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Intermezzo: Was ein Lehrbuch lehrt…

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Ich bin endlich dazu gekommen, eine Schrift zu lesen, die schon lange auf meinem Stapel lag: „Was ein Lehrbuch lehrt…“ von Dirk Fabricius. Seine Idee: Er untersucht ein Strafrechts-Lehrbuch (vorliegend Strafrecht AT von Jakobs). Dabei untersucht er das Buch an sich: Welche Aussagen werden getroffen, welche nicht.

Wo gibt es Selbstreflexion, wo nicht. Auf 113 Seiten sucht er systematisch nach (denk)fehlern, Darstellungsfehlern und versucht es auch so zu handhaben, dass man es auf andere Literatur übertragen kann, was nicht ganz gelingt: Auch wenn Jakobs AT von ihm nur „exemplarisch“ herangezogen wird, so finde ich das Ergebnis zwar überzeugend, aber zu speziell – die Sichtweisen von Jakobs sind zu besonders, die aufgezeigten Probleme stichhaltig und treffend, aber wer jetzt den Roxin nimmt, wird erstmal vor Probleme gestellt.

Jedenfalls wer sich mit Jakobs beschäftigt, dem sei diese Schrift dringendst(!) ans Herz gelegt.

Wer sich mit Jakobs nicht beschäftigt, aber neugierig ist, der lese einmal Seite 95 („Desavouierung der Norm“), wo der Autor sehr bildlich darstellt, dass auch Professoren mitunter Fremdwörter nutzen – ohne die Bedeutung klar zu machen. Und dabei Fehler begehen (tut besaonders gut, wenn man vorher eben daran verzweifelt ist und erstmal sich selbst in Frage gestellt hat).

Ebenfalls rate ich diesen Personen dringend, ab Seite 47 („Kriminologie“) zu lesen, der Ansatz ist hochinteressant. Untersucht wird hier, welche Fälle im Lehrbuch gebracht werden, wie man diese Unterteilen kann (welche Täter/Opfergruppen bevorzugt der Autor, welche Geschlechter etc.) und wie die zur Realität stellen. Idee u.a.: Zwischen den Zeilen offenbart sich hier eine Einstellung des Autors, die auch in die sonstigen Zeilen einfliesst – und auch auf Fehler schliessen lässt.

Wer sich gerade mit Jakobs beschäftigt, dem sei nahegelegt, das ganze Büchlein zu lesen – die Seiten hat man schnell geschafft. Konzentriert sollte man ab Seite 53 den dortigen Punkt C ganz lesen sowie ab Seite 94 den dortigen Punkt F. In diesen Punkten werden die „normalen Leser“, die von der Dogmatik von Jakobs nichts gehört haben bisher, schnell abschalten, weil hier doch (ungewollt?) sehr viel an Vorwissen vorrausgesetzt ist.

Das Büchlein um das es hier geht stammt von „Dirk Fabricius“ und entstammt der Reihe „Frankfurter Kriminalwissenschaftliche Studien“. Die Idee, ein Lehrbuch auf der Meta-Ebene zu analysieren ist sicherlich nicht neu, der hier gegangene Weg aber interessant und überzeugend – auch wenn ich fürchte, Fabricius verliert sich am Ende doch zu sehr in der Welt von Jakobs, was aber schnell passieren kann.

Zum Abschluss noch das Zitat seines Fazit auf Seite 117:

„Das Buch löst seinen Anspruch, die Sätze zu bilden, die nötig sind, um die gewünschten Effekte herbeizuführen, nicht ein. Sein Effekt ist jedoch, den Glauben an die Handlungskompetenz und Rechtstreue der Strafjuristen, die dieses Buch lesen, zu stabilisieren; anders gesagt, der Selbstgerechtigkeit unter Anleitung zum Verleugnen gesellschaftlicher Realität Vorschub zu leisten.“

Und wer meint, dass das heftig ist, der sollte erstmal den Rest lesen.

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