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Juristische Zeitschriften

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Juristische Zeitschriften: NJW, JA, JURA oder JuS? Schon die Erst-Semester kennen sie nach dem ersten Besuch einer Buchhandlung: Die Allgegenwärtigen Zeitschriften. Der Durchschnitts-Student wird dabei in erster Linie mit vier Versionen konfrontiert werden:

  • Neue juristische Wochenschrift (NJW, Webseite)
  • Juristische Arbeitsblätter (JA, Webseite)
  • Juristische Schulung (JuS, Webseite)
  • Juristische Ausbildung (JURA, Webseite)

und sich natürlich fragen: Welche sollte ich lesen? Oder gleich alle? Und (leider zu häufig verkannt): Die Frage wann sollte ich anfangen solche Zeitschriften zu lesen? Ich versuche darauf eine Antwort zu geben – und stelle auch zwei Alternativen vor.

Wann liest man diese Zeitschriften

Nun denke ich, jeder sollte sich selber überlegen, wann er damit etwas anfangen kann. Meistens zu Semesterbeginn oder Semesterende werden Buchhandlungen einige alte Exemplare umsonst auslegen. Nutzt die Gelegenheit und seht dann mal hinein. Erfahrungsmäßig würde ich sagen, ab dem 4. oder 5. Semester lohnt sich ein ernsthaftes Abo einer Zeitschrift, auf jeden Fall zu den so genannten großen Übungen.

So glaube ich nicht, dass ein Erst- oder Zweitsemester ernsthaft etwas damit anfangen können wird – die Basics werden ja gerade erst gebildet. So ab dem 4. / 5. Semester sollte aber das Grundlagenwissen vorhanden sein, so dass man sich wirklich damit auseinandersetzen kann. Ich schreibe bewusst nicht „muss“ – Ihr müsst selber wissen was Ihr lest.

Die NJW

Ich persönlich finde die NJW (bis heute) für Studenten eher unnütz. Grund: Der Inhalt ist auf „echte“ Juristen ausgelegt. Kaum Aufsätze zu Themen die in der Lehre einen Schwerpunkt bilden oder gar Fälle mit Hilfen. Warum auch, es ist nun mal keine Zeitschrift die als Zielgruppe Studenten anpeilt. Ich erwähne Sie eigentlich nur, weil Sie schlichtweg die Zeitung ist und wohl deswegen viele Studis meinen, man muss sie lesen. Lasst euch davon nicht beirren, seht ruhig mal rein, wenn es euch nicht gefällt: Lasst es. Schlimm ist es jedenfalls nicht

Die JuS

Die JuS stammt so wie die NJW aus dem Hause Beck – leider merkt man das immer noch ein wenig am Schriftbild; Die Artikel sind alle in zweispaltiger, und doch gedrungener Schrift gefasst, was das Lesen zumindest mir immer sehr erschwert hat. Ich empfand die JuS meistens als unglaublich schwer zu lesen , habe mich aber inzwischen daran gewöhnt. Besonders seit der Änderung der Optik im Jahr 2004 ist sie schon einfacher zu lesen.

Dennoch: Am besten man besorgt sich ein Exemplar und sucht im Inhaltsverzeichnis einen Artikel oder ein Urteil das einem gefällt. Dann einfach mal Lesen! Geht es flüssig oder ist es eher schwierig den Text ernsthaft zu lesen? Vorteil der JuS ganz klar: Die Masse an Informationen. Eine Fülle an Urteilen überschwemmt den Leser mit jeder Ausgabe. Wer viele Urteile lesen möchte, und dennoch auf Aufsätze nicht verzichten möchte ist hier richtig.

Die JuS bietet aber inzwischen einen zusätzlichen Aspekt: Wer die JuS abonniert erhält (im Preis inbegriffen) Zugang zum Angebot „JuS Direkt“. Hier kann man online alle Hefte seit 2000 einsehen, durchsuchen und ausdrucken. Für die Recherche zu Hause ein unverzichtbares Mittel. (JuS Direkt habe ich hier besprochen und vorgestellt).

Weiterhin bietet die JuS das „JuS Tutorium“, das sind kostenlose PDF-Dateien, die thematische Übersichten zu den Aufsätzen und Beiträge in der JuS beinhalten. Damit wird die Zeitschrift -sofern man sie sammelt oder JuS Direkt nutzt- zum ernsthaften Nachschlagewerk.

Die JA

Die JA war einmal mein Favorit. Ausgewählte Inhalte, die speziell auf das Studium zugeschnitten sind. Die Aufmachung der JA ist auch zweispaltig, aber in grösserer Schrift mit mehr Zeilenabstand. Kästen mit Hervorhebungen sorgen dafür, dass man wenigstens die Essenz eines jeden Aufsatzes / Urteiles mitbekommt.

Die Urteile sind Unterteilt in „Entscheidung“ und „Lernteil“ was das zielgerichtete Lesen und Verstehen stark vereinfacht. Dabei werden die Urteile speziell für Studenten in Fallmethodik auseinandergepflückt – sowas vermisse ich bei der JuS dann doch. Jedenfalls was den typographischen Teil angeht, gefällt mir die JA immer noch sehr gut.

Leider aber lässt der Service sehr zu wünschen übrig: Sowas wie das JuS Tutorium oder sonstige Recherche-Dienste fehlt ganz. Für mich steht dabei das Fazit fest: Einfach nur eine Zeitschrift ist heute zu wenig. Von einer Zeitschrift, die sich angeblich ganz dem Jura-Studium verschrieben hat, erwarte ich mehr. Die JA ist hier ganz klar hinter JuS und JURA zurück gefallen.

