Vorladung zur Polizei: Was tun?

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Wenn Sie eine Vorladung der Polizei erhalten haben: Seien Sie Vorsichtig! Der Vorladung können Sie entnehmen, ob Sie als „Beschuldigter“ oder „Zeuge“ vorgeladen wurden. Die Konsequenz ist in beiden Fällen schon unterschiedlich: Auch wenn es „Vorladung“ heisst, ist es für den Beschuldigten dennoch nur eine „Einladung“! Sie müssen dem als Beschuldigter – anders als Zeuge – nicht Folge leisten.

Hinweis: Wundern Sie sich nicht! Es war bis zum September 2017 über Jahrzehnte hinweg so, dass man auch als Zeuge nicht bei der Polizei erscheinen musste. Das hat der Gesetzgeber aber bewusst geändert, Sie müssen daher als Zeuge (nicht Beschuldigter!) zur Polizei, sonst riskieren Sie ein Zwangsgeld.

Auch bei uns:

Vorladung zur Polizei: Seien Sie nicht naiv

Gleichwohl sollten Sie sich von naiven Gedanken lösen, dass Sie nichts gemacht haben und Ihnen somit nichts droht: Das böse Erwachen kommt regelmäßig mitten in der Vernehmung, wenn plötzlich nach eigenen Tatbeiträgen gefragt wird, während man nur berichten wollte, was andere getan hatten.

Empfehlungen für Betroffene bei einer Vorladung zur Polizei

Nach meiner Erfahrung als Strafverteidiger kann es gerade für Unschuldige, die in Ermittlungsverfahren beschuldigt werden, nur zwei Regeln geben:

  1. Sagen Sie nichts!
  2. Nehmen Sie sich einen Anwalt.

Dies nicht obwohl, sondern gerade weil Sie Unschuldig sind – unser System hat eine enorme Belastungstendenz, die von Laien immer wieder unterschätzt wird.

Vorladung als Zeuge

Auch wenn man „nur“ als Zeuge vorgeladen ist: Auf den ersten Blick ergeben sich keine Gründe, hier nicht zur Polizei zu gehen, die ohnehin zur wirkungsvollen Arbeit auf Zeugen angewiesen ist. Gleichwohl ist es keine Seltenheit, dass man erst Zeuge und dann später – auf Grund der eigenen Aussage – Beschuldigter wird.

Informationsdefizit

Das Problem ist dabei immer das Gleiche: Sie wissen nicht worum es geht. Zwar wird Ihnen in der Vorladung normalerweise geschildert, worum es geht (Ort, Datum und ggfs. Tatvorwurf) – Sie wissen aber nicht, was bereits ermittelt wurde und andere ausgesagt hatten. Und in welchem Licht Ihre Aussage am Ende da steht. Wenn Sie Beschuldigter sind, erhält Ihr Anwalt Akteneinsicht – und kann diese Frage beantworten, bevor etwas schief läuft. Bei Zeugen besteht diese Möglichkeit zwar nicht grundsätzlich, doch auch hier kann eine Beratung helfen. Bevor etwa darüber nachgedacht wird, ob Sie den Täter angestiftet haben – oder dem Opfer strafrechtlich relevant nicht geholfen haben. Die Bewertung im Gerichtssaal weicht hier mitunter von der laienhaften rechtlichen Empfindung der Betroffenen erheblich ab.

Richtig reagieren bei der Polizei

Selbst wenn Sie auf diese Ratschläge nicht hören (wollen) und mitten in der Vernehmung merken, dass da „etwas in die falsche Richtung läuft“: Sie können die Vernehmung jederzeit abbrechen und darum bitten mit einem Anwalt zu sprechen. Nutzen Sie diese Möglichkeit.

Kritisch wird es, wenn Sie als Zeuge vorgeladen wurden und während der Vernehmung plötzlich  förmlich belehrt werden, dass Sie nun als Beschuldigter in Betracht kommen. Hier haben Sie durch Ihre Aussage dafür selbst Sorge getragen, dass die ganze Nummer zu Ihren Lasten geht – brechen Sie jetzt ab! Sie können es ab sofort nur noch schlimmer machen. Suchen Sie einen Strafverteidiger, der Ihnen dann erklärt was geschehen ist und mit dem Sie dann eine geeignete Taktik für die Zukunft suchen.

Muss man bei der Polizei die Wahrheit sagen?

Bei der Frage, ob Sie die Wahrheit sagen müssen, ist zu Unterscheiden: Als Zeuge werden Sie grundsätzlich die Wahrheit sagen müssen. Als Beschuldigter dagegen müssen Sie sich nicht selbst belasten und dürfen sogar zu Ihren Gunsten lügen, sei es bei der Polizei oder gar vor Gericht. Aber Sie dürfen dennoch keinen anderen fälschlich belasten oder Strafanzeigen vortäuschen die nicht stattgefunden haben (dazu mehr hier bei uns). Da Sie durch Lügen in jedem Fall Widersprüche erzeugen, wird es ratsamer sein, sich der beratenden Hilfe eines Profis zu bedienen, statt selber im Nebel zu stochern.

Auch müssen Sie sehen, dass in rechtlicher Hinsicht zu unterscheiden ist – wenn Sie etwa gegenüber der Polizei zwar ohne Belehrung aber auch ohne Aufforderung (spontan) etwas äußern, darf dies später in einem Prozess gegen Sie verwendet werden. Man nennt dies „Spontanäußerung“ und es ist leider ein typisches Problem, dass Betroffene in einer stressigen Situation gegenüber Polizisten „losplappern“. Versuchen Sie trotz der beunruhigenden stressigen Situation erst einmal ruhig zu bleiben und den Mund zu halten.

Fazit: Vorladung zur Polizei

Im Ergebnis merken Sie, dass Sie nicht wirklich viel tun können. Wohl aber können Sie eines tun: Viele Fehler begehen. Finden Sie sich damit ab, dass Sie einerseits keine Erfahrung haben im Umgang mit Ermittlungsbehörden und somit ahnungslos sind. Das bedeutet, dass jedes „herumprobieren“ an Ihrer Stelle zu Problemen führen kann und wird. Jedenfalls als Beschuldigter suchen Sie sich einen Anwalt, auch wenn der Geld kostet.

Rechtsanwalt Jens Ferner

Rechtsanwalt Jens Ferner

Fachanwalt für IT-Recht bei Anwaltskanzlei Ferner
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