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Rosenberg/Schwab/Gottwald: Zivilprozessrecht

Aktuell in der 17. Auflage erschienen ist die Neu-Auflage des “Großen Lehrbuchs” zum Zivilprozessrecht. Nachdem die 16. Auflage im Jahr 2004 erschienen ist, ging ich fest davon aus, dass die 17. Auflage mehr ein “Update” als eine Rundum-Überarbeitung sein würde. Gottwald möchte diesem Eindruck aber wohl entgegentreten und schreibt schon in seinem Vorwort deutlich:

…keine Seite dieses Buches ist unverändert geblieben.

Bei über 1000 Seiten ist das mal eine klare Ansage. Die neue Auflage berücksichtigt die Änderungungen bis September 2009, insbesondere die Änderungen im (europäischen) Mahnverfahren, internationale Zustellung, Verfolgung von Unterhalt sowie die Wechsel bei der Frage der Parteifähigkeit von GbR, WEG und nichtrechtsfähigem Verein.

Laut Programminformation wurden darüber hinaus sämtliche Änderungen siet 2004 eingearbeitet, speziell:

  • FamFG (FGG-Reformgesetz)
  • Kostenmodernisierungsgesetze
  • Justizmodernisierungsgesetze
  • Justizkommunikationsgesetz
  • Rechtsdienstleistungsgesetz
  • Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts (MoMiG)
  • alle europäischen Prozessverordnungen

Das umfangreiche Werk gliedert sich (der Verlag nennt das “klassische Systematik”) in der folgenden Art: Es wird eine recht umfassende Einleitung geboten, gefolgt von einer zweiteilung des des Lehrbuches, die sich an der Systematik des Gesetzestextes orientiert: Es werden die allgemeinen Lehren präsentiert (Erstes Buch), sodann wird das Urteils-(Entscheidungs)verfahren (Zweites Buch) dargestellt. Das zweite Buch ist der Schwerpunkt des lehrbuchs und gliedert sich wiederum in Darstellungen zum ordentlichen Urteilsverfahren (1. Teil) und eine Darstellung der besonderen Prozessarten und des schiedsgerichtlichen Verfahrens (2. Teil).

Im Ergebnis ist das Lehrbuch zuerst einmal eines: Umfassend. Diese Masse an Inhalt gilt es zu strukturieren, wobei sich dem Leser hier eine überraschend hilfreiche Struktur bietet: In 184 Paragraphen ist das Buch aufgeteilt, das macht rechnerisch unter 10 Seiten pro Paragraph. Dabei wurde sehr sinnvoll strukturiert, jeder einzelne Paragraph ist ein eigenes Thema, die Themenwahl erscheint mir weder gekünstelt noch konstruiert.

Die Sprache im Buch ist sehr zugänglich, ich habe an keinem Punkt Probleme gehabt, z.B. ein bestimmtes Thema aufzuschlagen und nachzulesen – Einstiegsprobleme gab es nicht, speziell das Problem mancher Lehrbücher (Gekünstelter Schreibstil, Drang Fremdworte jenseits der juristischen Fachsprache zu nutzen) existiert hier nicht.

Die Frage ist natürlich, vor allem angesichts des beeindruckenden Umfangs: Lernt man wirklich mit diesem Buch das Zivilprozessrecht? Ich glaube, man könnte es durchaus. Auch wenn didaktische Hilfsmittel gar nicht zum Einsatz kommen (eine einfache Grafik beim Instanzenzug könnte 4 Seiten Text ersetzen), sehe ich kein Problem, mit diesem Buch das Zivilprozessrecht zu erarbeiten. Aber die Konkurrenz ist zu mächtig, auch gilt es nach Bedürfnissen zu unterscheiden: Ein Student wird in der Regel nur Oberflächlich mit der ZPO konfrontiert, muss einzelne (typische) Fragen beherrschen und ansonsten den Überblick gut drauf haben. Gemessen an diesem Anspruch ist dieses Buch schon inhaltlich schlicht zu viel, vom Preis mal ganz abgesehen. Anders mag es dann schon für Referendare sein, die sich entscheiden müssen, ob sie lieber in einem Kommentar lesen oder in einem Buch – gefragt ist hier schlicht die persönliche Vorliebe.

Die Jurakopf-Einschätzung

Eine inhaltliche Bewertung verbietet sich für mich: Es ist ein, wenn nicht gar das, umfassende Buch zum Zivilprozessrecht. Ich denke, als Student braucht man es wenn, dann nur um einzelne Punkte zu vertiefen oder als Quelle für Belege in einer Arbeit (die man freilich nur mit dem passenden Schwerpunkt schreiben dürfte). Gerade der hohe (aber angemessene) Preis und der Umfang machen es für Studenten, gemessen am Bedarf den man im Studium nun mal hat, nicht konkurrenzfähig im Vergleich zu Lernbüchern und Skripten. Wer das Zivilprozessrecht aber im Referendariat beackern muss, und dabei nicht alleine mit einem Kommentar arbeiten möchte, findet hier ein gelungenes Buch zum arbeiten. Gerade die sehr differenzierte und detaillierte Struktur macht es möglich, schnell und gezielt Fragen zu beantworten und Bereiche zu lernen bzw. nachzuschlagen. Das Buch insgesamt überzeugt. Gerade Struktur und Schreibstil schaffen es, das Buch nicht nur als reines Lehrbuch sondern als Hilfsmittel für den Alltag zu etablieren.

Daten zum Buch

Zivilprozessrecht, 17. Auflage
Leo Rosenberg, Karl Heinz Schwab, Peter Gottwald
Verlag C.H.Beck, Reihe “Grosse Lehrbücher”
ISBN 9783406595141
Preis: 128 Euro

Rechtsanwalt & Strafverteidiger bei Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf
Im Raum Aachen & Heinsberg als Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht Ihr Ansprechpartner im gesamten Strafrecht mit den Schwerpunkten Strafverteidigung & Cybercrime und Persönlichkeitsrecht. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Er arbeitet zusammen mit Fachanwalt für Strafrecht Dieter Ferner, dem Kanzleigründer, der im Strafrecht und Verkehrsrecht tätig ist.
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