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Beeindruckend: Strafprozessrecht von Kühne

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Auch der C.F.Müller-Verlag bietet Lehrbücher in einer eigenen Reihe an, die – zumindest nach meinem Empfinden – ein gewisses Schattendasein fristen. Wenn dem so ist, dann ist das vollkommen unberechtigt – neben der „Schwäche“ aller Lehrbücher, dem enormen Umfang, ist die C.F.Müller Reihe zur Zeit für mich sehr angenehm zu lesen. Das vorliegende Buch von Kühne ist dazu noch ein echter Fundus, wobei ich nicht das Strafprozessrecht schlechthin im Auge habe.

Zu der Lehrbuchreihe muss ich feststellen, dass sie sehr angenehm zu lesen ist: Das Schriftbild ist entgegenkommend, zumal man sich den Luxus gönnt, einen etwas mehr als einfachen Zeilenabstand zu nutzen. Das Layout ist insgesamt optisch sehr ansprechend, insbesondere die klare Strukturierung mit eingängigen Formaten für Kapitel- und Subkapitelüberschriften bietet ein durchweg klares Schriftbild.

Inhaltlich gibt es erst einmal nicht viel anzumerken: Das Buch ist umfassend und bietet 800 Seiten ausformulierte Fakten rund um die Strafprozessordnung. Vermissen wird der Leser hier nichts, so dass ich mir weitere Ausführungen zu den Themen des Buches spare. Die sehr systematische Gliederung und die mehr als großzügig verwendeten Kapitel-Einteilungen ermöglichen zudem vollkommen problemlos, sich gezielt mit einem Griff den Abschnitt mit den Informationen rauszusuchen, den man gerade benötigt.

Überraschend und eine Bemerkung wert fand ich dabei, dass an wichtigen Punkten auch Muster-Vorlagen eingebaut sind, z.B. eine Klageschrift oder Vorlagen für verschiedene Verfügungen. Das ist aber nicht das einzige, was das Buch hervorhebt.

Bis hierhin ist es ein grundsolides Lehrbuch, mit dem netten Gimmick der Muster-Texte. Doch Kühne hat etwas gemacht, was das Buch zum Fundstück werden lässt, zu einer genialen Bereicherung des studentischen Alltags – jedenfalls für die Studenten, die sich international für das Thema Strafrecht/Strafverfahrensrecht begeistern.

Zum einen findet sich das „europäische Strafverfahrensrecht“ (EMRK, Grundrechtecharta, EU-Haftbefehl), das das Buch schon insgesamt aufwertet. Leider leidet dieser Teil daran, dass das Werk im November/Dezember 2009 fertig gestellt wurde und der Autor nicht die Wirksamkeit des EUV/A-EUV bereits voraus gesetzt hat. So liest man dann z.B. bei Rn. 60 a.E.

Mit Inkrafttreten der Europäischen Grundrechte Charta wird das in Art. 50 geregelte Verbot […] für alle Mitgliedstaaten einheitlich bestimmt sein.

Im Mai 2010 ist dieser Satz schwierig und suggeriert, dass das Buch (inhaltlich) älter zu sein scheint, als es eigentlich ist. An diesem kleinen Punkt hätte ich mir gewünscht, dass der Autor mit der entsprechenden Weitsicht (und dem Mut) schlicht beim Verfassen davon ausgeht, dass der Vertrag von Lissabon in Kraft getreten sein wird, wenn das Buch auf den Markt kommt.

Dass europäisches Recht Beachtung findet, ist aber sicherlich nicht der Teil, der mich so begeistert hat. Das, was das Buch so hervorhebt ist das 7.Kapitel mit dem Titel „Einführung in die Strafverfahrenssysteme europäischer Nachbarstaaten“. Hier werden auf etwas über 200 Seiten die Strafverfahrenssysteme der folgenden Länder vorgestellt:

  • England und Wales
  • Frankreich
  • Italien
  • Österreich
  • Spanien
  • Niederlande
  • Entwurf des Corpus Iuris

Für diejenigen, die sich mit dem ausländischen (materiellen) Strafrecht beschäftigen, bietet sich hier ein umfassendes Paket an, um das gelernte materielle Wissen durch das dazu passende prozessuale Wissen abzurunden. Natürlich nur als Einstieg, aber nirgendwo sonst bekommt man eine derart gebündelte und gepackte aktuelle Zusammenstellung des ausländischen Strafverfahrensrechts.

An dieser Stelle kann man Kritik üben, denn ein Teil fehlte mir dann, der hier schlicht dazu gehört: Der internationale Strafgerichtshof, der zwar thematisch angesprochen wird, aber prozessual zu kurz kommt. Hier hätte man durchaus ein eigenes Kapitel investieren können – und sollen. Das kann aber, angesichts dieser herausragenden Zusammenstellung, letztklich nur eine Anregung für zukünftige Auflagen und keine durchgreifende Kritik sein.

Die Jurakopf-Einschätzung

Ein sehr gut zu lesendes Lehrbuch – das auf Grund des Preises, aber auch der eher geringen Bedeutung des Strafprozessrechts im Jura-Studium, Studenten kaum zum Kauf animieren wird.Wer, aus welchen Gründen auch immer, ein Lehrbuch zum Strafprozessrecht sucht, muss das Werk einfach in die Hand nehmen – das absolute Highlight ist die internationale Ausrichtung, die für die Praxis zunehmend eine Rolle spielen wird. Am internationelen Straf(prozessrecht) interessierte Studenten werden an diesem Lehrbuch jedenfalls nicht vorbeikommen und hineinsehen müssen. Und: Es lohnt sich.

Daten zum Buch

Hans-Heiner Kühne
Strafprozessrecht
C.F.Müller, Lehr- und Handbuch
ISBN 9783811496194
Preis: 109,95 Euro

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