Rezensionen: Kriminologie und Jugendstrafrecht

Ich habe vor kurzem eine Verbundklausur zu den Themen Kriminologie und Jugendstrafrecht geschrieben. Die Literatur zu beidem ist recht umfänglich – wenn man aber parallel noch weitere Klausuren schreibt, braucht man Wege, sich das notwendigste schnell anzueignen und einfach zu wiederholen. Ich denke, ich habe da was gefunden.

Grundrisse des Rechts

Rechtsanwalt Ferner Alsdorf - Strafrecht

In der Reihe “Grundrisse des Rechts” gibt es zu beiden Themen Bücher, die angenehm handlich sind und auch auf der Literaturliste des Profs zu finden sein werden:

  • Kriminologie von Bernd-Dieter Meier
  • Jugendstrafrecht von Meier/Rössner/Schöch

Sehr angenehm war wirklich die Handlichkeit: Schnell hat man die Bücher durchgearbeitet, dabei erleichtert das angenehme Schriftbild (mit den typischen viel zu kleinen 8-Punkt-Aussetzern) das Lesen enorm. Wenn man sich ernsthaft dran setzt und aufmerksam liest kann ich mir nicht vorstellen, dass man mehr als eine Woche braucht, um jedes Buch einmal durchzulesen.

Natürlich bleibt es nicht beim einmaligen Lesen, doch wenn man beides einmal in RUhe durchgearbeitet hat, wird das Verfolgen der Vorlesung sehr viel leichter fallen und man fühlt sich auch nicht mehr so unsicher auf dem jeweiligen Gebiet.

Ich habe parallel noch ein “richtiges” Lehrbuch beackert: Es lohnt sich nicht. Zu Schwerfällig, viel zu umfangreich und letztlich – im Nachblick – für Vorlesung und Klausur auch übertrieben.

Insgesamt waren beide Bücher sehr angenehm und auch empfehlenswert, was mir aber fehlte waren praktische Klausurauszüge. Es bringt nichts, sich theoretisches Wissen anzulesen, wenn man das in der Klausur nicht transportieren kann – und gerade bei wirklich neuen (Teil-)Rechtsgebieten ist man sehr unsicher, wie denn eine Klausur nun aussieht. Zwar gab es die üblichen kurzen Fälle im “Jugendstrafrecht”, die auch ein wenig helfen, dafür fehlt bei Kriminologie etwas ähnliches ganz: Es gibt weder Fragen am Anfang des Kapitels, noch (wirkilch zu empfehlende!) Wiederholungsfragen am Ende des Kapitels.

Speziell bei Kriminologie fehlten mir “praxisnahe” Ausführungen in dem Sinne, dass man Dinge lernt, die man direkt auf Lebenssachverhalte transponieren kann. Wenn ich das Buch gelesen habe will ich z.B. auf den Satz “Die Jugendkriminalität steigt stetig” sofort antworten können. Dazu gehört gerade nicht, dass man Statistiken auswendig lernt – das ist nicht unser Job. Aber man muss als Student schon gewisse Tendenzen kennen, wie z.B. dass es 1998/1999 eine Spitze bei der Jugendkriminalität gegeben hat – und sollte hier auch Erklärungsmodelle anbieten können. Mit der mir vorliegenden Literatur ist das nur schwer bis gar nicht möglich. Wer nicht entsprechende Vorbildung mitbringt, steht erstmal im Regen. Anregen kann ich daher nur ein eigenes Kapitel, in dem wesentliche Tendenzen samt Erklärungsmodellen angeboten werden.

Alpmann-Schmidt

Von Alpmann-Schmidt gibt es ein Sammel-Skript Kriminologie/Jugendstrafrecht/Strafvollzug und dazu gehörige Karteikarten. Das Skript war sehr gut aufbereitet – die Tatsache, dass man trotz grosszügigem Schriftbild auf gerade mal ca. 100 Seiten pro Thema kommt, muss aber nicht abschrecken: Die Seiten sind dafür in jeder Zeile mit Informationen und Wissen vollgestopft. Das aber erschwert natürlich das lernen, da man sehr konzentriert und aufmerksam lernen muss – andererseits fällt es nicht mehr schwer, Schwerpunkte zu setzen.

Die dazu gehörigen Karteikarten haben das Skript sehr gut ergänzt – mit einer extrem störenden Ausnahme: Die kriminalitätstheorien. DIe sind nämlich je nach Medium (Skript oder Karteikarten) ein wenig unterschiedlich – so liest man im Skript noch vom psychoanalytischen Modell, das man auf den Karteikarten vergebens sucht. Dafür sind die auf den Karteikarten enthaltenen (und nur dürftig erklärten) Lebenslauftheorien im Skript nicht zu finden.
Der Vorteil letztlich war, dass ich beim Zusammenstellen einer eigenen Übersicht, basierend auf beiden Medien sowie dem Meier (s.o.) letztlich einen ganzen Tag gebraucht habe und sie danach wenigstens umfänglich konnte.