Die JURA

Anfangs war mir die JURA zu abgehoben – und preislich ist sie auch recht anspruchsvoll. Inzwischen will ich sie aber nicht missen: Die Aufsätze sind genau mein Geschmack, werden aber vielen sicherlich zu abstrakt, zu abgehoben sein. Für mich ist die JURA jedenfalls eine sehr gute Ergänzung, die ich mir hin und wieder mal gönne.

Die Urteile hier sind übrigens auf heraustrennbaren Karteikarten – kleine Schönheitsfehler: Die sind nicht immer gleich groß. Ansonsten eine nette Idee, außerdem bietet die JURA für wenig Geld eine CD an, auf der alle bisher erschienen Urteile zusammengefasst sind. Letztlich ist die JURA wohl nichts für jeden, aber man kann mal rein gesehen haben.

Speziell die JURA-CD ist ein tolles Werkzeug zum Lernen und zeigt, dass die JURA (so wie die JuS, leider anders als die JA) sich dafür interessiert, neue Inhalte über neue Wege für Studenten zur Verfügung zu stellen.

Die Alternative: AdLegendum

Die Zeitschrift „Ad Legendum“ (hier die Webseite) wird von der Uni Münster herausgegeben, ist mit 12 Euro pro Jahr auf jeden Fall bezahlbar und schon zu den kleinen Scheinen ein sehr guter Einstieg. Man kann Sie sich durchaus abonnieren und parallel beziehen, ich würde sie als gelungenen Einstieg und später lohnende Ergänzung zu einer der „großen“ Zeitschriften betrachten.

Die Rechtsprechungsübersichten

Es gibt die NStZ-RR, die NRÜ die Alpmann RÜ und ich weiß nicht was noch alles. Zeitschriften die nur (aktuelle) Urteile bieten und versuchen aufzubereiten. Wer so etwas braucht, soll sich eine aussuchen, ich hatte so ziemlich jede davon und konnte eigentlich nur selten etwas damit anfangen. Die meisten bekannten, interessanten Urteile stehen eh nach einer Woche im Spiegel und später dann in der JA oder JuS besprochen – und als Studi bin ich nicht auf Urteile vom Fließband nicht angewiesen

Kostenlose (Ausbildungs-)Zeitschriften

Ich möchte aber noch zwei Alternativen vorstellen, die zwar nicht so bekannt sind, aber vor allem auch für Anfänger schon gut geeignet und insgesamt ein idealer Einstieg:

  • Die ZJS (Webseite) ist eine kostenlose Online-Zeitschrift (PDF Format) für Studenten, in der auch bekannte Professoren publizieren. Es gibt keinen Grund, sich nicht einfach auf die Liste zu setzen und einmal monatlich die Ausgabe zu lesen; Dabei überzeugt die ZJS mit stetig zunehmenden Fällen und bekannten Autoren
  • Die IURRATIO (Webseite) ist ebenfalls kostenlos und von mir bisher nicht rezensiert.
  • In der HRR-Strafrecht publizieren Praktiker und Professoren, neben Aufsätzen gibt es auch Urteilsbesprechungen. Wenn ich sie mit etwas vergleichen sollte, dann wohl am ehesten mit der NStZ. Auch für Studenten von Interesse, und: Zitierfähig!
  • Bei der ZIS publizieren vor allem Professoren, ein Vergleich mit der ZStW bietet sich an. Wohl ebenfalls zitierfähig.

Zum Abschluss

Ich kann es nicht oft genug betonen: Eine Zeitschrift ist nur gut, wenn man soe auch liest. Daher: Lieber „nur“ eine Zeitschrift abonnieren, die aber dann auch lesen. Es macht keinen Sinn, jede Zeitschrift zu abonnieren um dann die Hefte im Schrank zu archivieren; Ich weiss: So eine JuS macht sich immer gut im Schrank oder in der Tasche, dazu reicht dann aber auch das kostenlose Probleexemplar beim freundlichen Buchhändler und von dem Geld kann man schön essen gehen.

Ein weiterer Aspekt isind die Jahresverzeichnisse: Wer die Hefte aufbewahrt um sie zur Recherche zu nutzen, der braucht gute Jahresverzeichnisse. Die JA bietet das definitiv nicht. Wer einmal ein Jahresverzeichnis der JA neben eines der JuS legt und sich nur die Stichworte ansieht, merkt einen erheblichen Unterschied in der Fülle. Viele Inhalte musste ich mir mühselig bei der JA von Hand  raussuchen, weil ich wusste, dass sie existieren in einem Jahrgang, aber über die Stichworte nicht zu finden waren. Bei der JuS besteht das Problem einfach nicht und es ist für mich ein großer Makel, was die JA hier „bietet“.

Meine Empfehlung ist zur Zeit klar die JuS, vor allem wegen der Zusatzangebote. Bis heute muss man leider auf Jahresinhaltsverzeichnisse in PD-Form verzichten, was ich ziemlich dämlich finde. Auch Volltext-CDROMs gibt es leider nicht. Vielleicht wachen die Verlage hier ja eines Tages auf und erinnern sich der Verantwortung, der sie sich angeblich verschrieben haben wollen, was ich schonmal bemängelt habe. Zum Thema Rechtsprechungsdatenbank bitte auch diesen und diesen Artikel beachten.

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