine res incorporales, eine unverkörperte Sache. Die kann man schlecht Wegnehmen. Das Ergebnis war, dass der RGSt – in einer bemerkenswerten Argumentation – den Diebstahl verneint und der Gesetzgeber später den Entzug elektrischer Energie im StGB schuf.

Links dazu:

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Werberecht: Kosten für Endreinigung müssen bei Werbung für Ferienwohnung enthalten sein

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Es ist ein steter Graus: Man sieht die Werbung für eine Ferienwohnung, klickt darauf und plötzlich steigt der Preis, weil man zwingend weitere Kosten zahlen muss – insbesondere für eine ohnehin fragwürdig angesetzte Endreinigung – die vorher nicht genannt waren. Dies ist unzulässig: Wenn mit einem Preis geworben wird, sind die zwingenden Zusatzkosten schon in der Werbung zu benennen.

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Keine Zweitwohnsteuer für nur als Kapitalanlage dienende leer stehende Wohnungen

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Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (9 C 5.13) hat entschieden, dass die Zweitwohnungsteuer für eine leer stehende Wohnung nicht erhoben werden darf, wenn sie ausschließlich als Kapitalanlage und nicht auch für eigene Wohnzwecke bzw. als Wohnung für Angehörige vorgehalten wird.
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Jobcenter muss aufgelaufene Stromschulden unter Umständen zahlen

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Das Landessozialgericht NRW (L 2 AS 313/13 B ER) hat im einstweiligen Rechtsschutz entschieden, dass einem Bedürftigen aufgelaufene Stromschulden zu zahlen sind. Freilich nicht als Schenkung, sondern als Darlehen, dass dieser wiederum dann abzahlen muss. Dabei kommt es aber auf die Umstände an und ist stark vom Einzelfall abhängig. Die entscheidende Argumentation dazu:

Nach § 22 Abs. 8 SGB II können, sofern Leistungen für Unterkunft und Heizung erbracht werden, auch Schulden übernommen werden, soweit dies zur Sicherung der Unterkunft oder Behebung einer vergleichbaren Notlage gerechtfertigt ist. Sie sollen übernommen werden, wenn dies gerechtfertigt und notwendig ist und sonst Wohnungslosigkeit einzutreten droht. Geldleistungen sollen als Darlehen erbracht werden (§ 22 Abs. 8 S. 4 SGB II). Nach den Gesetzesmaterialien zum inhaltsgleichen Abs. 5 des § 22 SGB II a.F. sind Schulden, die übernommen werden können, auch Energieschulden (vgl. BT-Drs 16/688, 14). Dem systematischen Zusammenhang nach handelt es sich um Schulden, die Kosten der Unterkunft und/oder Heizung (KdU) betreffen, somit lediglich um Energierückstände von Heizung und Warmwasserversorgung. Wegen der vergleichbaren Notlage bei Energierückständen für sonstigen Haushaltsstrom, der nicht zu den KdU, sondern zur Regelleistung zählt (§ 20 Abs. 1 S. 1 SGB II) gehen Rechtsprechung und Literatur davon aus, dass auch solche Schulden im Rahmen von § 20 Abs. 8 SGB II übernommen werden können (vgl. z.B. LSG NRW Beschluss vom 18.07.2012 – L 7 AS 1256/12 B ER; Beschluss vom 15.06.2012 – L 19 AS 728/12 B ER; LSG Sachsen-Anhalt Beschluss vom 13.03.2012 – L 2 AS 477/11 B ER; LSG Schleswig-Holstein Beschluss vom 13.01.2012 – L 3 AS 233/11 B ER; LSG Mecklenburg-Vorpommern Beschluss vom 29.09.2011 – L 8 B 509/09 ER; Berlit in LPK-SGB II, 4. Aufl. 2011 § 22 Rn 193 m. w. N.; Boerner in Löns/Herold-Tews, 3. Aufl. 2011 § 22 Rn 125 m. w. N.). […]

Die Sperrung der Energieversorgung ist eine Notlage, die die Bewohnbarkeit der Wohnung mit Mietschulden vergleichbar beeinträchtigt und die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Sicherung der Unterkunft i.S.v. § 22 Abs. 8 S. 1 SGB II indiziert. Ist die Sperrung nicht nur angekündigt, sondern bereits durchgeführt, entspricht dies drohender Wohnungslosigkeit i.S.v. § 22 Abs. 8 S. 2 SGB II.

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