Sehr schön finde ich die ständige Einarbeitung von Fällen in das Alpmann-Skript: Man hat durchgehend irgendeine Fragestellung im Hinterkopf, die quasi im Rahmen des Skriptes dann beantwortet und erarbeitet wird. Das macht das sehr abstrakte Thema immer wieder greifbar. Und wenigstens in Ansätzen bietet das Skript eben diese Tendenzen, die ich immer wieder anspreche – nur leider nicht ausdrücklich. Man muss eben sehr genau und konzentriert lesen.

Fallsammlung

Im Springer-Verlag ist eine Fallsammlung Kriminologie/Jugendstrafrecht/Strafvollzug von Klaus Laubenthal erschienen. Ich war ja schon begeistert, als ich merkte, dass im Inhaltsverzeichnis nicht vermerkt ist, welche Fälle welchen Themenschwerpunkte haben. Ich musste also (Strafvollzug stand nicht auf meinem Programm) als erstes selber die Fälle samt Fragen lesen, gewichten und sortieren. Die Arbeit hätte man durchaus abnehmen können.

Insgesamt fand ich das Buch ganz brauchbar, die Fälle sind gut ausgewählt und man kann gut damit üben.

Kritik übe ich aber bei der Aufbereitung: Wer etwa die Lösung zu Fall 11 (Jugendgerichtshilfe) erarbeitet, wird in der Lösung im Buch direkt am Anfang mit SGB VIII-Normen erschlagen. Sowas verunsichert selbst mich noch teilweise (die waren beim Lernen nirgendwo Bestandteil) und in der Uni musste ich feststellen, dass andere Studenten sich sorgten, um sie das alles so ebenfalls runterleihern können müssen. Nö, muss man nicht. Und ein Lösungsbuch sollte nicht den Eindruck vermitteln.

Ebenfalls störend war in der Aufbereitung, dass man bei manchen Fragen und Antworten eine Tabelle fand, die Hinweise zur Entwicklung von bestimmten Delikten bzw. Täterprofilen gegeben haben. Dadurch dass diese Tabellen aber nicht im Rahmen des Sachverhalts sondern erst bei der Lösung präsentiert wurden, gewann man den Eindruck, man müsste solche Tabellen auswendig können, was bei manchen Studenten ebenfalls zu akuten Panikschüben führte. Ich kann beruhigen: Auch Blödsinn, man muss Tendenzen kennen, aber keine umfänglichen statistischen Daten.

Auch wenn das zwei negative Absätze waren, soll das das Buch nicht abwerten: Insgesamt ist es gut und zum Üben geeignet. Man darf sich halt nicht von einzelnen Passagen einschüchtern lassen.

Die Jurakopf-Einschätzung

Die beiden Bücher aus der Reihe Grundrisse des Rechts empfehle ich als erstes, vor allem vorlesungsbegleitend. Sie bieten einen perfekten Einstieg, der auch insgesamt sehr abgerundet ist.

Das Skript sowie die Karteikarten von Alpmann-Schmidt sind dazu eine perfekte Ergänzung, man kann sogar nur damit für die Klausuren lernen. Ich empfehle aber dennoch, nicht auf den “letzten Drücker” anzufangen, sondern anfangs Vorlesungsbegleitend die obigen beien Werke einzusetzen – um dann zum Ende hin gezielt mit dem Alpmann für die Klausuren zu lernen. Gerade die praktische Ausrichtung ist beim vertiefen sehr hilfreich.

Wer mag, kann sich noch das Fallbuch zulegen, ich würde es im Nachhinein nicht mehr machen, sondern einfach 2-3 Fälle daraus kopieren um einfach die Form von Klausuren insgesamt zu üben. Auf jeden Fall sollte man nicht verzweifeln, wenn man mal die Fragen nicht so detailliert beantwortet hat wie der Autor das vorgibt.

Daten zu den Büchern

Bernd Dieter Meier
Kriminologie
ISBN 3-406-53861-4
Preis: 18,00 Euro

Meier/Rössner/Schöch
Jugendstrafrecht
ISBN 3-406-49913-9
Preis: 19,50 Euro

Klaus Laubenthal
Fallsammlung zu Kriminologie/Jugendstrafrecht/Strafvollzug
Springer Verlag
ISBN 3-540-31992-1

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