Geschäftsgeheimnisse: Richtlinie zum Geheimnisschutz verabschiedet (Know-How-Richtlinie)

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Es ist nunmehr soweit: Nach langer Vorbereitung wurde die so genannte Know-How-Richtlinie vom EU-Parlament verabschiedet, wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist:

Am Donnerstag hat das Parlament eine neue Richtlinie angenommen, mit der Unternehmen durch die Bereitstellung von Rechtsbehelfen im Falle von Diebstählen oder dem Missbrauch von Geschäftsgeheimnissen unterstützt werden sollen. Die Abgeordneten konnten in den Verhandlungen mit dem Rat einen besseren Schutz für Journalisten und Whistleblower durchsetzen.

Die Richtlinie wird mitunter durchaus kritisch zu sehen, kann aber insgesamt durchaus begrüsst werden, zumindest als erster richtiger Ansatzpunkt.

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Verordnung über die Online-Beilegung verbraucherrechtlicher Streitigkeiten

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Bereits am 18.06.2013 wurde die VERORDNUNG (EU) Nr. 524/2013 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 21. Mai 2013 über die Online-Beilegung verbraucherrechtlicher Streitigkeiten bekannt gemacht, gemäß Artikel 22 tritt sie allerdings erst zum 9. Januar 2016 in Kraft.

Ziel der Verordnung ist – in aller Kürze – dass eine Online-Plattform zur aussergerichtlichen Einigung geschaffen wird, über die Verbraucher versuchen können, Streitigkeiten mit Händlern ohne Gerichtsverfahren zu klären.

Update: Der aufzunehmende Link ist bekannt geworden – Händler müssen die hier betroffene Informationspflicht ab dem 9.1.2016 also beachten!

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EUGH: Safe Harbor Abkommen ist unwirksam

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Mit dem „Safe Harbor Abkommen“ (Dazu hier bei uns) soll eine Datenübermittlung in die USA aus dem europäischen Raum ermöglicht werden. Nachdem der Generalanwalt bereits geäußert hatte, dass er Zweifel an der Wirksamkeit des Abkommens hat, hat am 06.10.2015 dann – sehr zeitnah nach dem Antrag des Generalanwalt – der EUGH entschieden, dass das Safe Harbor Abkommen unwirksam ist. Dies hat durchaus einige beachtliche Konsequenzen.
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Reiserecht: Anwendbares Recht und gerichtliche Zuständigkeit bei Vermietung von Ferienhäusern

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Immer wieder spannend ist für mich, festzustellen, wie schwierig sich im vereinten Europa ausländischer Anbieter bei Reiseleistungen verhalten. Wenn etwa ein Ferienhaus in den Niederlanden gebucht wird, werde ich gerne einmal auf niederländisches Recht verwiesen, das angeblich zur Anwendung gelangt. Die Anbieter reagieren dann verwundert, wenn sie feststellen, dass die Klage bei einem deutschen Gericht gar nicht wegen Unzuständigkeit abgewiesen wird. Denn tatsächlich: Verbraucher, die innerhalb der EU ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung mieten können davon ausgehen, im Streitfall beim heimischen Gericht klagen zu können und sich auf das jeweilige Landesrecht berufen zu können. Für das niederländische Ferienhaus gilt daher auch: Es kommt deutsches Recht zur Anwendung – und der Verbraucher kann sich an ein deutsches Gericht wenden. Ein kurzer Überblick.
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Glücksspiel im Internet: Strafbarkeit bei Black-Jack

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Beim Amtsgericht München (1115 Cs 254 Js 176411/13) ging es um die Strafbarkeit eines Spielers im Internet, der bei einem Angebot das ohne behördliche Zulassung bereit gehalten wurde Black Jack gespielt hatte. Hierbei hatte er nicht unerhebliche Gewinne erzielt, die letztlich allerdings nicht bei ihm verblieben. Die Entscheidung ist rechtlich im Ergebnis korrekt, die Ausführungen des Strafrichters sind teilweise allerdings an der Grenze zum Lebensfremden.
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Führerschein: EU-Fahrerlaubnis nur bei Aufenthalt bei Erwerb der Erlaubnis

