Rehbinder: Rechtssoziologie

Jetzt sind wir mal alle ehrlich: Wer weiß, was Rechtssoziologie ist? Jedenfalls mir ist dieses Thema – und ich habe über viele Semester hinweg nur in (zahlreichen) Grundlagen-Vorlesungen rumgelungert – nie begegnet. Vielleicht mal als Randbemerkung, ich wusste natürlich, dass es sowas gibt, aber eben nicht als eigenständiger Inhalt. Um es kurz zu machen und den Klick zu Wikipedia zu ersparen: Es geht darum, wie sich Recht und Gesellschaft gegenseitig beeinflussen bzw. voneinander abhängig sind.

Also rein inhaltlich fand ich das Thema hochinteressant, eigentlich eine ideale Ergänzung der Kriminologie-Vorlesung, die meine bisherigen Eindrücke im Bereich Gesellschaft & Kriminalität sehr abgerundet hat. Insgesamt ein Thema, das anspruchsvoller ist,als es auf den ersten Blick wirkt und wertvoller, als man meint.

Der Autor schafft es auch durchaus, das Thema interessant zu vermitteln – doch die Sprache ist mitunter sehr anstrengend. Recht lange Sätze hat man da durchaus mal vor sich, auch ist die Wahl der Wörter manchmal etwas komplizierter als es sein muss. Sicherlich kein zu hohes Niveau für einen Studenten, aber es ist halt doch ein wenig anstrengend, zumindest streckenweise. Das bekannt anstrengende Schriftbild der juristischen Kurzlehrbücher macht es da nicht einfacher – der durchaus zu konsumierende Text wirkt auf einen Blick schnell wie eine Wand mangels Einschübe. Von auflockernden Grafiken ganz zu schweigen.

Die weniger als 200 Seiten hat man trotz der Kritik wirklich schnell durch, dabei sind diese in 10 Kapitel eingeteilt. Die ersten vier dienen der Einführung in das Thema: Forschungsbereich, Aufgaben, Literaturhinweise und Arbeitsinstrumente werden hier vorgestellt. Ich muss zugeben, dass ich diese 60 Seiten eher überflogen als ernsthaft gelesen habe – der Stoff ist eher für die Vorlesung als für das eigene Interesse geeignet.

Die folgenden Kapitel dann bieten den Inhalt, der das Thema wohl ausmacht und hochinteressant ist:

  • Rechtsstruktur und Gesellschaftsstruktur
  • Gesellschaftliche Funktionen des Rechts
  • Effektivität des Rechts
  • Soziologie der Justiz
  • Soziologie der Verwaltung
  • Soziologie der Gesetzgebung

Im Ergebnis ist es ein tolles Thema, anspruchsvoll aufbereitet, dass durchaus dabei hilft, laufende Prozesse sowie “das Recht insgesamt” mal aus einem vollkommen neuen Blickwinkel zu sehen. Der Nutzen für die Klausur – sofern man nicht ein entsprechendes Grundlagenfach belegt – ist sehr begrenzt, eine Ausnahme kann ich für den Bereich Kriminologie (Schwerpunktbereich Strafrecht) sowie “Strafrechtliche Sanktionen” machen, hier ist es im Bereich notwendiger Argumentationen durchaus als Ergänzende Lektüre hilfreich.

Die Jurakopf-Einschätzung

Jedenfalls wer eine Klausur in diesem Bereich schreibt, hat hier ein gutes Buch: Es ist angenehm dünn, sprachlich problemlos aufbereitet. Das Schriftbild ist wieder einmal grauselig, aber das kennt man sowohl von der Buchreihe an sich, wie von juristischer Literatur insgesamt leider zu oft. Entsprechend oft ist es auch ein Kritikpunkt von mir. Der allgemeine Nutzen hält sich in Grenzen, wer sich selbst damit fortbilden möchte – etwa in der langen Phase nach den Examensklausuren bis zu den Ergebnissen oder nach dem Examen (beim Warten auf einen Referendarsplatz), der hat hier ein interessantes Werk. Einziger Wehrmutstropfen: Der – auch angesichts der gerade mal 188 Seiten Text – hohe Preis.

Daten zum Buch

Manfred Rehbinder
Rechtssoziologie
7. Auflage, Verlag C.H. Beck
Reihe Juristische Kurz-Lehrbücher
Preis: 24,90 Euro
ISBN 9783406595332

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