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Literatur zum europäischem Strafrecht

Ich habe in dieser Woche gleich zwei Klausuren im “Europäischen und internationalen Strafrecht” geschrieben. Da die Klausuren direkt in die Examensnote einfließen, habe ich mir beim Lernen Mühe gegeben – was ich von ganz bestimmten Herausgebern einer Textausgabe leider nicht behaupten kann. Meine Kurz-Rezensionen zum Thema.

Hinweis: Ich habe diese Klausuren in NRW im Rahmen meines “Schwerpunktbereiches” geschrieben. Gewählt habe ich Strafrecht, in NRW schreibt man hier in der Uni in diesem Bereich mehrere Klausuren, deren Noten direkt in das Examen einfließen.

Lehrbuch / Lernbuch

Europäisches Strafrecht (ich lasse “Internationales” im Folgenden Weg) ist alles andere als einfach zu differenzieren – daher gibt es in den Büchern zum Thema auch immer ein Kapitel “Was ist europäisches Strafrecht”. Insofern ist ein gutes Buch dringend nötig beim Lernen, auf keinen Fall sollte man nur mit den Unterlagen vom Prof arbeiten.

Ich habe gleich ein Vermögen ausgegeben und habe mir sowohl den “Hecker” als auch den “Satzger” zugelegt. Zusammen mit den Gesetzestexten habe ich am Ende übrigens ca. 100 Euro für Literatur ausgegeben, muss aber nicht jeder machen, dazu später mehr.

Das Auffälligste zwischen “Satzger” und “Hecker” ist die Dicke: Der Satzger ist ein normales Taschenbuch mit fast 300 Seiten. Der Hecker ist dagegen mehr als doppelt so dick und bringt gut 550 Seiten mit. Die Angst des Studenten in so einem Fall, dass nämlich im Satzger Dinge “fehlen” ist unbegründet.

Am ehesten merkt man es beim Lesen: Den Hecker habe ich in einem durchgelesen, Schriftbild, Aufbau der Texte und Schreibstil machen das durchaus möglich. Beim Satzger dagegen musste ich teilweise nicht nur einzelne Seiten, sondern sogar kleinere Abschnitt 2-3-Mal hintereinander lesen, da beim ersten Lesen nicht immer alles verinnerlicht wurde. Das lag aber weniger am Schreibstil oder Schriftbild, als vielmehr an der Tatsache, dass beim Satzger auf weniger Text viel mehr Inhalt enthalten ist. Man muss einfach sehr aufmerksam und genau lesen, bekommt aber dafür am Ende eine Unmenge Stoff geliefert.

Insgesamt waren beide Bücher sehr gut, ich fand den Satzger aber doch besser und empfehle ihn hier auch: Man liest ihn zügig durch, das Arbeiten macht Spaß und nicht zuletzt durch die Wiederholungsfragen kann man täglich wichtigste Punkte in der Vorbereitung wiederholen. Mir hat das schon deswegen geholfen, weil ich nach 6.-Lesen des Buches keine Lust mehr hatte, nochmals den Ganzen Text zu lesen und so trotzdem täglich arbeiten und wiederholen konnte. Die Fragen sind übrigens mit guten Schwerpunkten gesetzt, alle Schwerpunkte meiner Klausuren werden im weitesten Sinne durch die (wenigen!) Wiederholungsfragen angerissen.

Der Satzger ist sehr aktuell und liefert Urteile noch aus Mitte 2007. Besonders lobenswert ist die Webseite zum Buch www.lehrbuch-satzger.de, auf der eine Fülle von Normen zum Thema geliefert wird. Eine echter Tipp, zumal die Gesetzes-Textsammlungen alles andere als gut sind. Einziger Kritikpunkt ist für mich, das Thema Auslieferung. Zwar ist es im Satzger enthalten, ich fände es aber angebracht, das inhaltlich ein wenig auszubauen – es kam in meiner Klausur vor und es ist auch absehbar, dass dieses Thema in Klausuren eine spezielle Rolle spielen wird. Wer daneben den §12 bei Hecker liest (was ich dringend empfehle!), merkt wovon ich spreche.

Beim Satzger fiel mir zudem auf, dass er zwar gerne nicht der h.M. folgt, aber sehr ausdrücklich auf Meinungsstreits hinweist und hierbei (s)eine andere Meinung hervorhebt, die h.M. gesondert betont und dabei für beide Seiten die Argumente liefert. Beim Hecker hatte ich das nicht immer so im Gefühl.

Der Hecker ist nicht ganz so aktuell (Laut Vorwort Stand vom Dezember 2006) und natürlich in vielem einfach ausschweifender. Bei ihm, wie beim Satzger, kritisiere ich, dass das IRG einfach zu kurz gekommen ist. Dass hier ein Klausurschwerpunkt liegen wird ist absehbar und auch wenn das IRG natürlich bei beiden behandelt wird, so fehlt am Ende beim Lernenden das Gefühl, das IRG wirklich zu kennen und einzelne Schwerpunkte aus dem FF zu beherrschen.

Was beim Hecker dagegen unterging und beim Satzger dagegen gut und ausführlich beschrieben war, war das internationale Strafrecht: Wie werden Straftatbestände beim IStGH angewendet, wie funktionieren objektive und subjektive Elemente dort? Ist gar nicht so einfach und sehr spannend, leider wurde es schon in der Vorlesung bei mir nur angerissen und war in keinster Weise Klausur-Bestandteil. Insofern kann man es vielleicht vernachlässigen, jedenfalls beim Hecker durchaus, da das Buch ja auch nur mit “europäischem Strafrecht” betitelt ist.

