Schmerzensgeld nach Friseurbesuch wegen durch Färben verbrannter Haare

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Das Amtsgericht Rheine (14 C 391/14) hatte sich mal wieder zum Thema Schmerzensgeld nach Friseurbesuch geäußert und hier insbesondere festgestellt:

Unstreitig sind die Haare der Klägerin aufgrund der Färbung bei der Beklagten geschädigt worden. Hierfür ist die Beklagte auch gemäß §§ 276, 278 BGB verantwortlich. Die rechtswidrige Pflichtverletzung ergibt sich bereits daraus, dass die Haare der Klägerin während des Färbevorgangs bei der Beklagten „verbrannt“ sind. Rechtswidrig ist jede Verletzung eines fremden Rechts, welches nicht durch einen besonderen Rechtfertigungsgrund gedeckt ist (…)

Das Verbrennen der Haare ist auch durch ein fahrlässiges Handeln der Mitarbeiterin der Beklagten, der Zeugin L, verursacht worden. (…) Dadurch dass die Haare bereits von der Klägerin vorgefärbt waren, sich nicht in einem guten Zustand befanden sowie porös waren, war nicht auszuschließen, dass durch eine erneute Farbbehandlung der Haare diese weiter geschädigt werden. Denn durch eine Färbung der Haare wird das Haar schon alleine durch die chemischen Vorgänge in Verbindung mit der Wärme angegriffen. Dies hat auch die Zeugin L gewusst bzw. wissen müssen, da sie ausgebildete Friseurin ist. Die Zeugin L hätte daher von einer Färbung der Haare auch mittels der Painting-Methode abraten müssen bzw. zunächst mit einigen Haarspitzen einen Probedurchlauf machen müssen. Indem sie jedoch trotzdem die Painting-Methode anwendete, hat sie fahrlässig die weitere Beschädigung der Haare der Klägerin in Kauf genommen. Die Beklagte hat dieses Verschulden der Zeugin L gemäß § 278 BGB wie eigenes Verschulden zu vertreten.

Sie kann sich nicht damit entlasten, dass diese außergewöhnliche Reaktion der Haare auf das Färbemittel nur darauf zurückzuführen ist, dass sich in dem Haar der Klägerin metallhaltige Farbe befunden hat, wodurch das Verbrennen der Haare erst möglich gemacht wurde. Denn diese Vermutung hat sie nicht zu beweisen vermocht. (…)
Der Klägerin steht somit ein Schmerzensgeld für die erlittenen Schmerzen und den Verlust ihrer langen Haare zu. Das Schmerzensgeld soll den Geschädigten in die Lage versetzen, sich Erleichterungen und Annehmlichkeiten zu verschaffen, die die erlittenen Beeinträchtigungen jedenfalls teilweise ausgleichen. Dabei soll der Umstand des Einzelfalls berücksichtigt werden.

Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes hat das Gericht insoweit berücksichtigt, dass die Zeugin L zwar fahrlässig gehandelt hat, dennoch aber auch die Schädigung der Haare mittels der Painting-Methode höchst selten ist und im Betrieb der Beklagten noch nie vorgekommen ist. Auch hat die Beklagte sofort versucht, den Schaden sofort wieder gut zu machen, indem sie ihr die Haare auf Boblänge gekürzt und stufig geschnitten hat und ihr auch etliche Pflegeprodukte angeboten hat.

Auf der anderen Seite war aber zu berücksichtigen, dass die Haare der Klägerin erheblich verbrannt waren und deswegen stark gekürzt werden mussten, wobei streitig geblieben ist, wie lang die Haare vor dem Friseurtermin tatsächlich waren. Zumindest waren die Haare vor dem Termin aber relativ lang, gingen jedenfalls bis zur Mitte des Rückens und mussten anschließend auf Boblänge gekürzt werden (…) Für die Höhe des Schmerzensgeldes war aber auch zu berücksichtigen, dass die Klägerin kein volles und gesundes Haar hatte, sondern ihr Haar bereits erheblich vorbeschädigt war.

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Widerrufsrecht bei Anwaltsvertrag?

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Eine durchaus berechtigte Frage ist, ob es bei einem Anwaltsvertrag ein Widerrufsrecht gibt. Dies wird von der bisherigen Rechtsprechung in den bekannt gewordenen Fällen aber verneint und aus meiner Sicht auch vollkommen zu Recht (dazu AG Hildesheim, 84 C 91/14; AG Offenbach, 380 C 45/13; AG Charlottenburg, 216 C 194/15). Hintergrund ist, dass es sich bei einem Anwaltsvertrag um eine regelmäßig höchstpersönliche Dienstleistung handelt, die bereits gemäß den Erwägungsgründen der Richtlinie vom Fernabsatz gar nicht umfasst sein soll, zumal es sich um eine höchstindividuelle Leistung im Einzelfall handelt. Dies könnte aber durchbrochen werden, wenn weniger die persönliche Dienstleistung als vielmehr das standardisierte Massengeschäft (analog zum automatisierten Vertrieb beim Verkauf) stattfindet; dies war wohl auch Grundlage der Entscheidung des AG Offenbach, das klar darauf hinwies, dass es im dortigen Fall um ein Massengeschäft (Anlegervertretung) und eben nicht die „klassische anwaltliche Tätigkeit mit Beratung“ ging.

