Hausarbeit und Klausur im Staatsrecht

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Der C.F.Müller Verlag hat mir zwei Bücher zugestellt, die ich in meinem Besprechungs-Stapel ganz nach unten gelegt hatte – das Thema „Staatsrecht“ fand ich momentan nicht spannend und ich habe andere Klausurenkurse vorgezogen. Ein Fehler, wie sich nun gezeigt hat, ein großer sogar. Denn ich habe hier zwei Bücher (Degenhart und Pieroth) vor mir liegen, die ich unbedingt empfehlen muss. Das eine ist ein sehr gutes Buch, dass manchem Anfänger Ängste nehmen wird – das andere ist ausgezeichnet. Man stelle sich vor: Ich hatte nichts auszusetzen.

Hinweis: Die beiden hier besprochenen Bücher wurden mir als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Es geht hier um zwei Bücher, die ich in einer Besprechung zusammenfasse, da sie thematisch zusammen gehören:

  1. Pieroth: Hausarbeit im Staatsrecht
  2. Degenhart: Klausurenkurs im Staatsrecht

Das Staatsrecht ist ein „gemeines“ Thema, denn man lernt es mit als erstes und braucht es im Regelfall nach der Zwischenprüfung/kleinen Übung erst im Examen wieder. Degenhart ist sich dieses Problems z.B. bewusst und schreibt in Rn.4 zutreffend:

Was den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben betrifft, so ist eine eindeutige Unterscheidung von Zwischenprüfungsklausuren und Examensklausuren nicht immer sinnvoll.

Eben dies war auch der Grund, warum ich die Werke in der Prioritätsliste eher nach unten gelegt habe.

Ich fange mit dem Pieroth an, der ein Buch herausgegeben hat, dass ich jedem Anfänger empfehlen möchte: „Hausarbeit im Staatsrecht“. Es bietet Hinweise zu Formalie und dann 9 vollständig ausgearbeitete Hausarbeiten.

Allein die Hinweise zur Anfertigung der Hausarbeit, sehr kompakt gefasst auf 17 Seiten, werden für viele Anfänger ein wahrer Segen sein. Von den vielen Darstellungen zu diesem Thema war dies die erste, die in kompakter Form alles anspricht, was man wissen muss. Wer sich das Buch nicht kauft, dem rate ich ausdrücklich, sich diese 17 Seiten in der Bibliothek anzusehen und zu verinnerlichen. Hinweis am Rande: Das dort gesagte gilt für alle Hausarbeiten, nicht nur für die im Staatsrecht. Hier wird jeder profitieren.

Die 9 ausgewählten Hausarbeiten sind -anders als es den Anschein hat- sehr umfangreich und insgesamt sehr verständlich geschrieben. Inhaltlich wurden die Hausarbeiten sehr gut ausgewählt, es sind durchweg Standardprobleme, die Wahrscheinlichkeit dass der Schwerpunkt der eigenen Hausarbeit hier irgendwo angesprochen wird, ist sehr hoch. Andererseits muss man sich, gerade als Anfänger, darauf besinnen, dass man dieses Werk zwar als Hilfe aber eben nicht als Vorlage verstehen sollte.

Während der Pieroth ein sehr gutes Werk herausgebracht hat, muss ich beim Degenhart einfach nur noch Respekt zollen: Der Klausurenkurs ist genau das, was ich mir unter diesem Namen vorstelle.

Inhaltlich sind es nun mal Klausuren, dazu gibt es wenig zu sagen, allenfalls dass sie für meinen Geschmack sehr interessant und vielfältig im Sachverhalt ausgelegt sind. Das (für ältere Semester) eher trockene Thema „Staatsrecht“ machte hier nochmal Spaß. Besonders Freude wird vielen bereiten, dass der letzte der 18 Sachverhalte mit dem Titel „George Orwell“ überschrieben ist und das Thema Videoüberwachung behandelt. Man mag es als pessimistische Zukunftsprognose des Autors einschätzen, dass im Sachverhalt eine George-Orwell-Universität im Zentrum der Geschehnisse steht.

Doch ein Klausurenkurs zeichnet sich nur zum kleinen Teil durch die Inhalte aus – dass das was dort steht gut ausgewählt und auch richtig ist, setzt man ja voraus. Die Aufbereitung ist es, die den guten Klausurenkurs kennzeichnet.

Und Degenhart setzt hier Maßstäbe: Er bietet nicht nur eine Lösungsskizze, was ja bei vielen fehlt und von mir immer wieder moniert wird, sondern auch gedankliche Vorüberlegungen (wie sie zu jeder Klausur gehören). Das Bearbeiten der Klausuren ist damit nicht nur ein einfaches „Lösung und prüfen“, sondern man kann seine Gedankengänge, Strukturierung und Lösung vergleichen und gegenüberstellen. Die Aufarbeitung macht es problemlos möglich, zu sehen wo man sich anders (und vielleicht auch falsch) entschieden hat. Im Lösungsstil sind die Klausuren echte Klausuren, das heißt mit Fußnoten wurde gespart und nur dort, wo man etwas vertiefen sollte, gibt es Verweise.

