Schack: BGB AT

Bücher zum BGB AT gibt es (fast) wie Sand am Meer. Dabei schätzt man sie gerne falsch ein in ihrer Bedeutung: Fachlich behandeln sie das Gebiet, das man wirklich rundum im Zivilrecht beherrschen muss, werbetechnisch sind sie das erste Buch mit dem ein Student den Einstieg in das Fachgebiet wagt, das im Regelfall im Examen den Schwerpunkt ausmacht. Der Verlag der hier glänzt, gewinnt einen Vertrauensbonus, der sich bei der nächsten “Shopping-Tour” auszahlen wird – ein Patzer dagegen kann empfindlich potentielle Kunden kosten.

Das Buch von Schack ist erstmal angenehm, denn es ist dünn. Also hat er sich entweder auf das Wesentliche konzentriert oder es verpasst. Ausserdem macht es Schack für mich in der Rezension einfach, denn er gibt den Anspruch an sich selbst schon vor, wie man im Vorwort zur 6. Auflage nachlesen kann:

Darüber ob der Autor seinen eigenen Ansprüchen gerecht geworden ist, mögen die Leser urteilen.

Er bezieht sich auf die Ausführungen in Kapitel 22 (Methodik der Fallbearbeitung), wo er besonders hervorhebt:

  1. Verständliche Sprache
  2. Knappe Darstellung
  3. Übersichtliche Gliederung

Es ist kein Zufall, dass ich in meinen Rezensionen so gerne etwas zum Schriftbild und der Sprache eines Buches schreibe, auch wenn man es in anderen Rezensionen gerne vermisst: Auch wenn der Inhalt noch so gut ist, eine unverständliche Sprache oder ein anstrengendes Schriftbild werden dem Leser das Erarbeiten der Inhalte erschweren.

Bei Schack gibt es hier nichts zu Mäkeln: Er schreibt deutlich, klar, verständlich und nutzt gerne & oft den Absatz um den Leser mit Text nicht zu erschlagen. Die zahlreichen Fälle, allesamt für Anfänger sehr gut gewählt und weder zu einfach noch zu schwierig – wohl aber zunehmend anspruchsvoll – sind immer hervorgehoben, so dass man problemlos im Lesefluss bleiben kann.

Den ersten Anspruch an sich selbst (verständliche Sprache) erfüllt Schack sehr souverän, womit ich zur “knappen Darstellung” kommt. Wie schon erwähnt, ist das Buch sehr dünn, ein Blick auf die Seitenzahlen (172) macht erstmal skeptisch. Der Brox mit um die 400 Seiten oder der Köhler mit ca. 300 Seiten macht da nachdenklich.

Aber: Inhaltlich ist alles drin was man braucht. Beim direkten Vergleich mit anderen Büchern lässt sich inhaltlich nichts ausmachen, was er aussen vor lässt – aber es geht mitunter nunmal recht schnell. Für den Zugang der Willenserklärung etwa investiert Schack gute 2 Seiten – andere nehmen sich hier bis zu 10 Seiten. Doch zu bedenken ist eines: Für einen Anfänger im ersten Semester ist das mitunter auch sehr viel. Schack weiss, die richtigen Schwerpunkte zu setzen, ausgewählte Verweise zum Vertiefen zu geben und auch zu betonen, wo mitunter eine Vertiefung wichtig ist.

Das Buch ist letztlich nunmal kein Lehrbuch, sondern ein Lernbuch, wobei es mich in der Form an ein Skript erinnert. Es bietet also die Gelegenheit, problemlos und relativ schnell die Materie zu erarbeiten.

Es verbleibt der dritte Punkte: Die übersichtliche Gliederung. Und hier hat mich der Autor etwas überrascht, denn seine Gliederung ist nicht einfach übersichtlich: Die Struktur die er gewählt hat fand ich sehr ansprechend und ist mir so auch nicht begegnet, jedenfalls in Konsequenter Anwendung. Bei ihm gibt es vier Teile:

  1. Die Rechtssubjekte
  2. Die Rechtsobjekte
  3. Die Willenserklärung
  4. Die Willenserklärung für andere

Das mag bei anderen ähnlich aussehen, aber z.B. der Brox hat m.E. die Struktur nicht wirklich sauber durchgehalten. Beim Köhler wurde einfach alles unter “Rechtsgeschäftslehre” gepackt, was auch zutreffend ist, aber die Struktur von Schack ist da sehr viel zugänglicher, da er die Unterpunkte diesen Teilen inhaltlich überzeugender zuordnen kann. Letztlich beim Lesen dann ist das Verständnis des dahinter liegenden Systems doch einfacher.

Das letzte Kapitel ist, was man zunehmend bei der Einsteigerliteratur findet, ein Kapitel zum Thema Fallbearbeitung. Auch hier fasst er sich knapp, gibt ausgezeichnete Hinweise und erläutert die Technik verständlich. Was fehlt wäre ein Abschlussfall oder zumindest der Hinweis auf eine besonders gelungene Besprechung in einer Ausbildungszeitschrift – so ist das letzte Kapitel dann doch ein wenig zu abstrakt, wenn auch inhaltlich sehr gelungen.

Die Jurakopf-Einschätzung

Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass es ein überzeugendes Werk ist. Gerade Anfänger werden sich über den schnellen Zugang zum Rechtsgebiet freuen. Allerdings spätestens bei der ersten Hausarbeit wird man mit dem Buch nichts mehr anfangen können, dort fehlen dann doch die Verweise, die man so zahlreich brauchen wird – gerade als Anfänger, der sich im Wust der Literatur erst zurecht finden muss.

Alles in allem ist der Schack ein rundum gelungenes Werk, das den Einstieg in den BGB AT erheblich erleichtert.

Daten zum Buch

Haimo Schack
BGB – Allgemeiner Teil
12. Auflage
Verlag C.F.Müller
ISBN 9783811481022
Preis: 18 Euro

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