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Intermezzo: Was ein Lehrbuch lehrt…

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Ich bin endlich dazu gekommen, eine Schrift zu lesen, die schon lange auf meinem Stapel lag: „Was ein Lehrbuch lehrt…“ von Dirk Fabricius. Seine Idee: Er untersucht ein Strafrechts-Lehrbuch (vorliegend Strafrecht AT von Jakobs). Dabei untersucht er das Buch an sich: Welche Aussagen werden getroffen, welche nicht.

Wo gibt es Selbstreflexion, wo nicht. Auf 113 Seiten sucht er systematisch nach (denk)fehlern, Darstellungsfehlern und versucht es auch so zu handhaben, dass man es auf andere Literatur übertragen kann, was nicht ganz gelingt: Auch wenn Jakobs AT von ihm nur „exemplarisch“ herangezogen wird, so finde ich das Ergebnis zwar überzeugend, aber zu speziell – die Sichtweisen von Jakobs sind zu besonders, die aufgezeigten Probleme stichhaltig und treffend, aber wer jetzt den Roxin nimmt, wird erstmal vor Probleme gestellt.

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Lesetipp: Günther Jakobs mit Norm, Person, Gesellschaft

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Nein, kein Buch für das Studium – jedenfalls nicht direkt. Ich habe meine Seminararbeit über Günther Jakobs geschrieben (und im Seminar dafür ziemlich viel Prügel bezogen). In diesem Zug bin ich über das Werk „Norm, Person, Gesellschaft“ von ihm gestolpert und möchte zumindest den fortgeschrittenen Studenten nahe legen, es zu lesen. Ich selbst habe es erst jetzt zu Ende lesen können – und werde es gleich nochmals lesen.

Mit 28 Euro ist es sicherlich nicht günstig, man kann es aber auch ausleihen. Jakobs untersucht dort die Rolle vom Individuum, das zur Person wird und wie die Gesellschaft diesen Prozess (u.a. mittels Normen) steuert. Ein sehr unbequemes Buch, mit sehr unbequemen Aussagen – die ein durchweg griffiges Bild der Gesellschaft liefern.

Ich bleibe bei meiner These, dass die Sichtweise von Jakobs (gerade weil sie offen Personalisiert!) zur Entpersonalisierung von Menschen führt; ja sogar führen muss. Das Buch „Norm Person Gesellschaft“ verneint diesen Schritt zwar ausdrücklich – ich finde aber, in den Kapiteln 8 und 9 muss man nicht grossartig zwischen den Zeilen lesen, um das wieder relativiert zu finden.

Das Buch ist, wenn auch kurz und in verständlichem Deutsch geschrieben, sehr anspruchsvoll. Vielen wird die Aussage dahinter nicht gefallen. Dennoch, und das ist die Krux bei Jakobs, behauptet er nunmal nicht einfach, sondern bietet eine überzeugende Argumentation, die unsere Realität erschreckend oft erklären kann.

Inhaltlich schreibe ich bewusst hier nichts, denn ich möchte den potentiellen Leser nicht von vornherein prägen: Lest es und bildet euch eine eigene Meinung. Ich muss gestehen, dass mir vieles von der objektivität die Jakobs bietet, sehr zuspricht – ich aber eben befürchte, dass diese „Objektivität“ (wie ich(!) sie nenne) ihren Preis fordert. Meine Annahme zur Zeit ist, dass Jakobs in den nächsten Jahren zunehmend das dogmatische Strafrecht beeinflussen wird. Dies ist mit der Grund, warum ich mich mit ihm so auseinandersetze.

Als Vorwissen ist es übrigens ganz nützlich, wenn man ein wenig Einblick in Hegel, Kant, Kelsen und Luhmann hat. Speziell Luhmann werde ich in naher Zukunft nochmals vertiefen und dazu dann auch wieder einen kleinen Tipp geben.

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