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Kann ein deutscher Staatsbürger nach einer Verkehrskontrolle, bei der festgestellt wurde, dass er im Besitz einer im EU-Ausland ausgestellten Fahrerlaubnis ist, nicht genügend belegen, dass er in dem Ausstellerstaat einen Wohnsitz über einen ausreichend langen Zeitraum begründet hatte, kann die deutsche Behörde zu Recht feststellen, dass der Inhaber der ausländischen Fahrerlaubnis nicht berechtigt ist, im Bundesgebiet ein Kraftfahrzeug zu führen. Das hat das Verwaltungsgericht Neustadt a.d. Weinstraße (3 L 767/14.NW) mit Beschluss vom 10. September 2014 in einem Eilverfahren entschieden.
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CISG: Ausschluss des UN-Kaufrechts (in AGB) – sinnvoll oder nicht?

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Inzwischen scheint es eine Art stillschweigender Konsens zu sein: In seinen AGB schliesst man pauschal die Anwendung von UN-Kaufrecht aus. Wenn ich in der täglichen Beratung nachfrage, warum man dies bisher getan hat, ist dann festzustellen, dass es „einfach so ist“ – eine Begründung, oder überhaupt Kenntnis des CISG, treffe ich dabei faktisch nie an. Dabei ist es nicht einmal klug.
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Gebrauchte Software und Computerspiele: Verkauf gebrauchter Spiele ist zulässig

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Es wird darauf hingewiesen, dass Sony angeblich den Weiterverkauf gebrauchter Playstation-Spiele untersagen möchte. Erstaunlich ist, dass Software-Anbieter weiterhin derartige Klauseln einsetzen, obwohl sie inzwischen wohl umfassend rechtswidrig und damit unwirksam sein werden. Um es kurz zu machen: Ein blindes Untersagen des Verkaufs von Software funktioniert innerhalb der EU nicht. Wer Computerspiele oder Konsolenspiele gekauft hat, darf diese weiterverkaufen, anderslautende AGB von Anbietern sind unschädlich.
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IT-Strafrecht: Für eine Anklage reicht eine blinde Vermutung

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Bemerkenswert war eine Angelegenheit, mit der ich mich erst kürzlich beschäftigen durfte: Der Mandant wurde beschuldigt, fremde Login-Daten abgegriffen zu haben. Der Anzeigenerstatter hatte meinen Mandanten bei der Anzeige direkt namentlich benannt – aber nicht weil er konkrete Anhaltspunkte hatte. In einem Internetforum wurden vielmehr Angriffe diskutiert und hierbei immer wieder auf meinen Mandanten verwiesen. Dies hatte der Anzeigenerstatter dann auch bei der Anzeige genannt, als er sinngemäß meinte „Der …. war es, im Forum weiss das jeder“.

Die darauf hin laufenden Ermittlungen führten ins Leere: Alle möglichen IP-Adressen wurden aufzulösen versucht, darunter mehrmals auch vollkommen unsinnig. Letztlich führte die Spur zu einem Server im osteuropäischen Ausland, ohne das weiter zugeordnet werden konnte, wer dahinter steht. Die Staatsanwaltschaft erhob nun Anklage, ohne dabei etwas Brauchbares gefunden zu haben.