Hinweis: Die Frage des Widerrufs ist im Hinblick auf das Vertragsverhältnis regelmäßig ohnehin eine mehr akademische Frage. Denn da nach dem Widerruf Wertersatz zu leisten ist und in diesem Fall der Anwalt die gesetzlich geregelten Gebühren als Wertersatz (aber nicht mehr als vertragliche Vergütung, bei der Klage also aufpassen!) fordert bleibt es das gleiche Ergebnis. Nachteilig wird es aber dann, wenn eine höhere als die gesetzliche Vergütung vereinbart wurde, hier reduziert sich dann das Entgelt auf die gesetzliche Vergütung, da der Wertersatz sich nur auf diese beziehen kann.
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Haare nicht schön geschnitten: Kein Schmerzensgeld vom Friseur

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Das Amtsgericht München (173 C 15875/11) hatte sich mit der Kundin eines Friseurs zu beschäftigen, der nach eigenem Bekunden zu viel – jedenfalls mehr als gewünscht – an ihren Haaren abgeschnitten wurde. Sie verlangte nun Schmerzensgeld, was ihr vom Gericht aber nicht zugestanden wurde.
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Haftung des Friseurs: Schmerzensgeld bei Verletzungen

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Das OLG Bremen (3 U 69/10) gestand der Kundin eines Friseurs ein Schmerzensgeld in Höhe von 4.000 Euro zu. Es ging um eine Haarglättung der Kundin, wobei wegen unfachmännischer Arbeit (u.a. wurde die verwendete Lauge nicht sorgfältig ausgespült) körperliche Verletzungen auftraten, wie etwa Hautverätzungen am Kopf, an denen sie mehrere Monate litt. Sie musste sich letztlich das Haupthaar komplett entfernen lassen und etwa ein halbes Jahr lang eine Perücke tragen. Dauerhafte Schäden sind nicht verblieben.

Während das Landgericht vorher noch auf nur 1.500 Euro Schmerzensgeld erkannte, war das OLG der Meinung, dass 4.000 Euro angesichts dieser Entwicklung passend sind. Ursprünglich gefordert waren 5.000 Euro. Ausschlaggebend war letztlich, dass auch die psychische Beeinträchtigung der Betroffenen zu berücksichtigen war.

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Schmerzensgeld bei fehlerhafter Blondierung

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Nein, es geht nicht um eine missglückte, sondern um eine äusserst schmerzhafte „Blondierung“, wie der Sachverhalt zeigt, der beim LG Arnsberg (3 S 111/10) verhandelt wurde:

Die Klägerin ließ sich am 02.10.2008 im B. Salon der Beklagten zu 1) von der Beklagten zu 2) ihre damals 10 cm langen braunen Haare blondieren. Der Beginn der Behandlung war etwa gegen 10.00 Uhr , um 12.00 Uhr war die erste Blondierungsmaßnahme abgeschlossen, die weiterführende Behandlung endete etwa um 15.30 Uhr. Beim Auswaschen des Blondierungsmittels hatte die Klägerin starke Schmerzen an der Kopfhaut, die zudem stark geschwollen war. Während der Behandlung ließ sich die Klägerin von ihrer Tochter – der Zeugin O. – aus der benachbarten Apotheke Schmerzmittel holen. Am Schluss der Behandlung brach die Klägerin in Tränen aus, die Kopfhaut blutete. Als Farbton zeigte sich statt blond orange.

Des Abends hatte die Klägerin an der Kopfhaut nach der Aussage der Zeugin O. offene Stellen.
Am nächsten Tag hatte sich nach der Aussage des erstinstanzlich vernommenen Zeugen Dr. S. die oberste Schicht der Kopfhaut abgelöst, die Kopfhaut selbst war mehrere Wochen lang feucht und borkig.
Die Klägerin suchte am 06.10.2008 ihre Hausärztin, die Zeugin Dr. I. , auf. Diese diagnostizierte eine entzündete Kopfhaut und vermutete wegen gleichzeitig geschwollener Lymphknoten eine allergische Reaktion. Zur Therapie verordnete Frau Dr. I. Cortison. Unter dem 10.10.2008 erstellte der Privatgutachter H. für die Klägerin ein schriftliches Gutachten. Nach dessen Inhalt war die Kopfhaut seinerzeit stark geschädigt und verkrustet, die Klägerin litt an Haarausfall und Haarbruch, der Privatgutachter H. ging von einem noch zwei Wochen dauernden Heilungsprozess aus.
Die Klägerin trug bis April 2009 eine Perücke.

Das Gericht erkannte auf 3.000 Euro Schmerzensgeld:

Unter Berücksichtigung der maßgeblichen Umstände, nämlich der schwerwiegenden und schmerzhaften Verletzung der Kopfhaut mit dem dreiwöchigen nicht einfachen Heilungsprozess, dem Zwang die zuvor 10 cm langen Haare auf 6 mm kürzen zu lassen und dem Tragen einer Perücke über mehr als ein halbes Jahr, ist zur Abgeltung der erlittenen Beeinträchtigungen ein Schmerzensgeld von insgesamt etwa 3.000,00 € angemessen (§ 253 Abs. 2 BGB). Eine derartige Höhe ist insbesondere deswegen sachgerecht, weil die Klägerin beim Kontakt mit anderen Personen, sei es beruflich oder privat, über ein halbes Jahr lang erhebliche psychische Beeinträchtigungen hat hinnehmen müssen. Diese sind gerichtsbekannt immer mit der Notwendigkeit verbunden, anstelle des zuvor vorhandenen eigenen Naturhaares nunmehr eine Perücke tragen zu müssen.

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Haftung des Friseurs: Zur Haftung nach fehlerhafter Blondierung

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Eine Kundin, die durch eine fehlerhafte Blondierung am Hinterkopf eine Verätzung und in deren Folge eine 5 x 5 cm große kahle Stelle erlitten hatte, wollte von der Friseurin und deren Chefin 20.000 € Schmerzensgeld. Die Versicherung der Beklagten hatte vorgerichtlich bereits 1.000 € bezahlt. Die Beklagten meinten, insgesamt 5.000 € Schmerzensgeld seien ausreichend.

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