Bevor es mit den Klausuren los geht bietet Degenhart nochmal 35 Seiten zum Einstieg: Wie schreibt man eine Klausur, wie wird sie aufbereitet etc. Dabei besonders lobenswert seine Problem-Aufstellung am Ende der Einführung (Rn. 81ff). Hier sind, in der Art eines Inhaltsverzeichnisses, die Themen aufgereiht und dahinter die jeweiligen Fundstellen und Sachverhalte mit denen man dieses einzelne Thema wiederholen/vertiefen kann.

Sehr schön war dabei auch die Zahl von Fällen in denen es um europäische Grundrecht und die Grundfreiheiten ging sowie die Tatsache, dass Fälle mit verwaltungsrechtlichen Einschlägen präsentiert wurden. Dies hat die Klausuren in ihrer Auswahl abgerundet und macht das Werk zu einem umfassenden Fall-Repetitorium.

Die Jurakopf-Einschätzung

Die „Hausarbeit im Staatsrecht“ von Pieroth sollte man als Chance begreifen. Wer als erste Hausarbeit in seinem Studium die staatsrechtliche schreibt, sollte sich das Werk auf jeden Fall zulegen, ich rate auf jeden Fall dringend jedem Studenten dazu, die ersten 17 Seiten zu lesen. Wer die Hausarbeit im Staatsrecht schreibt, findet hier zudem wichtige Hilfen zu gängigen Standard-Problemen, so dass man auf jeden Fall hineinsehen sollte wenn man seinen Sachverhalt halt.

Der „Klausurenkurs im Staatsrecht“ wird von mir jedem ans Herz gelegt. Vor der Zwischenprüfung oder vor dem Examen wird er sich sofort lohnen. Dieses Buch ist sein Geld wert und wenn ich es einschränken soll, dann nur hinsichtlich der kleinen Übung, da es für die hier angesiedelten Klausuren wahrscheinlich doch zu viel sein wird. Kein Klausurenkurs hat mich so gefesselt wie das hier besprochene Werk, das ich wider Erwarten (und ohne konkreten Anlass) von Fall 1 bis Fall 18 durchgearbeitet habe.

Zu den Büchern

Pieroth (Hrsg.)
Hausarbeit im Staatsrecht
C.F. Müller
ISBN 978381148081
Preis: 18 Euro

Christoph Degenhart
Klausurenkurs im Staatsrecht
C.F. Müller
ISBN 9783811492080
Preis: 19 Euro

4 Antworten auf „Hausarbeit und Klausur im Staatsrecht“

  1. Interessanter Artikel, die beiden vorgeschlagenen Werke sollte ich mal im Hinterkopf behalten. Sag mal, wenn du z.B. den Degenhart inklusive aller Fälle komplett durchgearbeitet hast, wie lange saßt du etwa an den Vorbereitungen zur Buchbesprechung? Viele können sich zum Klausurenschreiben nicht mal motivieren, wenn Klausuren anstehen, und du machst das nebenbei ;-)

  2. Naja, „nebenbei“ ist die falsche Wortwahl – deswegen betriebe ich ja auch das Blog: Egal was ich an Arbeit hier rein stecke, es fließt zugleich auch in mein Studium. Und wenn ich dann z.B. den Klausurenkurs durcharbeite sehe ich das als direkten Gewinn für das Examen an. Das Hausarbeiten-Buch habe ich aber „nur“ gelesen und nicht durchgearbeitet, das sollte klar sein.

    Dazu kommt, dass ich keinen Zeitdruck habe, wie sonst bei einer Klausur: Ich habe den Degenhart z.B. genommen und pro Tag 1-2 Klausuren gelöst. Bei 18 Fällen macht das 9 Tage. Wer sich rechtzeitig vor einer Klausur hinsetzt (die Termine sind ja bekannt) schafft das Locker.

    Ich werde aber demnächst einen Artikel zur Arbeit mit Klausurenkursen in Büchern schreiben, weil ich genau weiss, dass es langsa, schwierig wird. Man kann sich nicht jedes Buch kaufen und manch einer möchte ja auch noch Leben neben dem Studium. Auch wenn ich bisher bemüht bin, wirklich nur vorzustellen und zu empfehlen was mich begeistert hat, denke ich wird es Zeit für einen Artikel was man auswählt und wie/wann man damit vor Klausuren in Übungen arbeitet.

  3. Da fällt mir ein, was meine damalige Pädagogik-Lehrerin mir antwortete, als ich zu ihr sagte, ich hätte auch noch andere Dinge zu tun als den ganzen Tag (Pädagogik-)Hausaufgaben zu machen: „Sie sind Schüler und nichts anderes! Ihre einzige Aufgabe ist es, sich um die Schule zu kümmern und um sonst nichts.“ Ja, sie war eine unserer beliebtesten Lehrkräfte…

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