Musil/Burchard: Klausurenkurs im Europarecht

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Ein tolles Buch, allerdings mit einem Problem: Es ist sehr viel. Für mich war es zu viel. Das soll aber keine Kritik sein, muss aber als Filter-Kriterium bei der Entscheidung dienen, ob man es sich kauft oder nicht. Schön ist die Idee, das Buch auf einem Lehrbuch aufzubauen.

Die erste Frage wird sein – und insofern hatte ich einen echten Praxistest: Ist das Buch ohne das referenzierte Lehrbuch überhaupt sinnvoll? Schon auf dem Umschlag wird ja darauf hingewiesen, dass es das Lehrbuch zum Europarecht von Streinz ergänzen soll; das aber lag mir nicht vor und ich muss feststellen: Es war nicht schlimm. Man braucht sich also deswegen keine Sorgen zu machen, dies ist ganz klar ein eigenständiges Buch – allerdings wird regelmässig zur Vertiefung und zum Nachlesen auf den Streinz verwiesen. Netterweise auch mit Seitenzahl, so dass man zielgerichtet nacharbeiten könnte.

Was mir auf Anhieb gefallen hat war die Überlegung der Autoren, nicht einfach Fälle zu bieten oder Fälle mit kurzen Wiederholungen. Stattdessen versuchen die Autoren in den ersten beiden Kapiteln abstrakt zu erklären, welche Themen im Pflichtfach Inhalt sind (Kapitel 1) und welche Fallkonstellationen in Klausuren dann üblicherweise zu erwarten sind (Kapitel 2). Das ist klausurtaktisch klug und auch sehr sauber umgesetzt. Man lernt somit schnell, Probleme zu kategorisieren und in unbekannten Klausuren zu erkennen. Auch die scheinbar unendliche Stofffülle ist auf einmal systematisch geordnet und erscheint fassbar. Der Ansatz ist durchaus gelungen und wird von den Studenten sicherlich dankend aufgenommen. Die Tatsache, dass die beiden Autoren diese zwei Kapitel auf etwa 30 schnell zu konsumierenden Seiten präsentieren, macht den Abschnitt noch attraktiver.

Das dritte Kapitel dann besteht aus 20 Klausuren, die unterteilt sind in „Pflichtfach“ und/oder „Schwerpunktbereich“, so dass Pflichtfach-Studenten durchaus die für sie wichtigen Klausuren herauspicken können. In der Übersicht sind hierzu Schwerpunkte genannt, so dass man sich Klausuren auch thematisch heraussuchen kann. Aber: Hierbei ist auch nochmal das erste und zweite Kapitel zu beachten. Die Autoren stellen hier nämlich nicht nur die Themen und Konstellationen vor, sondern beziehen sich dabei auch auf die vorhandenen Fälle und untermauern die allgemeinen Ausführungen mit dem konkreten Fallbezug. Wer also eine Klausur zu einem bestimmten Thema sucht, kann direkt im ersten Kapitel das entsprechende Thema aufschlagen und findet hier eine passende Klausur. Ebenfalls überzeugend.

Die Klausuren selbst sind mitunter sehr ausführlich formuliert, schön wieder: Es gibt vor der eigentlichen Formulierung einen Abschnitt mit „Vorüberlegungen“ und eine „Gliederung“, so dass man strukturiert üben kann. Jeweils am Ende der Fälle findet man dann noch weiterführende Hinweise zum Vertiefen, nicht nur zum Streinz, sondern auch zu passenden Entscheidungen des EuGH oder interessante Informationen: So am Ende von Fall 16 den Ausblick auf den Vertrag von Lissabon, der in einer Tabelle schnell und kurz erklärt, welcher Artikel im EGV dann z.B. unter welcher Nummer im Lissabon-Vertrag auftaucht.

Die Jurakopf-Einschätzung

Das Problem an diesem Buch war der Umfang: Für mich war es jetzt, in der Examensvorbereitung, zu viel. Ein kurzes Fallbuch war mir lieber um die Basics zu verfestigen, zumal hier in NRW das Europarecht nur „im Überblick“ beherrscht werden muss. Ich denke, sinnvoll ist es, wenn man eine reine europarechtliche Klausur schreibt, so etwa in der Zwischenprüfung oder im Schwerpunktbereich. Hier erscheint mir dieses Buch als perfekte Trainigsbasis zur Vorbereitung.

Daten zum Buch

Andreas Musil, Daniel Burchard
Klausurenkurs im Europarecht
Verlag C.F.Müller
ISBN 9783811471726
Preis: 19,50 Euro

Rechtsanwalt Jens Ferner

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