Fallbücher

Ich habe auf dem Markt kein einziges Buch alleine mit Fällen oder Fragen/Antworten (so liefen meine Klausuren) zum Thema europäisches Strafrecht gefunden. Tipp an die Verlage: Vielleicht nicht 123 Bücher zum Thema BGB, sondern lieber nur 113 und dafür jeweils eins für die Schwerpunkte die an den Unis gerade eingerichtet werden. Nischenprodukte verkaufen sich ganz gut und Studenten sind dankbar.

Gesetzestexte

Wie soeben erwähnt ist “europäisches Strafrecht” schwierig zu differenzieren, so dass man die passenden Gesetzestexte mit Mühe und Not zusammen suchen muss. Wenn dann natürlich im Buchladen eine Ausgabe ausliegt mit dem Titel “Strafrecht der Europäischen Union” (Wasmeier/Möhlig) greift man sofort zu – trotz der 25 Euro. Wie ich bereits in vorherigen Artikeln deutlich gemacht habe, habe ich den Kauf schon vor längerem bereut. In den zwei Klausuren habe ich die Ausgabe einem Praxistest unterworfen und muss feststellen: Ich brauchte sie nicht. Und ich kann davon auch nur abraten.

Ich habe mich zwischendurch ereifert, dass nicht mal die EMRK im Volltext enthalten ist. Inzwischen sind mir da noch andere Dinge aufgefallen, so fehlt z.B: das zweite europäische Haftbefehlsgesetz (war übrigens Klausurinhalt). Es fehlt aber auch ein Stichwortverzeichnis. Was ich mit dem Text anfangen soll ist mir bis heute ein Rätsel. Die Antwort eines der Herausgeber hat mich da auch nicht besänftigt, so wurde mir mitgeteilt, dass die Sammlung “nicht für die Prüfung” konzipiert ist. Sollte man vielleicht drauf schreiben, doch ganz koscher ist mir das nicht, denn im nächsten Satz wurde mir mitgeteilt es wäre “ideal für die Prüfungsvorbereitung”, wie das eine geht und das andere nicht, will ich mir schon gar nicht mehr erklären lassen. Interessant aber auch die Erklärung eines Herausgebers, dass z.B. die EMRK gar kein Strafrecht i.e.S ist (mag sogar stimmen, aber ist nicht europäisches Strafrecht nur Strafrecht i.W.S?) und vor allem, dass die EMRK gar kein EU-Recht ist. Auch das ist ein interessanter Standpunkt, der aber witzlos ist, wenn die EMRK ja wenigstens in Auszügen enthalten ist – da hätte man sich das ja ganz sparen können. Man merkt langsam, dass hier irgendwo was in Konzept und Auswahl nicht stimmt. Auf mich wirken Struktur und Auswahl der Text-(Auszüge) inzwischen schon willkürlich.

Geärgert habe ich mich, weil mir erst hinterher aufging, dass ich den Sartorius II für immerhin gerade mal 2 Euro mehr erhalte – und der ist bei weitem umfangreicher. Das Problem ist nur, dass hier manch wichtige Rahmenbeschlüsse der EU (wie zu, Beispiel zur Drogenbekämpfung) nicht enthalten sind. Dafür aber im Wasmeier/Möhlig – das kann man aber gut lösen: Den Prof fragen welche man braucht und dann auf lehrbuch-satzger.de kostenlos ausdrucken. Wer 4 Seiten auf 1 druckt, spart Papier und kann dann beruhigt in die Klausur gehen.

Neben dem Sartorius II hatte ich noch den “roten Nomos” dabei, der den Sartorius II sehr gut ergänzt hat.

Mein Rat daher: Sartorius II, roter Nomos und Ausdrucken was der Prof nennt. Die 25 Euro für den Wasmeier/Möhlig kann man sich von meinem Standpunkt, nach den zwei Klausuren die ich jetzt geschrieben habe, getrost sparen.

Alles in allem gibt es momentan anscheinend keine brauchbare umfassende Gesetzessammlung. den roten Ordner “Strafrecht” aus dem Hause Beck habe ich mir ob des saftigen Preises gar nicht erst angelegt, aber hier erschien mir das Inhaltsverzeichnis recht dürftig.

Fazit

Hecker und Satzger empfand ich beide sehr angenehm, empfehle aber letztlich ausdrücklich den Satzger. Parallel dazu empfehle ich aber, den §12 bei Hecker noch zu lesen um das Thema Auslieferung umfassend gelernt zu haben.

Bei den Gesetzestexten rate ich zum Sartorius II, dem roten Nomos und dann dazu, die Rahmenbeschlüsse auszudrucken, die in der Vorlesung genannt werden und der Prof auf ausdrückliche Nachfrage für die Klausur benennt. Vom Wasmeier/Möhlig rate ich persönlich ab: Ausdrücklich kann man sich das Experiment sparen.

Externe Rezensionen:

Daten zu den Lehrbüchern

Prof. Helmut Satzger
Internationales und Europäisches Strafrecht
2. Auflage
Nomos Verlag
ISBN: 978-3-8329-2973-2
Preis: 22 Euro

Prof. Bernd Hecker
Europäisches Strafrecht
2. Auflage
Springer Verlag
ISBN: 978-3-540-48364-9

Rechtsanwalt & Strafverteidiger bei Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf
Im Raum Aachen & Heinsberg als Strafverteidiger und Fachanwalt für IT-Recht Ihr Ansprechpartner im gesamten Strafrecht mit den Schwerpunkten Strafverteidigung & Cybercrime und Persönlichkeitsrecht. Weiterhin im Ordnungswidrigkeitenrecht, speziell bei Bußgeldern von Bundesbehörden. Er arbeitet zusammen mit Fachanwalt für Strafrecht Dieter Ferner, dem Kanzleigründer, der im Strafrecht und Verkehrsrecht tätig ist.
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