Rezension: Die Assessorklausur im Strafrecht

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Das vorliegende Werk „Die Assessorklausur im Strafprozess“ von Martin Schmehl, Walter Vollmer, Andreas Heidrich wird vorgestellt von Nele Trenner.

Hinweis: Das Buch wurde als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Der erste Eindruck ist ein guter. Das Buch ist klein und handlich, das passt zum schmalen Zeitbudget eines Referendars in der Staatsanwaltschaft. (Ja, ich weiß, wovon ich schreibe!)

Leider setzt sich die geringe Größe aber bei der Schrift fort – zum Beispiel die Einschübe sind nicht gemacht für den geneigten S-Bahn-Leser.

Es gibt nur eine Handvoll Übersichten, auf Randnummern wird gänzlich verzichtet. Gerade an die hat man sich im Laufe eines Jurastudiums aber wunderbar gewöhnt und vermisst sie hier (schmerzlich), da das Stichwortverzeichnis eben nur auf Seiten verweist.

Zum Inhalt:
Das Buch ist gegliedert in 7 Teile.
Der erste Teil befasst sich mit dem Ermittlungsverfahren und beginnt mit Bemerkungen zu den wichtigsten Begriffen, wie den einzelnen Verdachtsstufen, den Bezeichnungen Beschuldigter, Verdächtiger, Zeuge, dem Verteidiger und seiner Stellung im Verfahren sowie dem Ermittlungsrichter. Außerdem wird man eingeführt in die Beweisgewinnung im Ermittlungsverfahren und die Zwangsmittel der StPO. Der Teil endet mit der Abschlussverfügung der Staatsanwaltschaft, wobei es Muster von Anklageschriften aus Niedersachsen/Baden-Württemberg und Bayern gibt. In Berlin wird nach dem niedersächsischen Muster aufgebaut und so ist das Buch also nicht nur auf diese drei Bundesländer beschränkt

Im zweiten Teil wird ein Überblick zum gerichtlichen Verfahren bis zum Urteil gegeben, welches dann im dritten Teil behandelt wird. Für die Assessorklausur erscheint mir dieser Teil des Buches etwas überdimensioniert, eine Examensklausur im Strafrecht aus staatlicher Sicht sieht gemeinhin so aus, dass man in der Rolle des Staatsanwalts einen hinreichenden Tatverdacht prüft und neben einigen zu behandelnden prozessualen Problemen entsprechend eine Abschlussverfügung verfasst. Insofern sind diese Teile zwar interessant, insbesondere wahrscheinlich auch für die mündliche Prüfung und natürlich während der Station, wenn man dem Strafrichter zugeteilt ist. Die Relevanz für die Examensklausur erschließt sich mir jedoch (noch) nicht.

Der vierte Teil beschäftigt sich mit den Rechtsmitteln. Dieser Teil dürfte insbesondere da Bedeutung erlangen, wo man in der Klausur aus anwaltlicher Sicht für seinen Mandanten gegen ein Urteil oder einen Beschluss vorgehen soll. Hier wird darauf eingegangen, wer zuständig ist für die Bearbeitung solcher Rechtsmittel, wie sie beschränkbar sind, welche Formalien eingehalten werden müssen, welche Gründe geltend gemacht werden können usw.

Im fünften und sechsten Teil folgen kurze Einblicke in die Verbindungsstellen Straftaten – Ordnungswidrigkeiten sowie ins JGG.

Im letzten Teil schließlich geben die Verfasser noch allgemeine Hinweise zur Klausurbearbeitung. Das fängt bei dem „Achten Sie genau auf die Aufgabenstellung“ an, geht über den „Gesamteindruck“ und zeitliche Hinweise hin zum prozessualen Teil der Klausur und Stil- und Aufbaufragen. Zu guter Letzt folgen noch einige Aufbauhilfen, die auf den ersten Blick einen übersichtlichen und geordneten Eindruck machen. Sie sind kurz und auf das jeweilige Problemfeld zugeschnitten.

Fazit:
Das Buch macht für einen Skript- und Übersichtenliebhaber wie mich trotz Fließtext einen soliden Eindruck. An einigen Stellen kommt man nicht umhin (wenn man sich denn dafür interessiert), nochmal genauer nachzulesen. So wird etwa auf die Problematik der Verlesung des ermittlungsrichterlichen Vernehmungsprotokolls bei Bezugnahme auf das polizeiliche Vernehmungsprotokoll nur überblicksartig eingegangen und das Ergebnis hingestellt. (Da das so eine spannende Frage ist: Es darf bei Berufung auf das Zeugnisverweigerungsrecht nicht verlesen werden, denn es fehlt dann an einer richterlichen Vernehmung und ein polizeiliches Protokoll darf nicht verwertet werden.)
Das Buch möchte aber auch gar keine Meinungsstreitigkeiten in extenso darstellen, sondern kurz und knapp in die typischen Problemfelder einer strafrechtlichen Examensklausur einführen. Meinungsstreitigkeiten findet man im Kommentar und nur den nimmt man mit in die Klausur.

Daher: Trotz der 21,00 EUR durchaus empfehlenswert, sofern man mit Lehrbüchern umgehen und lernen kann und möchte. Ob es den Praxistest besteht, werde ich am Dienstag zur nächsten Klausur erfahren. :)

Rechtsanwalt Jens Ferner

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