Verurteilt wurde der Mandant letztlich natürlich nicht. Nachdem ich eine kurze Erklärung verlesen hatte, war die Sache beendet. Das erschreckende an der Sache ist, wie verfrüht hier eine Anklage in Erwägung gezogen wurde. Diese Tendenz bemerke ich insgesamt im IT-Strafrecht:

  1. Bei der Beweiswürdigung werden immer noch Fehler gemacht, etwa das der Beweiswert von IP-Adressen (ohne Zuordnung) überschätzt wird oder schlicht etwas hinein interpretiert wird. Auch muss ich feststellen, das bereits das Lesen von Server-Logfiles Probleme macht, etwa wenn Statuscodes verstanden werden müssen.
  2. Im materiell-rechtlichen Bereich dagegen fehlt es nicht selten an Differenzierung. Das in Deutschland existierende Datenstrafrecht (das ernsthaft wegweisend für ganz Europa ist!) leidet an mangelnder höchstrichterlicher Rechtsprechung, was in der Praxis dazu zu verleiten scheint, dass man ein wenig oberflächlich mit den Tatbestandsmerkmalen umgeht. Was letztlich zu mitunter schwer vertretbaren Ergebnissen führt.
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Betäubungsmittelstrafrecht: 2 Jahre mit Bewährung beim Landgericht Aachen wegen Einfuhr von 2,5kg Haschisch

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Die Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge wird entsprechend §30 BtmG mit einer Strafe nicht unter zwei Jahren bedroht. Da es eine Bewährung allerdings bis zu einer maximalen Strafe von 2 Jahren gibt, wird es eng, wenn jemand bereits zwei Mal in nicht geringer Menge Betäubungsmittel einführte.

Der einzige Ausweg ist dann häufig die Annahme eines minder schweren Falles, mit dem die Mindeststrafe von 2 Jahren auf 3 Monate sinkt (§30 II BtmG). Allerdings gibt es diesen minder schweren Fall nicht gerade geschenkt, in einem aktuellen Fall habe ich es nur durch die Berufung geschafft, dass der Mandant die JVA nicht von innen sehen musste.
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EU-Strafrecht – Festnahme im Ausland: Welche Rechte stehen zur Verfügung?

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Es ist heutzutage im „offenen Europa“ gar nicht so ungewöhnlich, dass jemand entweder im europäischen Ausland Festgenommen wird oder gar eine ausländische Anklage zugestellt erhält. Wichtig ist zu wissen, dass es durch internationale Regeln einen gewissen Mindeststandard gibt, der die Rechte Betroffener sichert bzw sichern soll. Im Folgenen die wichtigsten internationalen Regeln, in erster Linie für Europa, der „Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ (IPBPR) gilt nahezu Weltweit. Beachten Sie, dass die Staaten Zeit bis zum 2. Juni 2014 haben, die Vorgaben der Richtlinie 2012/13/EU umzusetzen, die teilweise erhebliche Rechte ausdrücklich deklariert (aber letztlich hinsichtlich der Verfahrensrecht kaum etwas, was nicht im Zuge von Art. 6 EMRK schon anerkannt war).

Das Wichtigste im Überblick:

  • Es gibt keine Strafhaft alleine weil zivilrechtlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen wird (IPBPR, Artikel 11)
  • Sie können bei jedem staatlichen Akt, der in Ihre Rechte eingreift, ein Gericht anrufen (EU-Grundrechtecharta, Artikel 47; IPBPR Artikel 17)
  • Es darf keine willkürlichen Festnahmen geben (IPBPR, Artikel 9 I)
  • Bei einer Festnahme haben die Mitgliedsstaaten dafür Sorge zu tragen, dass Sie umfassend in Ihrer Sprache belehrt werden hinsichtlich Ihrer Rechte, insbesondere zum Recht zu Schweigen, dies hat auch schriftlich zu geschehen (Richtlinie 2012/13/EU, Artikel 3)
  • Bereits bei der Festnahme sind Sie so umfassend über den Tatvorwurf zu unterrichten, dass eine Verteidigung gewährleistet ist (bisher ergab sich dies aus Art.6 EMRK, nunmehr ausdrücklich in Richtlinie 2012/13/EU, Artikel 6 I,II), jedenfalls sind Sie über die Gründe der Festnahme zu unterrichten (IPBPR, Artikel 9 II)
  • Festgenommene sind unverzüglich einem Richter vorzuführen (IPBPR, Artikel 9 III)
  • Folter ist unzulässig (IPBPR, Artikel 7)
  • Sie können nur bestraft werden, wenn zum Zeitpunkt der Tat ein Gesetz existiert hat, dass die Tat unter Strafe stellte (EU-Grundrechtecharta, Artikel 49 I; IPBPR Artikel 15)
  • Sie können innerhalb der EU wegen der gleichen Tat nicht zwei Mal bestraft werden (EU-Grundrechtecharta, Artikel 50). Hinweis: Die Rechtsprechung hierzu ist kompliziert! Die Regel darf nur als Faustregel verstanden werden. Allerdings innerhalb des gleichen Staates dürfen sie wegen der gleichen tat nur einmal bestraft werden (IPBPR, Artikel 14 VII)
  • Sie haben ein Anrecht auf ein faires Verfahren (Art. 6 I EMRK; EU-Grundrechtecharta, Artikel 48 II). Gerichte müssen unabhängig, unparteiisch und durch Gesetz eingerichtet sein (EU-Grundrechtecharta, Artikel 47; IPBPR Artikel 14).
  • Verhandlungen müssen grundsätzlich öffentlich sein (Art. 6 I EMRK)
  • >Es gilt der Beschleunigungsgrundsatz in Strafsachen, das Verfahren darf nicht verzögert werden (Art.6 I EMRK; IPBPR Artikel 14 III c)
  • Es gilt die Unschuldsvermutung (Art.6 II EMRK; EU-Grundrechtecharta, Artikel 48 I; IPBPR, Artikel 14 II)
  • Sie müssen sich nicht selbst belasten (ergibt sich aus Art.6 EMRK; ausdrücklich EU-Strafrecht – Festnahme im Ausland: Welche Rechte stehen zur Verfügung? IPBPR Artikel 14 III g)
  • Zur Verteidigung muss ausreichend Zeit eingeräumt werden (Art.6 III b EMRK; IPBPR Artikel 14 III b)
  • Man kann sich wahlweise selbst verteidigen oder durch einen Rechtsanwalt (Art.6 III c EMRK; EU-Grundrechtecharta, Artikel 47; IPBPR Artikel 14 III b)
  • Wenn man sich in Strafverfahren keinen Anwalt leisten kann, muss einer gestellt werden (Art.6 III c EMRK; IPBPR Artikel 14 III d); Im Zivilverfahren muss Prozesskostenhilfe möglich sein (EU-Grundrechtecharta, Artikel 47)
  • Man kann Zeugen benennen und selber Zeugen befragen (Art.6 III d EMRK; IPBPR Artikel 14 III e)
  • Die Anklage muss Übersetzt werden (Art.6 III a EMRK; IPBPR Artikel 14 III a), es gibt Mindestanforderungen an die Anklage (Richtlinie 2012/13/EU, IPBPR Artikel 6 IV) und es muss ein Dolmetscher unentgeltlich gestellt werden (Art.6 III e EMRK; IPBPR Artikel 14 III f)
  • Sie oder Ihr Anwalt haben ein Recht auf Akteneinsicht und in alle Beweismittel (ergibt sich aus Art.6 EMRK, nunmehr ausdrücklich aus Richtlinie 2012/13/EU, IPBPR Artikel 7 I), die Einsicht ist unentgeltlich (Richtlinie 2012/13/EU, IPBPR Artikel 7 V)
  • Strafmaß und Tat müssen zueinander Verhältnismäßig sein (EU-Grundrechtecharta, Artikel 49 III). Hinweis: Darauf achten, dass in Deutschland Schuld und Strafe aufeinander abgestimmt werden, während die EU-Charta nur auf die Tat abstellt!
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Branchenbuch BVD: Spanisches Recht anwendbar?

