Nachhilfeunterricht: Teure Nachhilfe für 826 Euro – wer muss zahlen?

Das Amtsgericht München (171 C 19789/08) hat sich mit einem Fall beschäftigt, der – gerade in Zeiten professionalisierter Nachhilfe – Schüler aufhorchen lassen sollte: Es ging um einen volljährigen Schüler, der Nachhilfe in Anspruch genommen hat. Er selbst ist beim Nachhilfelehrer immer alleine erschienen, hat auch alleine den Auftrag erteilt. Nach Absprache sollte der Rechnungsversand aber an den Vater erfolgen. Die später ausgestellte Rechnung über 10 Stunden belief sich sodann auf satte 826 Euro, die auch nicht gezahlt wurden. Der Schüler verwies darauf, dass der Vater Vertragspartner sein solle – mit diesem Begehr wurde er nicht gehört.Das Amtsgericht verweist darauf, dass nicht ersichtlich ist, dass der Vater Vertragspartner sein solle. Insbesondere gab es keine eindeutige Absprache oder Umstände, aus denen sich dies ergeben würde. Das Versenden der Rechnung an einen Dritten ist jedenfalls schlechthin nicht geeignet, eine Stellvertretung durch den Sohn anzunehmen, da hier auch einfach interne Absprachen zwischen Vater und Sohn eine Rolle spielen können. Die besonderen Umstände – dass ein wohl noch nicht lange volljähriger Schüler eine Leistung von fast 1000 Euro in Anspruch nimmt ist schon ein besonderer Umstan – liess das Gericht nicht gelten:

Es sei nicht unüblich, dass Schüler in diesem Alter bereits Nebenjobs nachgehen oder sonstiges Vermögen haben und ihre Kosten daher auch selbst tragen könnten, zumal das Erfordernis von Nachhilfestunden im Regelfall auf eigene Versäumnisse zurückzuführen sei.

Die Lösung des Falls sollte gerade unerfahrene frisch volljährige aufhorchen lassen, da Familienintern gerne Absprachen in der Form “Mach mal, lass mir die Rechnung schicken, ich mach dann schon” getroffen werden. Anders als vielleicht auf den ersten Blick nahe liegend ist hier in der Tat nicht von einer Stellvertretung auszugehen, sondern von der Absprache gegenüber dem Kind, die Kosten zu übernehmen, was auf den Vertragspartner erstmal keine Auswirkungen hat. Losgelöst von der Frage des Vertragspartners kann man dann natürlich noch fragen, inwiefern ein Stundenlohn von gut 80 Euro angemessen ist oder vielleicht sogar sittenwidrig – was man alleine mit einem pauschalen Blick auf den Stundensatz nicht bejahen darf. Vielmehr ist gerade im Bereich professioneller Nachhilfe festzustellen, dass dort Stundensätze herrschen, die manchen Handwerker vor Neid erblassen lassen. Noch einmal auf einem anderen Blatt steht aber die Frage, inwiefern bei (gerade?) volljährigen Schülern eine gewisse Unerfahrenheit (zielgerichtet) ausgenutzt wird. Insofern wird man in diesem Fall vielleicht noch nicht das letzte Wort gesprochen haben. Volljährigen Schülern bleibt dagegen nur dringend zu raten, nicht blauäugig auf die Zusage der Übernahme von Kosten zu vertrauen – ganz besonders im familiären Umfeld.

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