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Das „Branchenverzeichnis Deutschland“, kurz „BVD“ wird interessanter Weise betrieben von „Portal Empresarial S.L.“ mit Sitz in Spanien. Und wer das Formular unterschreibt, der hat in dem Kleingedruckten am Ende des Formulars u.a. unterschrieben „daß der Sitz des Verlages Gerichtsstand und Erfüllungsort ist“. Im der Diskussion mit den BVD-Betreibern wird nun darauf hingewiesen, dass spanisches Recht anwendbar ist und somit sämtliche Ausführungen zur deutschen Rechtsprechung obsolet sind. Klar, naheliegend – aber ist das wirklich so? Ganz kurz von mir dazu:

  1. Anwendbar ist hier in jedem Fall die so genannte Rom-I-Verordnung, zu finden hier.
  2. Oben zitierter Satz könnte im weitesten Sinne versucht werden, als Rechtswahlklausel verstanden zu werden – was es aber schon dem Wortlaut nach nicht ist. Selbst wenn man es so sieht, wäre Art.3 III RomI anwendbar, wonach unabdingbares nationales Recht des Vertragspartners weiterhin Anwendung findet. Es verbleibt also zu wesentlichen Teilen in diesem Fall bei deutschem Recht.
  3. Wer jedoch meint, es ist gerade keine Rechtswahl getroffen worden, der wird nach Art. 4 I b RomI zum Ergebnis kommen, dass spanisches Recht anwendung findet, da Spanien Sitz des „Dienstleisters“  ist (Dienstleister ist nicht im Sinne deutschen Rechts eng auszulegen, nach deutschem Recht wäre es ja ein Werkvertrag). Allerdings wäre hier Art. 4 III RomI einschlägig, da offenkundig der einzige Berührungspunkt mit Spanien der Sitz des Dienstleisters ist.
  4. Selbst wer das bis hierhin ablehnen möchte, muss die Hintertüre in der Rom I Verordnung kennen: Artikel 10 Absatz 2 RomI sieht im Fall von Willensmängeln das Recht des Staates als anwendbar an, in dem die Partei sitzt, die sich auf den Willensmangel beruft.
  5. Und zu guter Letzt: Wer Angst vor der Fremdheit hat, verliert! Schon dem Laien muss klar sein, dass im westlichen Europa die vertraglichen Regelungen gut aneinander angenähert sind. Wer sich vom Verweis auf spanisches Recht einschüchtern lässt, hat nur Angst, weil er das Recht nicht kennt. Es ist kurz festzuhalten, dass (natürlich!) auch in Spanien die Verwendung von AGB reglementiert ist, man findet dies im „Ley de Condiciones generales de la Contratación“ (hier zu finden). Dabei ist entsprechend deutschem Recht einmal Sorge zu tragen, dass von den AGB überhaupt Kenntnis erlangt werden konnte (Artikel 7). Weiterhin sind „undurchsichtige“ AGB unwirksam (Artikel 8). Die Auslegung vertraglicher Regelungen im allgemeinen spanischen Zivilrecht ist dabei vergleichbar mit deutschem Vertragsrecht. Ich habe insofern erhebliche Zweifel, ob das spanische Recht dem hier handelnden Verlag so viel nützlicher ist als das deutsche Recht.
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Domainrecht: .eu-Domains nicht für Unternehmen ausserhalb der EU

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Die zweite Kammer des EUGH (C‑376/11) hat sich in einer heute verkündeten Entscheidung mit dem Recht beschäftigt, eine .eu-Domain zu erhalten. Meines Erachtens verfehlt wäre es, diese Entscheidung auf die Aussage zu reduzieren, dass nur Unternehmen (und Privatpersonen) innerhalb der EU eine .eu-Domain registrieren können.

Das hat der EUGH so schon nicht entschieden, weil er diese Frage gar nicht entscheiden musste – vielmehr ging es um die Frage, wie restriktiv die Vorgaben zur Vergabe von .eu-Domains zu handhaben sind. Und der EUGH hat an dieser Stelle eine klare Linie gezogen: Ein Umgehen des Grundsatzes der Vergabe nur an Personen mit Sitz in der EU – seien sie nun juristische oder natürliche Personen – wird faktisch kaum möglich sein.
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